Klimawandel

Klimagipfel – Durchmogeln reicht nicht

Scharm El Scheich ist gipfel-erprobt. Zahlreiche Friedensverhandlungen für den Nahen Osten fanden in dem ägyptischen Badeort statt. Eine nicht enden wollende Geschichte von Hoffnungen und Enttäuschungen. Jetzt tagt dort der Weltklimagipfel, die Konferenz der Parteien (COP), und die Erwartungen sind gedämpft. In Zeiten von Krieg, Energie- und Ernährungskrisen rechnet niemand mit einem Erfolg. Dabei müsste es umgekehrt heißen: gerade jetzt.

Gerade jetzt, da die zerstörerische Kraft der Klimakatastrophe schmerzlich erkennbar wird, müsste sich die Staatengemeinschaft eines Besseren besinnen und ihre gemeinsamen Anstrengungen auf das Überleben ausrichten. Nach Lage der Dinge ist sie zum Erfolg verdammt. Entschlossenheit in dieser existenziellen Frage ist das Gebot der Stunde und Voraussetzung für eine langfristige Perspektive von Frieden und Gerechtigkeit. Ohne einen Erfolg im Kampf gegen die Erderwärmung werden Hunger, Flucht, Zerstörung, Kriege und Armut auf dem Planeten zunehmen.

Die notwendigen Maßnahmen sind bekannt, zum Teil sogar vereinbart, doch von einer Umsetzung weit entfernt. Seit dem Abkommen von Paris 2015, mit dem sich die Vertragspartner auf das Zwei-Grad-Ziel verpflichtet haben, steigen die Treibhausgasemissionen weiter an. Die Versprechen von Glasgow 2021 blieben weithin unerfüllt. In Scharm El Scheich werden nun neue Ziele und Zusagen angestrebt. Das bringt wenig, solange sie nicht eingehalten werden.

Das 100-Milliarden-Dollar-Versprechen, das den globalen Süden bei der Finanzierung von Schutzmaßnahmen helfen soll, wurde ebenfalls gebrochen. Nun drängt die Frage der Entschädigung mit mehr Macht auf die Tagesordnung. Die Hauptverursacher des Klimawandels im Norden sollen stärker für die Folgeschäden aufkommen, unter denen die ärmeren Länder zu leiden haben. „Verlust und Zerstörung“, „Loss and Damage“ heißt der Fonds, den Industrieländer und Schwellenländer speisen sollen, um Entwicklungsländern in Katastrophenfällen Schadenersatz zu zahlen. Doch die Geberländer weigern sich, über das Verursacherprinzip auch nur zu verhandeln. Allein Dänemark ist in dieser Frage eine rühmliche Ausnahme.

Die deutsche Bundesregierung spricht zwar von der „höchsten Priorität“, die sie der Eindämmung der Erderwärmung beimesse, und auch von einer Vorreiterrolle, die sie auf der internationalen Ebene einnehmen wolle. Doch der jüngste Bericht des eigenen Expertenrats hat wenige Tage vor Beginn des zweiwöchigen UN-Treffens erhebliche Versäumnisse in der nationalen Klimapolitik aufgezeigt. Um das Klimaziel, bis 2030 den Ausstoß von Treibhausgasen um mindestens 65 Prozent zu senken, doch noch zu erreichen, muss weitaus mehr geschehen. Ein Durchmogeln bei immer mehr Wachstum, mehr Konsum, mehr Komfort wird nicht gelingen.

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Die promovierte Medienwissenschaftlerin arbeitete mehr als 20 Jahre in der Politikredaktion der Westfälischen Rundschau. Recherchereisen führten sie u. a. nach Ghana, Benin, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, China, Ukraine, Belarus, Israel und in das Westjordanland. Sie berichtete über Gipfeltreffen des Europäischen Rates, Parteitage, EKD-Synoden, Kirchentage und Kongresse. Parallel nahm sie Lehraufträge am Institut für Journalistik der TU Dortmund sowie am Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus in Dortmund wahr. Derzeit arbeitet sie als freie Journalistin.


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