E r gehörte gleichsam zum Inventar der deutschen Politik: Hans-Roland „Rolli“ Fäßler, gebürtiger Augsburger, (gewesener) Katholik, (gewesenes) SPD-Mitglied, immerwährender Journalist, Strippenzieher, Berater von Spitzenpolitikern und Unternehmen, erfolgreicher Rundfunkunternehmer und seit Jahrzehnten aufmerksamer Beobachter der politischen Zeitläufte in der Bundesrepublik – sowohl in der Bonner als auch in der Berliner Zeit.
Sein Leben lässt sich in drei Phasen aufteilen. Nach dem Abitur begann er ein Volontariat bei der „Augsburger Allgemeinen“. Anschließend wechselte er als Journalist und Bonner Korrespondent zum Bayerischen Rundfunk. Von 1983 bis 1987 war er für die ARD-Rundfunkanstalten als Korrespondent in Madrid für Spanien und Portugal tätig.
Schon in dieser Zeit machte er aus seiner Mitgliedschaft in der SPD und seinem Engagement für die Partei kein Hehl. In den 70er-Jahren war es durchaus üblich, dass Journalisten politischen Parteien angehörten und sich auch dazu bekannten. Fäßler war Freund und publizistischer Berater von Johannes Rau und Wolfgang Clement, bei dessen Beisetzung er während der Corona-Zeit eine bewegende Abschiedsrede hielt. Sogar zu Oskar Lafontaine hatte er – zu dessen SPD-Zeiten – einen belastbaren Kontakt. Er beriet Sigmar Gabriel und vor allem Peer Steinbrück, dessen Kanzlerkandidatur er engmaschig begleitete.
Zu dieser Zeit aber war er aus dem Journalismus schon längst in eine zweite Phase, nämlich in die Rolle eines Unternehmers, geschlüpft. Ende der 80er-Jahre gründete er die private Rundfunkagentur RUFA in Bonn. Auch bei Bertelsmann und Gruner + Jahr mischte er erfolgreich mit.
Anfang der 2000er-Jahre gründete er dann – in seiner dritten Phase – ein eigenes Beratungsunternehmen: die polimedia.
Er genoss aber auch das Leben außerhalb der Politik. Nach Möglichkeit unternahm er einmal im Jahr mit seiner Frau Sigi und befreundeten Paaren eine KKK-Reise. Der Begriff stand für Kunst + Kultur + Kulinarik. Die Reisen führten nach Rom, nach Dresden, auf Goethes Spuren nach Weimar, in den Harz, ins westfälische Münster auf den Spuren der Wiedertäufer, nach Oberschwaben an die Barockstraße oder auch in seine Vaterstadt Augsburg.
Auf diesen Reisen wurde aber nicht nur über Sehenswürdigkeiten gesprochen, die man tagsüber besichtigt hatte. Abends – bei leckerem Essen und gutem Wein – ging es dann immer wieder auch um die Politik, die ihn nicht losließ. Er war ein vielseitig interessierter, belesener und mit einem hervorragenden Gedächtnis für Menschen und Ereignisse ausgestatteter Mann. Er hatte Spaß daran, seine Meinung kundzutun und zu erzählen – über Menschen, Ereignisse und Entwicklungen der politischen Welt. Dabei sparte er auch nicht mit Details von seinen Begegnungen mit dem kubanischen Machthaber Fidel Castro.
Und die SPD, der er fünfzig Jahre angehörte, ließ ihn nicht los, auch nachdem er ausgetreten war, in einer persönlichen Mail an den damaligen Generalsekretär (und heutigen SPD-Chef) Lars Klingbeil. Immer wieder äußerte er sich in seinen letzten Lebensjahren auch publizistisch, vor allem zur Lage der SPD, an der immer noch – irgendwie – sein Herz hing.
So klagte er in der Zeitschrift CICERO bereits 2020: „Die SPD verliert von Wahl zu Wahl ihre Wählerschaft. Geringverdiener wählen entweder gar nicht mehr oder begeben sich ins Lager der AfD. Die sozial bewussten Besserverdiener fühlen sich bei den Grünen heimisch. In ihrer Verzweiflung bandelt die SPD mit der Linken an; ein Irrweg.“
Jetzt ist er plötzlich und unerwartet gestorben. Um ihn trauern seine Frau, seine drei Töchter und die ganze Familie. Desgleichen unzählige Freunde und Weggefährte., Zu denenzählt auch der Autor dieses Nachrufs.












