Russische Soldaten

„Krieg ist krank – Immer!“ Putin will Europa dominieren

Ja, das trifft zu, und das ist nicht neu. Den Aufwind neuerdings in der Nato sehe ich mit gemischten Gefühlen. Ja, es wird Zeit, dass Europa zusammensteht, um endlich zu begreifen, wie gut und wesentlich die DEMOKRATIE für uns Alle ist, auch als Voraussetzung, um endlich zu begreifen:

Es kann kein endloses Wachstum auf einem endlichen Planeten geben.

Was auch immer deutsche Politiker:innen und amerikanische Politiker:innen bereit sind, an Fehlern in den vergangenen 25 Jahren zuzugeben, und diese unheimliche Formulierung von Frau Merkel vom „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ von 2009 – Das hört sich doch wirklich an wie Krebs!  – es geht nicht um „westliche Werte“ – was soll das sein? – es geht um demokratische GRUNDRECHTE, und die sind unteilbar, und sie sind der ZUGANG zu einer wesentlichen globalen Erkenntnis!

Und die lautet: An allen Ecken und Enden der Welt: der entgrenzte Turbokapitalismus ist toxisch für alle Menschen auf Erden!

Eigentlich ist das ja gar nicht so schwer zu begreifen, denn schon Kinder haben zunächst in der Gruppe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, und wenn sie satt sind, haben sie keinen Hunger mehr, und müssen keinem was wegnehmen, und sie wollen sich eigentlich vertragen und sich verstehen, auch im Wortsinn, und schön zusammen spielen, das auch. Eher würden sie angesichts von erwachsener Profitgier fassungslos die Köpfchen schütteln.

Auch die russische Bevölkerung würde lieber informiert sein über politische Machtverhältnisse, darüber, was mit ihren Steuern geschieht – schließlich arbeiten die russischen Männer und Frauen bekanntermaßen sehr hart – über ungerechte Fakten und staatliche Aggression, würde lieber ein sinnvolles Leben gestalten, ohne staatliche Repression. Und sie wären froh, wenn sie wüssten, wie gut DEMOKRATIE sein kann, und sie würden sich gerne daran beteiligen, an einem sinnvollen Miteinander, frei sein mit fairen Regeln für Alle.

Über die zunehmend diktatorischen Verhältnisse in Russland wusste „der Westen“ Bescheid, jedoch – man sah darüber hinweg. Dazu Grigori Judin in der NZZ: „Die Zivilgesellschaft ist auch deshalb entkräftet, weil der Westen Putin jahrzehntelang nicht nur gewähren ließ, sondern belohnte.“

Völlig daneben, ja kontraproduktiv finde ich allerdings diesen Satz von Lettlands Präsident Levits heute im dlf:

„Was Putin sagt, ist völlig irrelevant und lächerlich.“

 Das ist die neue verantwortungslose toxische Männlichkeit in der NATO – diese pseudoüberlegene Sprache, die den Kriegsverantwortlichen, den Mann Putin nur paschahaft ausgrenzt, ihn jedoch nicht konfrontiert mit seiner realen SCHULD, als den konkreten Verursacher der wahnsinnigen Zerstörung, der Schmerzen und der Angst und seiner eisigen Gefühlskälte angesichts vom Tod ukrainischer Menschen. Oh weh, was folgt an weiterem Leiden aus so einer inhaltsleeren Macho-Benennung: „Völlig irrelevant und lächerlich“

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Die Theater-, Film- und Literaturkritikerin schreibt für diverse Zeitungen und arbeitet für den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Sie promovierte über Erich Kästner, lehrte an der Universität Marburg, arbeitete als Dramaturgin und machte Dokumentarfilme für den WDR und andere ARD-Sender.


'„Krieg ist krank – Immer!“ Putin will Europa dominieren' hat 2 Kommentare

  1. 6. Juli 2022 @ 11:43 N. Mallik

    Hier finde ich eine relevante Zusammenfassung der Geschehnisse, eine Analyse und Ausrichtung für die Zukunft. Unsere menschliche Entwicklung auf dem Planeten hängt davon ab, solche Aggressionen wie den Überfall Russlands auf die Ukraine nicht mehr zuzulassen geschweige zu fördern. Den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern und die Verwendung fossiler Energieträger mit den realen Kosten zu belegen. Die Gasimporte fast nur von Russland bestreiten zu lassen kann ich mir nur so erklären, dass es für einige Leute sehr lukrativ war und ist. Gut, dass der Riesenpups hoffentlich bald Geschichte ist und die Gasschiene geschrödert werden kann.

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  2. 8. Juli 2022 @ 10:17 Ralf Liebers

    Ob es nun „westliche Werte“ genannt wird oder eben korrekt „Demokratie“ und „Grundrechte“, das ist meines Erachtens nicht falsch oder richtig, sondern es kommt auf den dahinter liegenden Standpunkt an.
    Benutze ich diesen zusammenfassenden Ausdruck, weil in Westeuropa und Nordamerika Demokratien deutlich häufiger verbreitet sind als anderswo auf der Welt, dann ist das in Ordnung.
    Benutze ich den Ausdruck „westliche Werte“ aber, weil ich damit eine moralische oder sonstige Überlegenheit ausdrücken will, dann fördert das unsere imperiale Sicht- und Lebensweise – und das ist nicht in Ordnung, sondern auf lange Sicht brandgefährlich, weil wir uns dann als die Herrscher der Herrscher betrachten. Das werden viele andere nicht auf Dauer akzeptieren und daraus entstehen Spannungen, die bei sturer Beibehaltung dieser Sichtweise irgendwann zu Kriegen führen.
    Und aus dieser imperialen Sichtweise ist noch ein weiterer „westlichen Wert“ entstanden und der ist das Geld, besser gesagt der Gewinn/Profit. Wir machen Geschäfte mit jedem, bei dem wir einen Gewinn erkennen können und begreifen nicht, dass wir dabei auch die größten Verbrecher fördern, selbst dann, wenn wir den größeren Geldgewinn erzielen. Dem Geld haben wir (unsere Inhaber der Macht) alles untergeordnet und das wird letztlich auch unsere echten Werte wie Demokratie und Grundrechte mit in den Abgrund reißen.
    Beide Sichtweisen auf die „westlichen Werte“ werden nämlich langfristig als eine Art Synonym betrachtet und gelten damit als verlogen. Damit macht man auf Dauer keinen Staat, weder bezüglich des Ansehens noch im wahrsten Sinn des Wortes.
    Zu dieser hegemonialen Sichtweise passt die Arroganz derer, die die Meinung scheinbar Unterlegener als lächerlich betrachten, perfekt.

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