Wer bisher die Debatte über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) verfolgt hat, konnte spätestens am letzten Wochenende erkennen, dass sich der CDU-Parteivorsitzende und Bundeskanzler Friedrich Merz wieder einmal in eine Sackgasse hat manövrieren lassen. Der Vorschlag von Markus Söder, die amtierende bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner für dieses Amt zu nominieren, hat Schwung in die Debatte gebracht. Merz muss sich fragen lassen, ob er das nicht kommen sehen konnte. Jetzt hat er kaum noch eine andere Wahl, als sich hinter den Vorschlag des CSU-Vorsitzenden zu stellen. Unbeschadet kommt er da nicht mehr heraus.
Die Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD wollten sich auf einen gemeinsamen Vorschlag verständigen. Die Frage, ob es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik eine Frau in dieses höchste Staatsamt schafft, stellt sich eigentlich nicht mehr. Bei den Parteien der Mitte, also in der Union, der SPD und bei den Grünen besteht in dieser Hinsicht schon seit geraumer Zeit eine große Übereinstimmung. Vereinzelte Stimmen in der CDU versuchen jetzt zwar, die Frage offen zu halten, indem sie auf die Qualifikation abheben und das Geschlecht nicht als ausschlaggebendes Kriterium sehen wollen. Aber dieser Zug dürfte abgefahren sein.
Er ist auch deshalb abgefahren, weil von Seiten der SPD wie selbst von Seiten der Grünen positive Signale zum Vorschlag von Markus Söder zu hören waren und sind, aus welchen Gründen auch immer. Dass Friedrich Merz eine andere Frau vorschlagen könnte, erscheint nahezu ausgeschlossen. Alle bisher gehandelten Namen anderer Kandidatinnen sind auf wenig positive Resonanz gestoßen. Die Hoffnung auf etwas ähnliches wie ein Wonderwoman ist deshalb müßig. Angesichts der lobenden Worte aus allen Richtungen über die bayerische Landtagspräsidentin wäre es außerdem ein Affront, sie jetzt durch eine andere Frau, geschweige denn durch einen Mann zu ersetzen.
Wenn zwei von drei Parteien beziehungsweise deren Vorsitzende, die sich über den Vorschlag verständigen sollen, bereits Zustimmung zu Ilse Aigner artikuliert haben, wäre der dritte Parteivorsitzende, nämlich Friedrich Merz, gut beraten, sich so schnell wie möglich diesem Vorschlag anzuschließen. Er muss sich vorwerfen lassen, die Angelegenheit versemmelt zu haben. Retten kann er die Situation nicht mehr. Markus Söder dürfte vor Lachen nicht mehr in den Schlaf kommen. Das Argument, er verbaue sich die Möglichkeit, selbst Kanzler zu werden, darf man getrost vergessen, denn viele, in der Union und darüber hinaus, fragen sich jetzt erst recht: Warum eigentlich nicht?
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