Jedes Medium hat seine eigene Melancholie, lese ich irgendwo. Worin besteht die Melancholie des Smartphone-Benutzers? Möglicherweise darin, trotz ständiger Bemühung nur an einem winzigen Ausschnitt der weltweiten ‚Kommunikation’ teilhaben zu können. Das Meiste rauscht an ihm vorbei.
Das öffentliche Reden ist zur Dauerbeschäftigung nicht nur junger Leute geworden. Ob man will oder nicht – man wird damit konfrontiert. Selbst auf der Parkbank oder in der Flora, wo man seine Ruhe sucht, ist man einer ständigen Berieselung ausgesetzt. Die Leute reden ganz ungeniert über Privates und Intimes. Ihre Mienen spiegeln eine Mischung aus Neugier, Aufgeregtheit, Routine und Enttäuschung wider. Man wird gegen seinen Willen zum Mithörer. Meist geht es um Alltagsereignisse, die in einem mechanischen Redefluss detailliert geschildert werden. Vielleicht spüren die Protagonisten selbst, dass das, was sie da von sich geben, eigentlich keiner Erwähnung wert ist. Das hält sie jedoch nicht davon ab, ihrer Umwelt mit bedeutungsvoller Miene zu verstehen zu geben, dass all das, was sie sich mitzuteilen haben, keinen Aufschub duldet. Es muss sofort und an Ort und Stelle kommuniziert werden. Auf diese Weise wird das Dasein zum Dauergeplapper.
Wäre man nicht betroffen von all dem, könnte man gelassen darüber hinweg sehen. Aber dem ist nicht so. Man wird ständig und überall damit belästigt. Zum Beispiel auf der ohnehin übervölkerten Einkaufsstrasse muss man darauf achten, nicht angerempelt oder umgelaufen zu werden, da die Leute ständig nur auf ihre Handys schauen. Im Café wird kaum noch miteinander gesprochen. Einer der Partner oder beide zugleich sprechen ins Handy. Wenn nicht, liegt es griffbereit. Man scheint auf das nächste Signal zu warten.
Die weiterführende Frage ist natürlich: Was bedeutet das für unser Sozialverhalten, für unsere Wahrnehmung der Welt? Wird die Gesellschaft irgendwann aus lauter Monaden (in sich geschlossenen geistig-körperlichen Einheiten) bestehen, die nur noch über Medien miteinander bzw. mit sich selbst in Kontakt treten?
Kommunikation beinhaltet das Moment der Verständigung und des zwischenmenschlichen Austauschs. Die sogenannten sozialen Medien zerstören diese Elemente geradezu systematisch. Der mit seinem Handy spricht, braucht kein Gegenüber. Er könnte sich auch mit einem Apparat begnügen, der auf bestimmte Begriffe automatisch reagiert. Insofern sind diese Apparate durch und durch asozial. Sie zerstören mehr und mehr den sozialen Zusammenhalt, angefangen in der Familie, wo künftig wohl immer mehr Kinder in ihren Zimmern sitzen und mit ihren Apparaten beschäftigt sind. Eine neue Form der Einsamkeit. Das alles ist leider keine Zukunftsmusik; man muss sich nur umschauen und seine Mitwelt bei ihrem Tun beobachten.













