Wenn Journalisten über Vier-Augen-Gespräche berichten, an denen sie nicht teilgenommen haben, ist das stets ein Hochseilakt mit großer Absturzgefahr. Seit Tagen sorgt ein Blick durchs Schlüsselloch in das Büro von Kanzler Friedrich Merz für helle Aufregung in Berlin. Dort soll sich nach Darstellung der Journalistin Eva Quadbeck vom Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) Anfang des Jahres ein ruppig-unfreundliches Gespräch mit Mathias Döpfner, dem Chef des Springer-Konzerns, ereignet haben. Anlass des Streits, von dem Quadbeck in ihrem Podcast berichtet: Döpfner soll den Kanzler und CDU-Vorsitzenden aufgefordert haben, die Brandmauer zur AFD einzureissen. Merz habe das strikt abgelehnt und den Springer-Mann aus dem Büro hinaus komplimentiert. Die Süddeutsche Zeitung gibt die Passage aus dem RND-Podcast so wieder: „ Der Kanzler habe ‚das wird nicht passieren‘ und ‚nur über meine Leiche‘ gesagt und das Gespräch schließlich beendet. Döpfner wiederum soll drohend reagiert haben: ‚Das werden Sie noch bereuen‘.“
Döpfner wettert: „Rufmord.“ Das Kanzleramt bestätigt, dass es ein Gespräch gegeben habe. Allerdings zu einem anderen Zeitpunkt. Und hält sich über den Inhalt bedeckt.
Damit könnte man das Thema abtun als riskanten journalistischen Hochseilakt. Leider aber steckt dahinter ein viel tiefer gehender Skandal, der das Verhältnis von Teilen der deutschen Medienlandschaft zur AFD-Brandmauer-Debatte betrifft.
Am Tag nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März hatte Merz zum Verhältnis der CDU zur AFD gesagt: „ Ich werde, auch wenn ich mittlerweile aus einigen Verlagshäusern dazu aufgefordert werde, eine andere Mehrheit im Bundestag nicht suchen.“
Punktum! Keine Zusammenarbeit mit der Weidel-Partei. Trotz der Aufforderung aus „einzelnen Verlagshäusern“. Dieser Druck muss in den letzten Wochen noch zugenommen haben. Jedenfalls, wenn man den Worten von Regierungssprecher Stefan Cornelius glauben darf. Der beschrieb laut t-online in der Bundespressekonferenz am Freitag, dass es „in sehr vielen Verlagshäusern“ inzwischen den Wunsch nach einer Lockerung der Brandmauer gebe.
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Nun ist es so weit. Seit dem 1. Juli kostet der Besuch des Kölner Doms 12 Euro Eintritt. Für alle, die das Weltkulturerbe nicht als Betende oder Pilger besichtigen wollen. Die Entrüstung ist vor allem bei den Kölnern, die den Dom als ein Stück Zuhause für sich in Anspruch nehmen, immer noch groß. Sie beschäftigt inzwischen auch Jochen Ott, den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag. Der Kölner und engagierte Katholik hat vorgeschlagen, den Dom wenigstens einen Tag in der Woche für Menschen aus NRW kostenlos zu öffnen.
In einem Brief an Dompropst Guido Assmann setzt sich der Ex-Messdiener Ott dafür ein, den Dom gerade als „festen Bestandteil von Familienausflügen“ nicht zu verschließen. Der Samstag wäre für eine solche Geste nach Meinung des SPD-Politikers der geeignete Tag. Einst warben die Gewerkschaften für den arbeitsfreien Samstag mit dem Spruch: „Samstags gehört Papa mir.“ Die kölsche Variante nach dem Ott-Vorschlag: „Samstags gehört der Dom uns.“ Mal sehen, ob sich das Domkapitel dieser Idee verschließen kann.
Andererseits, was ehrlich ist an der ganzen Empörung und was gespielt, dazu hätte der Kölner Literaturnobelpreisträger, Heinrich Böll, eine wohl sehr ironische Sicht. In dem neuen Buch des ebenfalls in Köln lebenden Schriftstellers Navid Kermani, „Köln E Jeföhl (Köln ist ein Gefühl)“, findet sich der spöttische Satz über das wahre Verhältnis der Stadtbewohner zu ihrem Dom. „Heinrich Böll“, so schreibt Kermani in seiner Liebeserklärung an die Domstadt, „behauptete einmal, dass mehr Kölner den Klingelpütz, also das Kölner Gefängnis, von innen gesehen hätten als den Dom.“
Bei aller Liebe zu seiner Heimatstadt, Böll beherrschte die Kunst des Spotts und war ein begnadeter Kenner „seiner“ Kölner.
Bildquelle: Zeichnung vom Niehler Wochenmarkt: Wolfgang Schieffer (Waldmaler.de)












