Er war eine journalistische Institution. Von 1982 bis 2018 beobachtete Günter Bannas als Hauptstadtkorrespondent die Bonner und Berliner Politik für die FAZ, deren Büroleiter er 1998 nach einem kurzen Ausflug zur Süddeutschen Zeitung wurde.
Der 1952 in Kassel geborene, in Köln aufgewachsene und dem Rheinischen immer verhaftet gebliebene Journalist wurde von Kollegen und Politikern gleichermaßen geachtet. Im Haifischbecken um Macht und Schlagzeilen strömte der gleichbleibend freundliche Bannas ein Höchstmaß an Seriosität aus. Er verstand sich als Chronist im besten Sinne. Immer bestens informiert. Niemals auf publizistischen Krawall gebürstet.
Bannas war in seiner Schreibe ein mahnender Verfechter des Konjunktivs: Könnte, müsste, sollte. Lieber einmal mehr abwägen, als Gerüchte zu Fakten aufzumotzen. Manche journalistischen Mitstreiter empfanden seine Versessenheit auf Details als langweilig und warteten doch begierig auf seine Analyse der Dinge.
Für Politikerinnen und Politiker war ein Gespräch mit ihm oft erhellender als das, was sie in den eigenen Gremien erfuhren. Dabei plauderte der freundliche Kettenraucher nie aus, was er an anderer Stelle erfahren hatte. Immer war er gesuchter Gesprächspartner, nie Kumpane. Günter Bannas, der als FAZ-Büroleiter mit den Kanzlern Helmut Kohl. Gerhard Schröder und der Kanzlerin Angela Merkel zu tun hatte, hörte zu. Wohl keiner seiner Gesprächspartner wäre auf die Idee gekommen, ihn aushorchen zu können. Was er bei solchen Gesprächen dachte, versteckte er gern hinter dem Rauch seiner ungezählten Zigaretten. Er war ein wissender Beobachter, der nie ein Handelnder im Politik-Zirkus sein wollte.
So seriös und zurückhaltend er im beruflichen Leben war, so emotional und ausgelassen konnte der Köln-Enthusiast werden, wenn es um seinen geliebten „Ersten FC“ oder die tollen Tage im Karneval ging. Mitunter schien es, als seien diese Leidenschaften das Ventil, um seiner disziplinierten Chronisten-Arbeit Luft zu geben.
Günter Bannas war eine Institution. Journalistisch stilbildend. Menschlich immer zugewandt. Einer, der um seine Rolle in der Hauptstadt-Berichterstattung wusste, ohne sich wichtig zu nehmen.
Am 24. Juli ist Günter Bannas nach langer Krankheit in Berlin gestorben. Mit ihm hat uns ein wichtiger Journalist der alten Schule verlassen.
Bildquelle: Studenten der h_da zur Konferenz „50 Jahre Deutschlandfunk“ http://dlf50.org, CC BY 2.0, , via Wikimedia Commons












