Artikel von Petra Frerichs

Petra Frerichs

Dr. Petra Frerichs, Studium der Literatur- und Sozialwissenschaften, schreibt über Literatur (und Kunst), am liebsten gegen das Vergessen von guten alten Sachen.


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Wolfgang Hilbig: Das Provisorium – Gegen das Vergessen

  Der Autor (1941-2007) gilt als literarische Ausnahmeerscheinung (Michael Opitz), ist mit vielen Preisen bedacht worden, war Büchner Preis-Träger. Seine große Stärke ist die Lyrik. Mit dem Provisorium hatte er kurz nach der Wende einen autobiographischen Roman vorgelegt. Hilbig ist DDR-sozialisiert, hat sich bis zum 40. Lebensjahr als Industriearbeiter verdingt, dabei von Kind auf immer…

Fridays for Future
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„Hört, ihr Leut, und laßt euch sagen: Fünf vor zwölf hat es geschlagen…“: Was die Kinderdemonstration in Micheal Endes Momo mit den Fridays for Future-Demos zu tun hat

Am Freitag, dem 20. September hat eine der größten Fridays for Future-Demonstrationen, die es je gegeben hat, stattgefunden, in Europa zeitgleich an unzähligen Orten und weltweit in vielen Ländern. Das war ein riesiger Erfolg der jungen Aktivist*innen, die mit großem organisatorischem Aufwand und viel Phantasie so etwas auf die Beine gestellt haben. Diesmal fanden sie,…

Erinnerungen
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Annie Ernaux: Die Jahre

Die lesenswerte Rezension von Wolfgang Wiemer hat mich angeregt, das Buch zu lesen. Ich habe ergänzend noch einige Aspekte hinzuzufügen. Eine französische Lehrerin schreibt nach ihrer Pensionierung über ihr Leben, und dies in einer ungewöhnlichen Form, über die sie im Buch immer wieder reflektiert: Sie wollte keine übliche Autobiografie schreiben, erst recht keine Bekenntnisse ablegen,…

Georg Christoph Lichtenberg
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Gegen das Vergessen: Henning Boëtius: Der Gnom. Lichtenberg-Roman

Der Roman erschien 1989; an ihn soll 30 Jahre später erinnert werden. Denn es handelt sich um ein seltenes Dokument biographisch-literarischer Entschlüsselung eines Gelehrtenlebens, das voller Widersprüche, Ambiguitäten und Obsessionen war, nämlich das des Georg Christoph Lichtenberg, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelebt und gewirkt hat. Körperlich mit dem Makel der Kleinwüchsigkeit…

Poetik des Augenblicks
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Wilhelm Genazino: Die Entdeckung des Poetischen

  Der Schriftsteller Wilhelm Genazino starb vor einem Monat im Alter von 75 Jahren. Er erhielt für sein umfangreiches literarisches Werk zahlreiche Preise; u.a. den renommierten Büchner-Preis. In seinen Frankfurter Poetikvorlesungen, die 2006 unter dem Titel Die Belebung toter Winkel im  Hanser Verlag erschienen sind, reflektiert er die Eigentümlichkeiten und Motive seines Schreibens. Bereits der…

Räderwerk
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Dienen als Sozialcharakter – Robert Walser: Jakob von Gunten und Hermann Lenz: Die Augen eines Dieners

Was gibt es für einen Grund, sich in Zeiten der sogenannten Dienstleistungsgesellschaft mit dem Thema des Dienens zu befassen? Könnte es mehr sein als die bloße Liebhaberei zu zwei Romanen, die der Vergangenheit angehören? Kommt ihnen vielleicht heute noch eine soziale Relevanz zu? Diesen Fragen soll am Schluss Aufmerksamkeit geschenkt werden, nachdem ich mich mit…

Unterdrückung
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Gegen das Vergessen: Lion Feuchtwanger: Goya oder Der arge Weg der Erkenntnis

Der Roman über den großen spanischen Maler, der erstmalig 1951 erschienen ist, beginnt mit den Sätzen: Gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts war fast überall in Westeuropa das Mittelalter ausgetilgt. Auf der Iberischen Halbinsel, die auf drei Seiten vom Meer, auf der vierten von Bergen abgeschlossen ist, dauerte es fort. Damit führt uns Feuchtwanger in das…

Nicolas Born 1975
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Wiedergelesen:  „Die Fälschung“ von Nicolas Born

Nicolas Born wäre vor kurzem 80 Jahre alt geworden. Er ist den meisten – wenn überhaupt – als Lyriker bekannt. Aber Born hat auch einen beachtlichen Roman geschrieben, in dem er die Problematik des journalistischen Schreibens in Krisensituationen reflektiert. Der Roman Die Fälschung erschien kurz vor dem Tod des Autors 1979, wurde in etliche Sprachen…