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76. Maikundgebung in Bergkamen-Oberaden Hommage an die Demokratie Eindrucksvolle Rede des IGBCE-Ortsgruppenvorsitzenden Volker Wagner

Redaktion Von Redaktion
4. Mai 2026
Historische Postkarte von Bergkamen

Auf der 76. Maikundgebung der IGBCE-Ortsgruppen in Bergkamen-Oberaden hat der Vorsitzende Volker Wagner eine beeindruckende Einführungsrede gehalten. In der rappelvollen Römerberghalle mit Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil als Hauptredner erinnerte er an zurückliegende Zeiten in der Bergbaustadt mit vielen Schwierigkeiten und immer neuen Herausforderungen für die gewerkschaftliche und politische Arbeit. Wagner hob besonders den Einsatz der ehemaligen Bergleute für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt hervor und würdigte deren Kampf für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen in Bergkamen und darüber hinaus. „Sie waren es, die die Säulen des Wohlstandes aufgebaut haben, auf denen wir uns alle noch gemütlich ausruhen können“, sagte er unter dem langanhaltenden Beifall der vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmer und machte klar, dass die damaligen Bedingungen im Vergleich zu den heutigen Problemen weit schwieriger waren. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung seiner Rede, veröffentlichen wir sie im Wortlaut.  

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Bevor wir zur offiziellen Eröffnung und Begrüßung kommen, erlaubt mir ein paar Anmerkungen:

In den letzten Jahren unserer 1.Mai-Veranstaltungen haben wir viele Themen angesprochen, die uns in unserem Land und in der Welt bewegt haben. Aus gewerkschaftlicher Sicht ging es immer darum, für unsere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gerechte Arbeit und gerechten Lohn einzufordern. Es ging um Arbeitsplatzsicherung, um Inflationsausgleich für die immens steigenden Kosten, um Tarifverträge gerecht abzuschließen. Vieles ist den Verantwortlichen in den Gewerkschaften gelungen, aber durch die massiven Preissteigerungen in Folge des Ukrainekriegs und jetzt auch noch durch den Irankrieg sind die schwer erkämpften Lohnsteigerungen durch die Gewerkschaften praktisch verpufft und für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch die zusätzlichen Belastungen sogar ins Minus geraten.

Und wir befinden uns wieder im Tal der Tränen. Wir können wohl diese Lage momentan nicht ändern, wir sind nicht die Kriegstreiber, sondern wir haben nur mit den Auswirkungen zu leben und zu befürchten ist, dass dies noch lange nicht das Ende der Fahnenstange ist. Rentenreform, Gesundheitsreform, da kommt wohl noch einiges auf uns zu.

Dennoch werden keine Frau und kein Kind – sitzend und ausharrend in den Kriegsbunkern der Ukraine – Mitleid mit uns haben müssen, wenn wir hier in unserem Land uns über steigende Preise aufregen. 

Selbstverständlich gilt hier bei uns: Die Lasten müssen in unserer Solidargemeinschaft gerechter aufgeteilt werden. Da kann man nicht einfach mit einem Satz sagen, dass bei den Megareichen in unserer Gesellschaft kein Saft mehr in der Zitrone sei, wenn bei den ärmeren in unserer Gesellschaft noch nicht einmal eine Zitrone im Kühlschrank liegt. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in unserer Gesellschaft dürfen nicht das Gefühl haben, dass sie all die Last allein tragen müssen.

Ja, die Lasten müssen in unserer Solidargemeinschaft gerechter aufgeteilt werden. Die Frage stellt sich: Wer kann auf etwas verzichten und den Gürtel enger ziehen? Wer ist in einer Solidargemeinschaft dazu bereit?

Noch nie haben wir so viele Milliardäre und Millionäre in Deutschland gehabt wie jetzt. Sie und auch die Spitzenverdiener sind durchaus in der Lage, mal den Gürtel enger zu ziehen.

Aber nein! Bei den einen ist kein Saft mehr in der angeblich ausgepressten Zitrone und die anderen fühlen sich ungerecht behandelt, sie fühlen sich praktisch beraubt.

Die Schere zwischen reich und arm geht immer weiter auseinander und das nicht erst seit Jahren, sondern seit Jahrzehnten. Das sind keine guten Signale für eine Solidargemeinschaft, das schürt den sozialen Unfrieden in unserem Land.

Auf unserem 1. Mai marschieren immer noch die mit, die als Kinder den 2 Weltkrieg miterlebt haben oder kurz darauf geboren worden sind. Sie laufen hier nicht mit, weil sie Langweile haben oder weil es ne kostenlose Erbsensuppe hier gibt, sondern weil sie stolze Demokraten sind und aus Dankbarkeit für das, was ihre Gewerkschaften und die demokratischen Parteien für Sie und mit ihnen erkämpft haben.

Hier sind Teilnehmer unter uns, die über 70 Jahre Gewerkschaftsmitglieder sind, in der IGBCE. Bergleute. Diese Generation wuchs mit Flucht, Vertreibung, Hunger, Bombenangriffen und dem Verlust von Angehörigen auf.

Nie haben sie ihre demokratische Haltung verloren. Undenkbar!

