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Kölner Opern-Desaster

Friedhelm Ost Von Friedhelm Ost
4. Juli 2017
Innenraum Oper Köln

Am 11. Januar 2017 wurde in Hamburg die Elbphilharmonie eröffnet – mit 6 Jahren Verspätung. Als sie geplant und der Bauauftrag vergeben wurden, sollte das Konzerthaus 241,3 Mio. € kosten. Am Ende beliefen sich die Kosten auf 866 Mio. €. Die sonst so sparsamen Hanseaten gingen bei der Finanzierung wahrlich in die Vollen. Nun lauschen sie der Musik, genießen die Akustik und schweigen, wenn es um’s Geld geht.

Drohende Kosten-Explosion

Offenbar will Köln da nicht nachstehen: Die Sanierung des Opernhauses war überfällig und sollte etwa 253 Mio. € kosten. Doch bis zur Aufführung von Mozarts Zauberflöte oder Wagner Meistersinger wird es noch länger dauern. Der Bau-Zauber ist in der Tat nicht zum Musterstück geworden, sondern zu einem Riesendesaster. Die Kosten für die Neugestaltung der Opernbühne am Rhein werden inzwischen mit 540 bis 570 Mio. € angegeben. Ob das wirklich das Ende der Fahnenstange sein wird, mögen die Verantwortlichen der Stadt nicht beschwören. Es könnten wohl auch gut und gerne zwei oder gar ein paar hundert Millionen mehr werden, die bis zur endgültigen Sanierung des Musik-Hauses erforderlich werden. Immerhin sind die Oberen der Stadtverwaltung zuversichtlich, dass die Sanierung des Opernhauses gelingen kann.

Eröffnung im Jahre 2025

Bis Ende 2022 wird es auf jeden Fall noch dauern, bis die Bauarbeiten beendet sein sollen. Bis zur Eröffnung der Kölner Oper dürfte es jedoch noch etwas länger dauern – vielleicht bis 2025. Und die Endrechnung könnte dann gar bei 800 bis 900 Mio. € liegen. Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs haben sich die Kölner offenbar daran gewöhnt, dass in ihrer Stadt nichts schnell geht und dass die anfangs kalkulierten Kosten einigermaßen reichen. Verantwortung für solche Desaster mag ohnehin niemand übernehmen – weder im Rat noch in der Verwaltung. Die Oberbürgermeisterin Henriette Reker versucht da etwas Trost zu spenden und beruhigend zu wirken, indem sie auf die eingeleitete Untersuchung des Rechnungsprüfungsamtes der Stadt verweist. Solche Prüfungen gehen bekanntlich zumeist wie das berühmte Hornberger Schießen aus: Schuldige für das Desaster sind nicht auszumachen, Verantwortung dafür hat niemand, Konsequenzen bleiben aus. Gerade in Köln gilt die rheinische Weisheit: Es ist noch immer gut gegangen.

Et kütt wie et kütt

Die Stadt ist finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet, sondern in beachtlichem Umfang verschuldet. Da müssen eben neue Schulden gemacht, nämlich Opernkredite aufgenommen werden. Die Zinsen sind derzeit ja niedrig; etwas weniger als 2 % pro Jahr werden für die Baukredite zu zahlen sein. Bei einer Laufzeit von 50 Jahren summieren sich die Beträge für deren Bedienung und Tilgung dennoch zu einer beachtlichen Belastung. Die Oper wird das gewiss nicht einspielen; vielmehr werden für den Betrieb weitere Subventionen aus der Stadtkasse erforderlich sein. Wenn die Stadtoberen in etwa einem Jahrzehnt mit salbungsvollen Worten und herrlichen Klängen das Musikhaus eröffnen werden, mag das eine stolze Präsentation dieser politischen Großtat werden. Ob die Bürgerinnen und Bürger der Domstadt es dann mit „Et kütt wie et kütt“ angesichts maroder Straßen, Schulen, Kindergärten und anderer Gebäude in der Stadt hinnehmen werden, mag zumindest bezweifelt werden. So könnten manche Opernarien in deren Ohren recht schrill klingen.

Bildquelle: Wikipedia, Superbass, CC-BY-SA-4.0

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Tags: BauskandalBERElbphilaharmonieKölnKostenexplosionOB KölnOB RekerOper KölnVerteuerung Opernbau
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