Buchcover "Querdenken"

Drei Lektüre -Tipps von Marianne Bäumler

  1. Ein Sammelband zum aktuellen Thema „Antidemokratische Fanatiker“

Zitat des Herausgebers Prof. Dr. Wolfgang Benz:

„Querdenken ist zum Markenzeichen einer Ausdehnung geworden, die als ‚Bewegung‘ nach den Regeln des Marketing von Werbestrategen organisiert ist, die ihre Impulse von Populisten und Verschwörungsideologen, von Identitären und ‚Reichsbürgern‘, von Rechtsextremen, von kreidefressenden AfD- Politikern im Schafspelz, von Sektierern und Narren erhält.                               

Provokation und Usurpation sind die Methoden, Ziel ist die Destruktion von Normen und Regeln, die friedlichem Miteinander und vernünftigem Interessenausgleich in Staat und Gesellschaft dienen.                  

Ursachen sind die Verweigerung von Solidarität und Toleranz und die kollektive Entfaltung unbeschränkter Egozentrik.“

Wolfgang Benz (Hrsg.)Querdenken. Protestbewegung zwischen Demokratieverachtung, Hass und Aufruhr,Metropol Verlag 318 Seiten  € 22.00.

2. Ein Gedichtband: Heinrich Böll  ( 1917 -1985 )    

»Herr Hauptmann, ach, o halten Sie doch jetzt die Fresse, in diesem Augenblick ertrag’ ich Unsinn nicht! «

 Wie der wunderbare Prosaist und spätere Literaturnobelpreisträger schon in seinen Frühen Jahren – ab 1936 – sich voller Entrüstung, voller Trauer und voller Sehnsucht in seinen ersten so schön eigensinnigen und poetischen Schreibversuchen sich in seiner Art trotziger Melancholie bemerkbar macht – das ist berührend und lesenswert.

Ich bin so froh, dass ich diesen beeindruckenden Schriftsteller mit seiner so unprätentiös nachdenklichen Stimme noch persönlich kennenlernen konnte, auch als eindringlichen Mahner für den Frieden zu Beginn der Achtziger, damals auf der ach so bunt lebendigen Bonner Hofgartenwiese, wo sich jedes Mal über 300000 aufbegehrende Demonstranten gegen einen irrsinnig bedrohlichen „Rüstungswettlauf“ genannt „Nato-Doppelbeschluss“, einfanden.

„Einmischung ist die einzige Möglichkeit, realistisch zu bleiben.“  (Heinrich Böll 1977).

„Ein Jahr hat keine Zeit“ Heinrich Bölls lyrisches Werk,
Verlag Kiepenheuer & Witsch, 192 Seiten, 20 €.

3.    Tana French’s neuer Roman ist sehr anders als ihre bisherigen Krimis, nämlich weniger brutal und doch spürbar dieselbe Autorin, was ihren „stream of  consciousness“ so gekonnt auszeichnet.

Zitat: „Ausgelaugt von der Anstrengung, sich notdürftig über Wasser zu halten, sie haben nicht den Spielraum, irgendetwas Größeres oder Entfernteres anzustreben.“ Cal Hooper’s Wahrnehmung gesellschaftlichen Unrechts und unverschuldeten Elends hat er sich erhalten können. So, aus der Perspektive eines amerikanischen Cops aus Chicago, der zwar ziemlich ausgebrannt ist nach Jahrzehnten heftiger sozialer Konfrontationen in einer Millionenmetropole, dennoch immer noch einfühlfähig, was seine unerwarteten Begegnungen in der kargen scheinbar friedlichen Landschaft in Westirland betrifft, in der er ein runtergekommenes Haus gekauft hat und es nun wohnlich als retreat für sich renoviert. Auch um den Schmerz des Verlassenen von seiner Ehefrau irgendwie tapfer zu verkraften, hier erlebt er Abgründe, kriminelle Machenschaften in der Provinz, und: er trifft auf Menschen, denen er helfen, denen er beistehen kann, in der Tat. Ein berührendes und schön unhektisches Buch mit einigen Überraschungen!

Tana French: Der Sucher,  Scherz Verlag, 496 Seiten, 22 €

Diese Bücher sind bestimmt gut auch als nachträgliche Weihnachtsgeschenke (Gutscheine!) geeignet!

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Die Theater-, Film- und Literaturkritikerin schreibt für diverse Zeitungen und arbeitet für den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Sie promovierte über Erich Kästner, lehrte an der Universität Marburg, arbeitete als Dramaturgin und machte Dokumentarfilme für den WDR und andere ARD-Sender.


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