Braucht das Land mehr Klopp als Merz? Kann der Bundeskanzler vom neuen Bundestrainer lernen? Eine Menge! Meint jedenfalls das online-Medium Berlin Table und gibt Friedrich Merz eine simple Literaturempfehlung: Einfach mal die Biographie des langjährigen FAZ-Sportjournalisten Michael Horeni über Jürgen Klopp lesen. Dort könnte der Kanzler erfahren, „was Klopp am allerbesten kann – und woran Merz bis heute scheitert“.
Die verheerende Begründung: „Es geht im Kern um den Umgang mit Menschen.“ Klopp hab etwas, was Merz nicht vermöge: „Man muss sich mit Menschen verbinden und mit Menschen verbünden. Im besten Sinne. Emotional, empathisch, sich selbst erklärend, sich in den anderen hineinversetzend, dabei motivierend und integrierend. Diese Aufzählung sagt alles über den Menschenfänger Klopp – und viel über einen Kanzler, dessen Beliebtheitswerte so tief im Keller sind wie noch bei keinem Regierungschef vor ihm.“
Nur zur Einordnung dieses Urteils fehlender menschlicher Sensibilität des Kanzlers: Der Autor des Artikels für Berlin Table, Stefan Braun, ist kein polemischer Eiferer, sondern seit Jahrzehnten ein seriöser Beobachter der Berliner Politik.
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Noch einmal zu den Beliebtheits- oder besser Unbeliebtheitswerten des Kanzlers. Sein Regierungssprecher Stefan Kornelius hält diese Umfragen nicht für seriös – oder um es umgangssprachlich zu sagen: häufig finanziell für erstunken und erlogen. Die meisten Meinungsforschungsinstitute hätten gar nicht das Geld, um im Wochentakt fundierte Informationen über die Stimmungslage im Land zu erfragen, erklärte er diese Woche in der Bundespressekonferenz. Die Befrager waren empört, werteten die Einschätzung des Sprechers als „Wirklichkeitsverweigerung“. Oder empfahlen, wie der Gründer des forsa-Instituts, Manfred Güllner, „dem Kanzler nahezulegen, die große Unzufriedenheit der Bundesbürger mit seiner bisherigen Arbeit ernst zu nehmen“.
Wer möchte schon in der Haut dieses Regierungssprechers stecken? Ein einfaches Geschäft war das nie. Allzu oft mussten und müssen sie, wie es in einem jahrzehntealten Bonmot im Bundespresseamt heißt, „Pferdeäpfel, in Silberfolie verpackt, schmackhaft machen“. Und wenn das nicht gelingt, sind sie die ersten, die für die nicht akzeptierte Politik ihrer Chefs verantwortlich gemacht werden. Sie sind die Blitzableiter, an denen sich der Zorn entlädt. Viele seiner Vorgänger ertrugen das stoisch. Kornelius hat den Frust, den er bei vielen in der Koalition zu spüren bekommt, mal eben an die Meinungsforscher weiter gegeben: Kanzler gut, Verkaufe gut, Umfrageinstitute neben der Spur.
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In seinem ständigen Bemühen, das Land konservativer auszurichten, hat Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer in dieser Woche wieder einmal laut vor sich hin gedacht und den Öffentlich Rechtlichen Rundfunk (ÖRR) neu geordnet. Seine Idee: Das ZDF privatisieren, die ARD auf wenige Sender eindampfen. Dumm nur, dass Rundfunkpolitik Ländersache ist – und der Bund da nichts zu sagen hat. Aber was stört Weimer schon die Realität?
Schlimm, wenn ein Minister politisch so naiv ist. Noch schlimmer, wenn dahinter politisches Kalkül stehen würde. Denn mit solchen Forderungen ausgerechnet wenige Tage nach dem Wahlsieg der „Nazi-Partei“ (Hendrik Wüst) in Sachsen-Anhalt ist Weimer auf der Spur jener AfD, die ARD und ZDF am liebsten ganz zerschlagen würde. Ein Staatsminister als „Trittbrettfahrer der AfD-Forderungen“, wie die Süddeutsche Zeitung kommentiert.
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Zurück zu Jürgen Klopp. Er hat als Bundestrainer zwar noch kein Spiel gecoacht, geschweige denn gewonnen, dennoch hat er bei seiner ersten Pressekonferenz viele begeistert. Über das Sportliche hinaus. Die taz kommentiert: „Ein überzeugender Botschafter.“ Nicht allein wegen seines Versprechens, sportlich einen Neustart zu wagen. Viel wichtiger scheint, dass er auch politisch etwas vor hat. „Ich würde mir oder uns gern die Fahne zurückholen, wenn ich ehrlich bin“, spielte er unverhohlen darauf an, dass er Schwarz-Rot-Gold nicht den rechtsnationalen Populisten überlassen möchte. Nationalstolz ja, aber nicht bei den falschen Leuten. Stolz auf ein Land, das „vielfältig, nett und freundlich“ ist.
Die Hoffnung der taz: Einer, der bislang als „Werbebotschafter für Autos, Versicherungen, Bier und alles Mögliche“ bekannt war, könnte als „Botschafter für Werte“ jenseits des Fußballs durchschlagenden Erfolg haben. Schau‘n wir mal was daraus wird…
Auf jeden Fall wäre es eine gute Idee, wenn der Kanzler die Biographie über den Bundestrainer lesen würde. Dümmer würde er dadurch nicht.
Bildquelle: Zeichnung vom Niehler Wochenmarkt: Wolfgang Schieffer (Waldmaler.de)













