Markus Söder

Söders schlechter Stil – kleinkariert

Ob Markus Söder je ein Mann wird, den man auch als Landesvater bezeichnen wird? Gerade hat er wieder mal einen rausgehauen, würden die Kritiker es formulieren, so richtig daneben, er hat es den Sozis gegeben, wie es manche mögen im Bierzelt. „Die Welt zu Gast in Bayern“ beginnt sein Tweet zur Begrüßung der Staats- und Regierungschefs in seinem Bayern-Land. Und für die Weltgewandten folgt die Begrüßung auf Englisch: „Welcome to Bavaria. Wir begrüßen die wichtigsten Staatschefs der Welt. Beim G-7-Gipfel organisiert sich die freie Welt und definiert gemeinsame Interessen. Die aktuellen Krisen in der Welt zeigen, wie wichtig internationale Abstimmung ist.“ Alles richtig, nur ein Kopf fehlt, der des deutschen Bundeskanzlers von der SPD, Olaf Scholz, den heißt der CSU-Oberst Söder nicht willkommen. Und erntet dafür Kritik auch aus den Reihen der Union. Der frühere CDU-Generalsekretär Rupert Polenz urteilte: „Schlechter Stil!“ Und das ist es mindestens, auch wenn Söder in einem ZDF-Interview am Sonntagabend die Chance erhielt, das richtig zu stellen. An den Haaren herbeigezogen, versuchte der CSU-Chef seinen Mißgriff in ein anderes Licht zu rücken. Der Bundeskanzler sei schließlich kein ausländischer Staatschef, Bayern Teil Deutschlands, so solle es bleiben. Das nimmt ihm kaum einer ab. So ist er, der Markus Söder, auch mit 55 Jahren und als Ministerpräsident kein Politiker mit Stil, sondern eher mit schlechten Manieren, wenn es Not tut ruppig und breitbeiníg.

„Kleinkariertes Gehabe“ reagierte eine Twitter-Nutzerin, die Söder aufforderte, endlich die Niederlage bei der Bundestagswahl im letzten Herbst zu akzeptieren. „Verwinden Sie endlich, dass Sie gegen Scholz verloren haben.“ Das wird er nie, Demut war nie seine Sache, einem anderen Recht zu geben, auch nicht. Hinterfotzig würden ihn die Bayern eher beschreiben. Der missratene Tweet wird ihm schaden, weil er den Eindruck erweckt, als sei alles seins. Sein Bayern, sein Elmau, sein Wettersteingebirge, aber halt: sein G-7-Gipfel ist es nicht, er ist nicht mal Gast in Elmau beim Treffen der Großen. Dazu ist er zu klein. Gastgeber ist der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz und das will Söder wohl verdrängen, nicht wahrhaben. 1,94 m das ist Gardemaß, aber Herr Söder, Länge ist noch lange keine Größe.

Armselig, findet ein anderer Internet-User. Söder muss sich von der früheren Vorsitzenden der bayerischen SPD, Natascha Kohnen, vorhalten lassen, wie „niveaulos“ sein Verhalten sei. Der mächtigste Mann der Erde, US-Präsident Joe Biden, lobt ausdrücklich Scholz Rolle beim Zusammenhalt der G-7-Gruppe und der Nato gegen den Willen des Kriegsverbrechers aus Moskau, Wladimir Putin, und sagt mehrfach „Danke“ an die Adresse des deutschen Gastgebers von der SPD. „So tief sollte man nicht sinken“, ergänzt die frühere SPD-Chefin aus München. Ja, man schämt sich ob des Benehmens des CSU-Chefs. Von wegen bayerische Gemütlichkeit und großzügige bayerische Gastgeberschaft. Das ist parteipolitische Zwergenpolitik.

