Ich muss einräumen, dass mir die Bedeutung des Buches „Homo Universus“ von Matthias Strolz erst seit ein paar Tagen bewusst geworden ist: Seit der Meldung und Nachrichtenflut, die Künstliche Intelligenz drohe die Menschheit auszulöschen. Die SZ bemühte gar des Dichters Johann Wolfgang von Goethes Worte „Die Geister, die ich rief, werd ich nun nicht los“ aus dem Zauberlehrling“ und ließ den grübelnd am Boden sitzenden Menschen von der Computerhand nach ihm schnappen. Am Abend im „Heute Journal“ des ZDF meinte Moderator und Interviewer Christian Sievers, angesichts der neuen Entwicklung oder besser Kenntnis in Sachen KI erscheine plötzlich die Causa Friedrich Merz und dessen Kampf um die Kanzlerschaft fast nebensächlich. So hat es Sievers nicht wörtlich gesagt, aber in diesem Sinne das Thema anmoderiert und mit einem Fachmann der Max-Planck-Gesellschaft ein Interview geführt. Zumindest das wurde mir klar: Das Ende der Menschheit steht uns unmittelbar nicht bevor, Risiken gibt es, reine Panikmache ist es also auch nicht. Es fehlen belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse. So der Fachmann. Die CDU und Merz, im Grunde auch ein Untergangs-Thema, rückten an die zweite Stelle der Sendung.
Zurück zum Buch über den Homo Universus, der den Homo Sapiens ablöse, so der Autor des Werkes. Der Klappentext auf der Rückseite beginnt mit der Zeile: „Wir stehen an einer Schwelle. An einem kritischen Punkt in der Menschheitsgeschichte. Noch nie war unser Wissen so groß und unsere Selbstgefährdung so unmittelbar.“ So schreibt Matthias Strolz, als wüsste er um die Risiken der Künstlichen Intelligenz, fordert er doch mehrfach in seinem Buch das Verantwortungsbewusstsein der Menschen.
Schon im Vorwort beschreibt er die, wenn man so will, wachsenden Gefahren dank neuer Technologien: „Die nuklearen Risiken, die uns seit Mitte des 20. Jahrhunderts begleiten, werden nun ergänzt durch die disruptiven Potentiale der Künstlichen Intelligenz und der Biotechnologie. Die KI drängt mit unaufhaltsamer Geschwindigkeit in unser Leben und revolutioniert unsere Arbeits- und Lebenswelt, Entscheidungsprozesse und ethische Grundfragen.“ Die Menschheit steht vor „fundamentalen Herausforderungen“. KI als Gefahr, nicht nur als Hilfsinstrument für Leitartikler.
Wir müssen mit neuen Technologien fertig werden, wir müssen damit umgehen können, sie müssen unser Leben erleichtern helfen, sie dürfen uns das Leben nicht zerstören. Wenn Roboter, um es kurz zu fassen, nicht mehr von den Erfindern zu kontrollieren sind, sondern wenn sie selbständig arbeiten und losmarschieren, ,ohne auf unsere Signale zu reagieren, ihre Arbeit zu beenden oder zu ändern, läuft etwas falsch. Dann richtet sich die Technologie gegen die Menschheit, dann ist sie nicht mehr kontrollierbar. So ähnlich kam es mir beim Lesen des Buches an einigen Stellen vor.
„Macht Euch die Erde untertan“. Zitiert der Autor die Bibel und stellt den Satz aus der Schöpfungsgeschichte an den Anfang des Kapitels über „Die Einzigartigkeit des Menschen ohne Schöpfungskrone“. Ist das die Wurzel der ökologischen Krise?“ Oder bedeutet der Auftrag Gottes, dass der Mensch eben eine besondere Rolle habe, im Umgang mit der Natur müsse er Umsicht zeigen, Respekt und auf nachhaltiges Wirken achten? „Es gehe um die Verantwortung, die uns übertragen wurde, die Welt weise zu behandeln und zu bewahren“. Nicht sie auszulöschen, wie man einer KI, die aus dem Ruder gelaufen sei und deshalb nicht mehr kontrollierbar, unterstellt.
Die Frage sei nicht nur, fragt Strolz, was kann KI, sondern: „Wer sind wir, dass wir sie entfesseln- und wofür?“ Und weiter. „Das führt uns dann auch zur Frage, ob wir in der Lage sind, als Menschheit einen Rahmen für die KI-Entwicklung zu definieren, der existentielle Risiken für unsere Spezies minimiert“. Und wie das oft war und ist mit neuen Errungenschaften, Erfindungen, Erkenntnissen: „Die KI kann uns viele Segnungen und noch mehr Wohlstand bringen. Sie hat jedoch auch viel apokalyptisches Potential“. Fehlsteuerungen könne es geben, Missbräuche, strukturelle Systemrisiken-gemeint Desinformation- und Eskalationsrisiken durch Autonomie.
Dass wir dabei neue Regeln brauchen, steht außer Frage, ob Regierungen dazu in der Lage sind, möglich, aber man vergesse nicht das aktuelle kapitalistische System, dargestellt durch einen US-Präsidenten Trump, der keine Regeln kennt außer jene, die er selber beschlossen und verkündet hat. Und vergessen wir nicht Trumps Mantra: Der Deal, der Dollar, alles auf mein Konto, ich bin der Größte, ich Donald Trump, kenne keine Rücksicht auf andere, meine Gier lasse ich mir von niemandem nehmen. Auch nicht von KI-Regeln, die er genauso missachtet wie den Klimawandel.
Matthias Strolz nennt die „größte Gefahr“ eine hochintelligente, zielstrebige Maschine, die unsere Anweisungen wörtlich ausführt und dadurch alles vernichtet, was ihr im Weg steht-potenziell auch menschliches Leben“. Die klassische Metapher sei: „Eine Super-KI, die Büroklammern produzieren soll, verwandelt die Erde in eine Büroklammer-Fabrik, inklusive uns. Nachdem diese KI viel intelligenter sein wird als Menschen, wird sie uns auf multiple Weise zum Büroklammern-Produzieren versklaven oder aus Effizienzgründen eliminieren.“
Matthias Strolz hat ein mehr wissenschaftliches Buch geschrieben, keine Bettlektüre, es ist auch kein Science-Fiction-Roman, dazu ist das Werk zu ernst, zu klug und lesenswert. Und wenn man sich erst mal eingelesen hat, macht es Spaß, sich über Bewusstsein, Selbstführung, Verbundenheit, Gestaltungskraft, über Herz und Gefühl, Wissenschaft und Emotion zu informieren, unterhalten, hin und wieder auch unterweisen zu lassen. In aller Demut. Man kann auch die von ihm angeratenen Übungen machen, ich habe aus Zeitgründen darauf verzichtet. Man muss sich zum Lesen ein wenig Zeit nehmen, dann geht man mit dem Autor auf eine längere Reise zu sich selbst. Höchstes Lob erfährt der Wiener Matthias Strolz, der selber mal Politiker war und eine Partei gegründet hat, durch den früheren österreichischen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer.“ Homo Universus ist ein Plädoyer für Verantwortungsbewusstsein, Zusammenhalt und die Entfaltung des menschlichen Potentials- in einer Welt, die dringend nach Orientierung sucht.“













