Statue Freiherr von Münchhausen

Markus Söder macht auf Münchhausen

Der bayrische Ministerpräsident Söder will ein neues „Narrativ“, in diesem Fall eine staatspolitisch eingefärbte Erzählung unter die Leute bringen: der „freie Süden“ gegen eine preußisch- zentralistische Ampel.

Im Oktober 1963 glossierte Felix Rexhausen in der Sendung „Auf ein Wort“ das Verhältnis der –damals – West-Deutschen zu Bayern: „…was bringt uns dieser Irrtum ein, dieser ständige Versuch, so zu tun, als wären die Bayern welche von uns? Ärger bringt er uns ein, Zwietracht, Schleichwege außerhalb und Lücken innerhalb der Legalität, einen schlechten Ruf im Ausland, Zwietracht und Sorge und ein stetes Knistern und Knarren im demokratischen Gebälk.“

Das ist natürlich (aus heutiger Sicht) arg, arg übertrieben. Rexhausen sagte weiter: „Bayern als die den Deutschen auferlegte Prüfung, die immer neu zu bestehen ist. Die Aufgabe, an der wir seelisch und geistig wachsen. Andere Völker müssen mit einem Vesuv leben oder mit regelmäßig eintreffenden Lawinen oder mit Heuschreckenschwärmen…“

Nun ist Herr MP Söder weder ein Heuschrecken-Männchen noch eine Art Vesuv. Er ist ein kommunikativ übergriffiger, sich konservativ wähnender Populist. Nicht mal die Basis, die bayrische stimmt heutzutage noch. Rexhausen hatte damals die bayrischen Stämme im Sinn mit ihren Eigenwilligkeiten.  Mit diesen hat aber bereits einer der Vorgänger Söders aufgeräumt, der beinahe Kanzler Edmund Stoiber (so weit hat es Söder ja nicht gebracht). Denn er fügte dem bayrischen Symbol „Lederhose“ den Laptop hinzu oder beides zusammen.

Was heißt: Bayern ist nicht mehr Bayern, sondern längst ein bundesdeutscher „Mischbetrieb“ geworden, in welchem die ursprünglich  bayrischen Stämme nach der Binnenmigration der vergangenen Jahrzehnte wahrscheinlich Minderheit geworden sind. Bayern ist wie beispielsweise Hamburg oder Berlin seit Jahren Gewinner des Zuzugs aus anderen deutschen Landen, die Migration von außerhalb der (noch?) gemeinsamen deutschen Grenzen nicht mal eingerechnet. Und das bedeutet: Söder hat die geschmähte Ampel-Idee  in den eigenen Landesgrenzen. INSA bestätigt das: die jetzige Koalition aus CSU und freien Wählerschaften erreicht 40 v.H. – die Ampel-Koalition 46 v.H. Nur die AfD könnte Söder aus der Minderheits-Position  befreien. Aber das traut sich nicht mal der Süd-Populist.   Vielleicht wird in ferneren Jahren ein kluger Kopf über Söder schreiben wie damals der Rexhausen über Bayern: Wie der Markus die Freiheit suchte und dabei seinen Kopf  verlor.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Hans Hansen auf Pixabay License

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Klaus Vater
Über  

Redakteur 1972 und bis 89 in wechselnden Redakteursaufgaben. 90 bis 99 wiss. Mitarbeiter der SPD-Bundestagsfraktion, Büroleiter Dreßler, 2000 Sprecher Bundesarbeitsministerium, dann des Bundesgesundheitsministeriums, stellv. Regierungssprecher; heute: Publizist, Krimiautor, Lese-Pate.


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