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Home Kultur Buchbesprechungen

Fußball, Politik und Geld – eine unheilvolle Allianz

Joke Frerichs Von Joke Frerichs
22. März 2026
Buch-Titelbild "Griff nach Gold", Papyrossa-Verlag

Rechtzeitig zur diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft ist ein Buch erschienen, in dem die Autoren Carlos Gomes und Glenn Jäger eine „andere Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft“ schildern als diejenige, die uns die Medien gemeinhin präsentieren. Sie zeigen, dass die Entwicklung des Fußballs nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern eingebettet ist in die gesellschaftlichen Prozesse, die im Umfeld des Fußballs stattfinden. So wurde der Fußball immer auch für politische Zwecke instrumentalisiert und gelegentlich gar selbst zum Politikum. Und auch die fortschreitende Vermarktung des Fußballs folgt einer Logik der Ökonomisierung aller gesellschaftlichen Lebensbereiche, die seit den frühen 70er Jahren mit dem Aufkommen des Neoliberalismus einherging.

Das Leitmotiv einer Fußball-Weltmeisterschaft sollte, ebenso wie bei Olympischen Spielen, die Völkerverständigung sein. Dieses Ideal wurde allerdings ausgerechnet von der FIFA, dem veranstaltenden Fußball-Weltverband, oft mit Füßen getreten, wie die Autoren an zahlreichen Beispielen zeigen. Nicht nur die Kriege hinterließen ihre Spuren im Weltfußball – (seit den 50er Jahren fanden Kriege u.a. in Korea, Suez, Algerien, Vietnam, Falkland, Afghanistan, Jugoslawien, Irak, Syrien, Libyen, Ukraine statt); auch zahlreiche Staatsstreiche bzw. Militärputsche fanden während der Qualifikationsspiele zu den Weltmeisterschaften und während dieser statt.

Auch die Geschichte des Kolonialismus bzw. Neo-Kolonialismus ist dem Fußball eingeschrieben. Das zeigte sich insbesondere, als in den 50er und 60er Jahren immer mehr Länder vor allem in Afrika ihre Unabhängigkeit erkämpften – aber bis zur WM 1966 in England kein einziger afrikanischer Fußballverband einen Startplatz zur WM erhielt. Die FIFA, mit Sitz im Herzen Westeuropas, hat stets dafür gesorgt, dass die Dominanz des weißen Europas und Amerikas gewahrt blieb; insofern war sie stets auch Ausdruck dieser Verhältnisse. Die Autoren schreiben:

Abgesehen von der politischen Schlagseite, siehe nur Italien 1934 unter Mussolini, war bei den WMs schon die zahlenmäßige Dominanz Europas lange Zeit erdrückend, oder besser: der Idee einer ‚Weltmeisterschaft‘ kaum würdig. Jahrzehntelang beschränkte sich das Turnier im Wesentlichen auf zwei Kontinente. Gemeint sind Europa und Amerika.

Die FIFA agierte nicht nur einseitig; sie positionierte sich auch in skandalöser Weise politisch rechtslastig. Dazu einige gravierende Beispiele (unter vielen), die von den Autoren präsentiert werden: Während der WM 1978 in Argentinien, lud der damalige DFB-Präsident Hermann Neuberger, der gleichzeitig FIFA-Vizepräsident und WM-Organisationschef war, den ehemaligen hochrangigen Nazi-General Rudel, der nach dem Ende des NS-Regimes in Argentinien untergetaucht war, ins DFB-Quartier ein.

Und als Argentinien einen hohen Sieg gegen Peru brauchte, um an Brasilien vorbei ins Endspiel der WM einzuziehen, tauchten vor dem Spiel der argentinische Junta-Chef Videla, begleitet vom US-Außenpolitiker Kissinger in den Katakomben des Stadions auf und wie durch ein Wunder siegte Argentinien mit 6:0. Dass dabei politischer Druck ausgeübt wurde und es zu illegalen Absprachen kam, ist mehr als wahrscheinlich. Und dass ein Politiker wie Henry Kissinger in diesem Zusammenhang auftauchte, war nicht zufällig. Argentinien habe eine große Zukunft – auf allen Ebenen, verkündete er; gemeint war die damalige Militärdiktatur, die Tausenden von Menschen das Leben kostete. Wie man überhaupt sagen muss, dass die USA bzw. ihr Geheimdienst CIA an nahezu allen Putschaktionen in Süd- und Mittelamerika direkt oder indirekt beteiligt waren: beispielsweise in Nicaragua, El Salvador oder Guatemala.  Allein in Guatemala kamen zur Zeit der Militärdiktatur von 1978 bis 1983 mehr als 200.000 Menschen um. Im Gedächtnis geblieben auch der Sturz und die Ermordung des demokratisch gewählten chilenischen Präsidenten Allende im Jahre 1974, bei dem die USA bzw. der CIA ebenfalls die Hände im Spiel hatten.

Während all dieser Ereignisse, von denen noch zahlreiche andere in der bestens recherchierten Studie genannt werden, fanden die Qualifikations- und Endrundenspiele der jeweiligen Weltmeisterschaften statt; in gewisser Weise handelte es sich um eine „Parallelwelt“, in der die FIFA mehr oder weniger offen mit den westlichen Staaten paktierte. Dazu gehörte auch, dass sich innerhalb der FIFA selbst immer stärker mafiaähnliche Strukturen bildeten, die sich zu einem System aus Intransparenz, Korruption, Bestechung und politischen Einflussnahmen auswuchsen.

