Ja, man kann sagen, die Geschichte wiederhole sich nicht.
Und ja, man kann sagen, Trump habe mit seiner Unterschrift in Versailles vor dem iranischen Pasdaranregime kapituliert. Es ist genügend häufig in den Medien, auch in diesem Blog beschrieben worden, dass Trumps Irankrieg kein einziges Ziel erreicht hat und höchstens den Zustand wiederherstellen wird, den schon Obama und die Europäer erreicht hatten: Inspektionen des iranischen Atomprogramms und freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus.
Ich lese gerade Louis de Bernières wunderbares Buch „Corellis Mandoline“. In Kapitel 35 findet sich eine Beschreibung der Persönlichkeit Mussolinis. Ein Abgleich mit Informationen aus Wikipedia zeigte, dass der Autor in seinem als Flugblatt-Pamphlet bezeichneten Text zwar drastisch übertreibt, aber im Kern zugleich Trump beschreibt.
Auch Mussolini vertrat eine Art MAGA-Ideologie in Form der Wiederherstellung eines römischen Großreiches im Mittelmeerraum einschließlich nordost-afrikanischer Kolonien wie Äthiopien, Libyen, Somalia. Insbesondere wollte er nach Albanien auch Griechenland erobern. Wie nach ihm bei Trump kann von guter Planung seiner Eroberungskriege nicht die Rede sein, so dass seine völlig unzureichend ausgerüsteten und vorbereiteten Truppen den griechischen Widerstand nicht brechen konnten. Auch er hätte letztlich kapitulieren müssen, wenn ihm nicht Hitler über Bulgarien zur Hilfe gekommen wäre.
Auch dass wenige britische Truppen ausreichten, um seine Eroberungspläne in Äthiopien zu stoppen, gehört zum Bild eines planlosen Egomanen, dessen Kriegsminister wohl ähnlich inkompetent war wie Pete Hegseth.
Was über Charakter und Persönlichkeit Mussolinis bekannt ist, ist ebenfalls verblüffend identisch. Obwohl Mussolini nicht aus einem Millionärshaushalt stammte, wird über die jeweiligen Väter gesagt, dass sie autoritäre Typen waren, Mussolinis Vater hatte als Lehrer, der er kurzzeitig war, den Spitznamen „der Tyrann“. Bei beiden sind wohl schwere Erziehungsdefizite schuld an der Entwicklung einer Persönlichkeit, die keinen Grundsätzen folgte außer der Selbstbewunderung und der wohl fast ausschließlichen Fixierung auf eigenen Nutzen und „Größe“. Insbesondere fehlt bei beiden moralische Orientierung; sicher wäre Mussolini gerne Kunde bei Epstein geworden.
Wie Trump fühlte sich Mussolini allen übrigen Menschen überlegen; auch er brauchte große Inszenierungen. Beide wollten und erreichten eine Machtposition, wo unbedachte Willkür Gesetz werden kann, ohne zuhören und lernen zu müssen. Ihre Reden sind voller Lügen und Dummheiten; beide haben es aber auch geschafft, Applaus und unterwürfig schleimende Bewunderung zu erhalten.
Wie Trump startete Mussolini seine politische Karriere links von der Mitte (Trump in der Demokratischen Partei, Mussolini in sozialistischen PSI), beide konvertierten später in die nationalistisch-rechte Ecke des Spektrums – eben bei MAGA bzw. „mare nostrum“.
Mussolini scheiterte zunächst an sich selbst und brauchte den erfolgreicheren Hitler, um seine Niederlagen ein kurze Zeit lang kaschieren zu können – bis Briten und Amerikaner die Faschismus besiegten. Und da endet der Vergleich, weil Amerikas Regierung heute sein Erbe als Hort und Verteidiger von Demokratie und Menschrechten verleugnet, während Frau Meloni ihre frühere Bewunderung Mussolinis zurzeit unter der Decke hält.
Noch traut sich Trump nicht, jene Beseitigung der Demokratie direkt anzugehen, mit der Mussolini und Hitler ihre Parlamente entmachtet, Parteien verboten, Meinungs- und Pressefreiheit beseitigt und Gerichte auf Regierungslinie gezwungen haben.
Die Geschichte ist allerdings nicht zu Ende und wird Anfang November fortgeschrieben – hoffentlich durch ein Wahlergebnis, das dem der Ungarn gleicht, die ihren Mussolini in die Wüste geschickt haben.
Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 102-09844, via Wikimedia, CC BY-SA 4.0












