Artikel von Petra Frerichs

Petra Frerichs

Dr. Petra Frerichs, Studium der Literatur- und Sozialwissenschaften, schreibt über Literatur (und Kunst), am liebsten gegen das Vergessen von guten alten Sachen.


Respekt - Graffiti
0

Respekt und Anerkennung im Kontext sozialer und kultureller Ungleichheiten

Lieber Freund, das Thema Respekt  und Anerkennung ist wohl noch nicht ausgeschöpft. Gerade auch, weil es im Zusammenhang mit der lebhaft geführten Debatte um (linke) Identitätspolitik steht, die seit Anfang März innerhalb und außerhalb der SPD geführt wird. Angestoßen hat sie Wolfgang Thierse mit seiner deutlichen Kritik an der sogenannten Cancel Culture (Interview im DLF…

Schriftzug Respekt
0

Respekt als Wahlkampfthema?

Die SPD hat ihr Wahlprogramm 2021 Zukunft Respekt Europa vorgestellt. Insbesondere der Begriff Respekt im Titel sorgte bei einigen Beobachter*inne für Aufmerksamkeit, wenn nicht Verwunderung. So fragte mich ein Freund, der seit über 50 Jahren SPD-Mitglied ist, nach meiner Meinung. Ich antwortete ihm wie folgt: Lieber Freund, um es gleich vorweg zu sagen: ich halte…

Zweifel
0

Wiedergelesen: Pascal Mercier: Perlmanns Schweigen

Über die Rahmenhandlung des Romans heißt es im Klappentext:Ein Hotel an der ligurischen Küste im Spätherbst. Philipp Perlmann, ein angesehener Sprachwissenschaftler, erwartet eine Gruppe von berühmten Kollegen zu einem Forschungsaufenthalt. Umstellt von den hohen Erwartungen der anderen, wird Perlmann von der Einsicht überwältigt, daß ihm seine beruflichen Gewißheiten völlig abhanden gekommen sind. Diese Erfahrung macht…

Rabe
0

Edgar Allan Poe: Das Grauen, der Scharfsinn und die Poesie

Es war eine kleine zweibändige Ausgabe des Könemann Verlags mit ausgewählten Werken, die mir einen ersten Zugang zu E. A. Poe verschaffte, bevor wir uns später die prächtige, sorgfältig edierte Gesamtausgabe, erschienen im Walter-Verlag (siehe unten), zulegten. Im ersten Bändchen sind die ausgewählten Geschichten in drei Rubriken aufgeführt: Arabesken, Detektivgeschichten, Faszination des Grauens. Ich habe…

George Grosz "Metropolis"
0

Wiedergelesen: Elias Canettis Autobiografie: Eine kulturelle Zeitgeschichte Europas

Elias Canetti (1905-1994) hat seine Lebensgeschichte als Trilogie publiziert. Der erste Band, Die gerettete Zunge, umfasst seine Kindheit und Jugend, der zweite, Die Fackel im Ohr, die Jahre 1921 bis 1931, und der dritte, Das Augenspiel, die Zeit von 1931 bis 1937. Der Autor, geboren in Bulgarien, gestorben in Zürich, ist ein wahrer Europäer; seine…

Engel
0

Wiedergelesen: Thomas Wolfe: Schau heimwärts, Engel

Mit der Besprechung dieses Romans schließt mein kleiner Südstaaten-Zyklus vorläufig ab (William Faulkner: Als ich im Sterben lag; Walker Percy: Der Kinogeher; Der Idiot des Südens; Liebe in Ruinen Thomas Wolfe (1900 – 1938) schrieb den Roman  in den 1920er Jahren. Er bestand zunächst nur aus einer Kiste voller handbeschriebener Blätter oder Seiten, mit denen sich der Autor…

Traum - Symbolbild
0

Gegen das Vergessen: Wolfgang Hildesheimer: Tynset

Zum Verständnis dieses literarischen Werkes (der Autor wollte es nicht als Roman verstanden wissen), das 1965 erschien, sind einige wenige biographische Informationen hilfreich. Hildesheimer (1916-1991) kommt aus einem jüdischen Elternhaus; seine Eltern waren schon vor der Nazizeit kosmopolitisch orientiert und in verschiedenen Ländern unterwegs bzw. ab 1933 auf der Flucht. Auch die Lebensgeschichte des Sohnes…

Fluß
0

Wiedergelesen: William Faulkner: Als ich im Sterben lag

Anlässlich des US-amerikanischen Nationalfeiertages am 4. Juli soll an die einschlägige Südstaaten-Literatur erinnert werden, in der soziale Ungleichheit, Klassen- und Rassenkonflikte bzw. Rassismus in den USA thematisiert werden. Hierzu hatten wir bereits drei Romane von Walker Percy (Der Kinogeher; Der Idiot des Südens; Liebe in Ruinen) vorgestellt. Nunmehr folgt ein Beitrag über den wohl berühmtesten…

Briefe Schreiben
0

Über die Kunst des Briefeschreibens

Beim Erzählen von meinen Leseerfahrungen mit Fontane kam ich darauf, dass ich in seiner Sprache immer wieder Redewendungen finde, die mir von meiner „Berliner Kindheit“ her vertraut sind. Bestimmte Formulierungen sind auch in meine Briefe an die Großeltern eingegangen; diese Briefe, die bei uns manchmal von der ganzen Familie geschrieben wurden, wenn es darum ging,…

Unfähigkeit zu lieben
0

Dieter Wellershoff: Der Sieger nimmt alles, Teil 2: Die Unfähigkeit zu lieben

Dieter Wellershoff hatte 1982 einen Gesellschaftsroman vorgelegt, in dessen Mittelpunkt das Leben des Geschäftsmannes Ulrich Vogtmann steht. Dieses war von Jugend an von einem bedingungslosen Erfolgsstreben geprägt, davon, in den Zeiten des sogenannten Wirtschaftswunders das große Geld zu machen und andere auszustechen. Die beruflich-wirtschaftliche Karriere des Protagonisten Vogtmann wurde im ersten Teil dieser Abhandlung nachgezeichnet…