Die FIFA hatte ihre eigenen Interessen, insbesondere kommerzieller Art. In den 70ern brach die große Kommerzialisierung des Fußballs an, schreiben die Autoren. Die Einbeziehung der Länder des Südens in den Fußball-Weltverband versprach einen riesigen Absatzmarkt. Der damalige FIFA-Präsident Havelange, der diese Entwicklung vorantrieb, wurde wohl vor allem dank der 37 Stimmen des afrikanischen Fußballverbandes gewählt, wobei bis heute der Verdacht der Bestechung im Raume steht. Er selbst sagte später: Als ich Präsident wurde, waren kaum 20 Dollar in der Kasse; als ich das Feld räumte, waren es gut 4 Milliarden. Begleitet wurde seine Präsidentschaft von immer neuen Korruptionsskandalen; eine Entwicklung, die sich während der Amtszeit des späteren FIFA-Präsidenten Sepp Blatter fortsetzte.

Ein Schwerpunkt der zunehmenden Kommerzialisierung bestand darin, dass das Fernsehen eine immer größere Bedeutung erhielt. Spätestens seit der WM 1970 in Mexiko setzten der Fußball und das Fernsehen rund um den Globus zu einem gemeinsamen, imposanten Siegeszug an, heißt es in der Studie. Es begann die intensive Vermarktung der Fernsehrechte. Die mexikanische Fernsehanstalt Televisa erwarb damals die Übertragungsrechte für 1,8 Mrd. Dollar und verkaufte diese an ausländische TV-Anstalten weiter, die dafür auf ein Dollarkonto des Unternehmens in den USA überweisen mussten. Eine Folge war, dass das Fernsehen immer mehr Einfluss auf das Spielgeschehen nahm; beispielsweise dadurch, dass Spiele wegen einer Fernsehübertragung bei großer Hitze in der Mittagszeit ausgetragen werden mussten.

Auch die Sponsoren der jeweiligen Weltmeisterschaften, die sog. FIFA-Kooperationspartner, zu denen Unternehmen Adidas, Sony, Visa, Emirates, Coca-Cola, Hyundai-Kia, McDonald’s u.a. gehören, spielten eine immer größere Rolle. Das ging so weit, dass z.B. vor der WM in Südafrika auf die nationale Gesetzgebung und Steuerpolitik eingewirkt wurde. Es bedarf nicht allzu viel an Phantasie, um sich vorzustellen, dass dieses Geflecht aus FIFA, Sponsoren und Politik der Korruption und Bestechung Vorschub leistete. Die Liste verdächtiger Fälle, ist jedenfalls lang und werden in der Studie, soweit dies überhaupt möglich ist, belegt oder zumindest benannt. Oft kamen die großen Korruptionsfälle erst Jahre später ans Licht. Eine Folge der fortschreitenden Vermarktung des Fußballs war, dass sich der finanzielle Erfolg der Spiele immer mehr von den Zuschauern im Stadion hin zu Werbeeinnahmen und Fernsehübertragungsrechten verschob; eine Entwicklung, die sich noch verstärken wird.

Ein Verdienst der Autoren ist es, zu zeigen, dass der Fußball eben nicht „die schönste Nebensache der Welt“ ist, sondern eng mit den politischen und ökonomischen Zeitumständen verbunden ist. Die fortschreitende Ökonomisierung aller Lebensbereiche, die durch den Neo-Liberalismus extrem verschärft wurde, macht auch vor dem Fußball nicht halt. Und unpolitisch war der Fußball nie. Es gab immer politische Einflussnahmen und auch die FIFA erwies sich in vielen Fällen als „rechtslastig und politisch einseitig“. (Die kürzlich erfolgte Verleihung des „Friedenspreises der FIFA“ an Trump war nur der vorerst peinliche Höhepunkt). Es ist jedenfalls nicht davon auszugehen, dass die FIFA die WM in den USA wegen des völkerrechtswidrigen Krieges gegen den Iran boykottieren wird, wogegen sie Russland wegen des gleichen Delikts von der WM-Teilnahme ausgeschlossen hat.

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass sich die Entwicklung des Fußballs vom „Arbeitersport“ zu einem Ereignis der Vergnügungsindustrie noch verstärken wird. Künftig soll die Zahl der WM-Teilnehmer noch einmal erheblich ausgeweitet werden; voraussichtlich auf 64. Gut fürs Geschäft; aber auch für den Fußball?

Das Buch der beiden Autoren sollte angesichts der bevorstehende WM in den USA, Mexiko und Kanada weite Verbreitung finden. Man gewinnt eine andere Sicht auf das Geschehen; vieles hatte man geahnt, aber die Autoren haben es durch ihre detaillierte Recherche verstanden, soweit wie möglich Belege zu liefern und Tatsachen zu benennen. Wegen dieser enormen Detailarbeit liest sich das Buch teilweise wie der Bericht über eine kriminelle Vereinigung; spannend und gut geschrieben ist es allemal.

 

Carlos Gomes/Glenn Jäger: Griff nach Gold. Die andere Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft; PapyRossa-Verlag, 416 Seiten; 28 €

 

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