Fragt sie mal, was Leid, Abstriche im Leben bedeuten, fragt sie, was es heißt, den Gürtel für die Solidargemeinschaft enger zu ziehen. Sie waren es, die die Säulen des Wohlstandes aufgebaut haben, auf denen wir uns alle noch gemütlich ausruhen können. Meine Generation oder die heutige Generation Z – wir haben den heutigen Wohlstand nicht erkämpft, wir waren es nicht, wir nicht!

Das Wirtschaftswunder, den Aufbau Deutschlands, die in Beton gegossene Demokratie, das haben unsere Väter und Großväter geschaffen. Schaut euch hier um: Alte Bergleute erkennst du sofort an den Augen, die mehr Dunkelheit gesehen haben als jeder andere. An den Händen erkennst du einen alten Bergmann, geprägt von jahrzehntelanger Arbeit unter Tage. An seiner Haltung, die zugleich müde aber dennoch mit Stolz erfüllt ist.

Wenn du ihm begegnest, dann siehst du nicht einfach einen älteren Mann.

Du siehst ein Stück Deutschland.
Ein Stück Geschichte.
Ein Stück Tradition.
Ein Stück Mut.
Und einen in Stein gemeißelten Demokraten, geprägt durch Zusammenhalt.

Bergmann! Das war nicht nur ein Job, das war eine Lebenseinstellung.

Viele von ihnen sind ohne Vater und Mutter allein ins Ruhrgebiet gekommen und haben auf dem Pütt mit 14 Jahren angefangen zu arbeiten. In Ledigenheimen, den sogenannten Bullenklostern haben sie gewohnt. Erst als sie geheiratet haben, wurde ihnen eine Wohnung zugeteilt.

Glaubt ihr nicht? Als Kinder mussten sie in den Kartoffelferien für 50 Pfennige, heute 25 Cent, den Bauern bei der Ernte helfen und mit dem Geld haben sie Vater und Mutter unterstützt.

Hier sitzen sie: Claus und Hermann Wedemyer, 83 Jahre alt, Zwillinge, 1957 aus Celle mit 14 Jahren ohne Vater und Mutter ins Ruhrgebiet gekommen.

14 Tage Urlaub haben sie im Jahr bekommen, 6-Tage-Woche, Samstag war Arbeitstag, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die wurde erst am 1 Januar 1970 eingeführt, kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld. Das war nicht nur auf dem Pütt so, sondern überall in Deutschland. Auto? Undenkbar. Zu Fuß zur Arbeit, wenn du gut verdient hast, mit nem Fahrrad, dennoch nicht gejammert. Schritt für Schritt in den Wohlstand, damit es uns heute besser geht als ihnen selbst, ohne Krieg und ein Leben in Frieden und Freiheit.

Und was machen wir jetzt daraus? Aus Frust und Protest kehren viele der Demokratie den Rücken und laufen blindlings in die Falle der Rechtspopolisten, weil sie der Meinung sind, die könnten es besser.

Schaut euch die Programme von denen mal an. Das ist festgeschrieben: Dann gibt es keine Gewerkschaften mehr, keine, die für gerechte Löhnen kämpfen, keine Montanmitbestimmung, keinen Mindestlohn, keine Solidargemeinschaft, keine gerechte Bildung für jedermann. Dann gibt es wieder Gas und Öl aus Russland und wir Deutschen sorgen dann dafür, dass in Russland die Kriegskasse wieder gefüllt wird. Günstig Gas und Öl und tote Ukrainer.

Und wenn wir bis dahin unseren Bahnhof in Bergkamen haben, wird der erste Zug, der hier hält, die Lokomotive aus Moskau sein!

(…)

Es ist Undank und Verrat an unseren Vätern und Großvätern, die für Frieden, Freiheit und Demokratie ihr Leben lang eingestanden sind.

Ich sage deshalb ganz deutlich: Klopf doch am Montagmorgen an die Tür von deinem Chef und sag ihm, dass du auf die Errungenschaften der Alten pfeifst und auf alles verzichtest, was in unserer Demokratie mit Gewerkschaften erreicht worden ist.

Und dass du dir das ab sofort selbst erkämpfen willst. Fang von neuem an: 6 Tage Woche, 14 Tage Urlaub, 30 % weniger Lohn und wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit. Und du akzeptierst es, dass deine Kinder nur noch dann eine Chance auf ein Studium haben, wenn du dir das mit deinem Lohn auch leisten kannst. Geh zu deinem Chef und klopf da an.

Ich möchte danke sagen an die, die hier bei uns sind, danke an die IGBCE-Jugend, danke an die Jusos der SPD, die heute mit der älteren Generation Omis gegen rechts im Demonstrationszug Flagge gezeigt haben, Flagge gegen Fremdenhass, Flagge gegen Rechtsradikalismus, Flagge für Toleranz, Menschenrechte und für unsere Demokratie.

Ich möchte meine kurzen Anmerkungen mit einem Zitat von Evelyn Beatrice Hall aus ihrem Buch „The Friends of Voltaire“ beenden:

„Ich mag zwar nicht mit dem übereinstimmen, was du sagst, aber ich werde dein Recht, es zu sagen, bis zum Tod verteidigen.“

Eine Hommage an die Demokratie.

Danke für die Aufmerksamkeit.

Glückauf!

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