Natürlich fragt man sich, ob Söder mit der Kanzlerin ähnlich verfahren hätte? Wer will das wissen? Beim letzten Gipfel unter Führung von Merkel war Söder nicht Ministerpräsident des Freistaats. Damals 2015, das war die Zeit der Flüchtlingskrise, fand der Gipfel ebenfalls in Elmau statt.Man erinnert sich noch an das Bild, das um die Welt ging, US-Präsident Obama auf einer Bank sitzend und vor ihm Angela Merkel, als wollte sie dem Amerikaner ihre Sicht der Welt erklären. Das Ganze vor der prächtigen Kulisse des Wettersteingebirges, unter blauem Himmel, bei Sonnenschein. Damals war Söder noch ein heftiger Kritiker der Merkelschen Flüchtlingspolitik. Ihr „Wir schaffen das“ hielt er entgegen, man müsse über das Grundrecht auf Asyl nachdenken. Aus derselben CSU-Ecke stammt ja auch die Forderung, das Einwandern in deutsche Sozialsysteme zu verhindern. Der Asyltourismus müsse gestoppt werden. Christliches Menschenbild? Liberalitas Bavariä? Ja, wenn es um Deutsche geht. Als CSU-Generalsekretär hatte Söder Jahre zuvor vorgeschlagen, zur besseren Integration von Einwanderern in bayerischen Schulen die deutsche Nationalhymne singen zu lassen.

Markus Söder ist ein gnadenloser Populist, hat der FDP-Mann und Vizepräsident des Bundestages, Wolfgang Kubicki, mal gesagt. Und der Freidemokrat versteht sich selbst vorzüglich aufs Populistische. 2018 ließ Söder Kruzifixe in jedem bayerischen Dienstzimmer aufhängen. Auf Kritik entgegnete er, das Kreuz sei kein Zeichen „unserer Religion“, sondern es spiegele sich vielmehr in dem Kreuz „unsere bayerische Identität und Liberalität“. Prompt fing er sich heftige Schelte von ganz oben ein. Der Kardinal von München und Freising, Reinhard Marx, reagierte kurz: „Das Kreuz lässt sich nicht verordnen.“ Wenn es Söder opportun erscheint, umarmt er mal eben einen Baum. Als wenn man so die Grünen überholen könnte. Er macht sich eher lächerlich, wenn er eine bayerische Raumfahrt-Initiative startet, als wollte er zum Mond oder Mars. Jedenfalls greift er gern nach den Sternen, wenn er meint, das würde seinem Ego guttun. Söder, so die Spiegel-Redakteurin Anna Clauß, in einer Biographie über den Nürnberger CSU-Mann: Söder folge der politischen Großwetterlage. Sein Inhalt heißt vor allem: Söder.

Söder ist kein Menschenfischer. Sein großes Vorbild ist Franz Josef Strauß. Aber ob einer wie Strauß nochmal so erfolgreich sein könnte? Umstritten wie der war? Und was man heute von Strauß so alles weiß? Edmund Stoiber hat ihn zumindest früher beraten. Theo Waigel ist ein völlig anderer CSU-Politiker, integer, ein Mann des Ausgleichs. Söder auch gelernter Fernseh-Journalist. Deshalb die Liebe zu Bildern? Die Sache mit der Corona-Maske mit weiß-blauen Rauten? Sein Amtsvorgänger Horst Seehofer hat mal von den „Schmutzeleien“ des Markus Söder geredet, gemeint waren damit wohl Durchstechereien in Berlin, um bekannt zu machen, dass der Familienvater Seehofer mit Wohnsitz in Ingolstadt mit einer Geliebten in Berlin  ein uneheliches Kind hat. Söder hat bestritten, die Gerüchte gestreut zu haben. .Aber das hat Stoiber im Fall von Waigel auch getan, als dessen Freundschaft mit Irene Epple damals in Bonn die Runde machte  und zwar just zu der Zeit, als es um die Frage ging, wer nächster bayerischer Ministerpräsident würde. Stoiber wurde es, wie bekannt. Waigel hat ihm das Dementi nie abgenommen. Hätte ich auch nicht.

A Hund is er scho. Haben sie über Strauß gesagt. Den sie immer noch als ihren Übervater ansehen, auch wenn längst alle wissen, dass der alles andere war als ein Heiliger. Ob es dem Söder zugute kommt, die von ihm bemühte Nähe zu Strauß, dessen Konterfei er als junger CSUler über seinem Bett gehängt haben will? Peter Gauweiler wird in einem Klasse-Porträt der CSU durch den SZ-Reporter Roman Deininger wie folgt zitiert: “  Der Strauß´sche Rahmen“- er meint die Bierzelt-Koalition aus CSU plus freie Wähler plus AfD plus FDP, knapp 65 Prozent- ist noch da.“ Söder wird sich ins Fäustchen lachen über seine Kritiker. Das mit Scholz und dem Gipfel war Absicht. Auch wenn er es zurückweist.

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arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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