Fußball im Tor

So ein Kuss – Überdeutlich besitzanzeigender Macho-Stempel!

Das ist jetzt keineswegs zynisch gemeint:
Was für ein symbolträchtiges Timing- Glück! Denn diese Art von unfreiwilliger Verfügbarkeit furchtbar vieler Frauen auf unserer Welt – durch Väter, Brüder, Cousins, Trainer und anderer Freunde und männlicher Verwandte  –  auf den verschiedensten Ebenen als Instrumente für Last und Lust benutzt– sie findet ja permanent, quasi sekündlich statt! Nur eben selten öffentlich, selten so dermaßen plakativ, und das angesichts von so starken selbstbewussten Frauen!

Insofern  ein  für die  Weltöffentlichkeit  wirksamer überaus deutlicher Übergriff eines Erfolgs verwöhnten mächtigen Herren,  dem doch besonders die weiblichen Gewinnerinnen in einer Männerdomäne  so unsagbar viel zu verdanken hätten, der noch dazu so locker und sportiv daherkommt – wer kann sich denn da ernsthaft drüber aufregen?!

Tja, Senior Rubiales, vielleicht wissen Sie noch gar nicht, dass Ihr anmaßender Auftritt jetzt für die Frauen in aller Welt ein großes Zeichen des Aufbruchs bedeuten kann. Zwar sind Sie sich keiner Schuld bewusst – Sie taten, was Sie für selbstverständlich halten …

Und doch hat Ihr herrenhaft stürmisches Verhalten das Signal gegeben, dass wir in einem „postheroischen Zeitalter“ ankommen können, und Mächtige Männer für Frauen weder anbetungswürdig sind, noch dass Frauen bereit sind, sich ihnen weiter unterzuordnen.

Und übrigens: der Verweis darauf, dass mann mit seinen Töchtern doch  selbstverständlich genau so locker umgehen kann – also küssen auf den Mund und so – Ich gehe davon aus, das ganz viele Töchter dieser Erde ihren Vätern lieber nicht klar machen, dass sie diese und andere Art körperlicher Übergriffe lieber nicht über sich ergehen lassen. Denn – was könnte ihnen sonst zustoßen, wenn sie die Beschämung von Machos und Paschas dann auch noch erleiden müssten.

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Die Theater-, Film- und Literaturkritikerin schreibt für diverse Zeitungen und arbeitet für den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Sie promovierte über Erich Kästner, lehrte an der Universität Marburg, arbeitete als Dramaturgin und machte Dokumentarfilme für den WDR und andere ARD-Sender. Redaktion und Ko-Autorin der Günter Lamprecht-Biographie "Und wehmütig bin ich immer noch." Ihr wundervolles Motto zu unserem Humanistischen Grundkonsens: "DEMOKRATIE - die bunte Freiheit, mit gleichen, klar geordneten Spiel-Regeln für Alle!" 2016


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