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8. Mai – Ein Kommentar

Peter Ruhenstroth-Bauer Von Peter Ruhenstroth-Bauer
7. Mai 2026
Ortseingangsschild mit der Aufschrift "DEMOKRATIE" und zahlreichen Einschußlöchern, AI generiert

Seit Bundesfamilienministerin Karin Prien angekündigt hat schon vor Abschluss der in der Koalition vereinbarten wissenschaftlichen Überprüfung der Wirksamkeit des Programms „Demokratie Leben“ Änderungen vorzunehmen, sind viele Nichtregierungsorganisationen stark verunsichert. Sie hatten ihre Arbeit nach den Vorgaben der Politik auf vier Jahre ausgerichtet, sehen sich aber jetzt schon nach zwei Jahren mit einem möglichen Ende konfrontiert – mit Folgen für die Inhalte der Demokratiearbeit, die Beschäftigen und die Strukturen. Peter Ruhenstroth-Bauer, Vorsitzender von Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e.V. kommentiert zum 8.Mai 2026, was die Bedeutung des Tags der Befreiung für uns heute sein sollte


Wenn wir über Demokratie sprechen, vergessen wir oft, dass sie kein abstraktes Regelwerk ist, sondern ein lebendiges Versprechen, das wir uns jeden Tag aufs Neue geben. Das Versprechen, einander zuzuhören, Vielfalt als Bereicherung zu begreifen und uns schützend vor diejenigen zu stellen, die ausgegrenzt werden. Eigentlich sollte uns dieses Bewusstsein vollkommen selbstverständlich sein, wenn wir an den 8. Mai 1945 denken. Denn dieser Tag war nicht nur das Ende eines beispiellosen Schreckens, sondern er hinterließ uns die bleibende Lehre, dass eine freie Gesellschaft niemals passiv bleiben darf. Er mahnt uns, dass Demokratie dort beginnt, wo wir Hass im Keim ersticken und für die Würde jedes Einzelnen einstehen. Dieses Versprechen wird jedoch nicht im luftleeren Raum gehalten; es wird dort konkret, wo Menschen sich tagtäglich mit Engagement für den Zusammenhalt einsetzen – in Jugendzentren, in der Nachbarschaftshilfe oder in Beratungsstellen.

Diese Arbeit ist das unsichtbare Sicherheitsnetz unserer Gesellschaft, das uns alle auffängt, noch bevor Konflikte eskalieren. Umso bitterer ist es, wenn genau dieses Netz durch Unsicherheit löchrig wird, weil diejenigen, die sich heute engagieren, sich nicht mehr sicher sein können, ob das auch morgen noch möglich ist. Es geht dabei um weit mehr als um Zahlen in einem Haushaltsplan oder verwaltungstechnische Fristen. Es geht um die Menschen hinter den Projekten: um die Mitarbeiterin in der Opferberatung, die einem verzweifelten Jugendlichen wieder eine Perspektive gibt Es geht um den Pädagogen, der in Schulklassen Brücken baut, wo zuvor nur Vorurteile herrschten. Wenn die Förderung wackelt, weil die Politik Signale sendet, die Unsicherheit auslösen, verlieren diese Fachkräfte nicht nur ihre berufliche Sicherheit, sondern die Gesellschaft verliert ihre wertvollste Ressource: gewachsenes Vertrauen. Ein solches Vertrauen lässt sich nicht einfach per Knopfdruck reaktivieren, wenn es einmal durch abgebrochene Projekte und enttäuschte Erwartungen beschädigt wurde.

In einer Zeit, in der der gesellschaftliche Ton rauer wird und die Sehnsucht nach einfachen Antworten wächst, brauchen wir die leisen, beharrlichen Stimmen der Demokratiearbeit mehr denn je. Es ist mehr als ein Widerspruch, dass wir über die Stärkung unserer Werte diskutieren, während wir gleichzeitig denjenigen die Werkzeuge entziehen, die diese Werte an der Basis verteidigen. Wenn wir die Lehren aus unserer Geschichte ernst nehmen, dann muss uns klar sein: Echte Prävention ist keine kurzfristige Krisenintervention, sondern eine dauerhafte Zuwendung. Wir sollten uns fragen, was uns dieses Miteinander wert ist. Denn am Ende schützt eine verlässliche Förderung nicht nur einzelne Initiativen, sondern das Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit, dass unsere Gemeinschaft im Innersten zusammenhält. Es ist eine Investition in unsere gemeinsame Zukunft – und in die Gewissheit, dass das „Nie wieder“ kein abgedroschene Phrase bleibt, sondern gelebte Realität.

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Comments 1

  1. Philipp says:
    1 Monat ago

    09.05.2026; DEMOKRATIE
    Auf dieses Schild und den Inhalten bin ich bereits im Sept. 2025 eingegangen.

    Heute fehlt mir zum aktuellen Beitrag einfach Verständnis.

    Allein mit Posaunentönen wird man den aktuellen Situationen national und international nicht mehr gerecht!

    Jeder, der mit VERNUNFT -ich meine auch die von Kant- etwas anfangen kann weiß, dass die Machtausübenden
    darüber nur wenig verfügen. Die Strafen folgen wie Wirtschaftseinbruch in Deutschland und Unterbrechung von Lebensadern und damit Ruin der Weltwirtschaft. Vielleicht sollte man sich weniger auf Drohnen, Rüstung und Schaffung der modernsten Armee sondern mehr auf Wirtschaftsentwicklung, Produktivität, Bildung, Soziales und der Abrüstung konzentrieren. Auch die Jugend wird als notwendige Arbeitskräfte benötigt um Werte zu schaffen.
    Politiker, die mit Diffamierungen arbeiten, schaden mehr wie die Tatsachen es zeigen.
    Mit einer neuen Kultur, ohne ideologischer Fesseln die globalen Probleme mit Vernunft und Diplomatie lösen,
    auch in der Ukraine und im Iran!

    Antworten

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