Artikel von Petra Frerichs

Petra Frerichs

Dr. Petra Frerichs, Studium der Literatur- und Sozialwissenschaften, schreibt über Literatur (und Kunst), am liebsten gegen das Vergessen von guten alten Sachen.


Briefe Schreiben
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Über die Kunst des Briefeschreibens

Beim Erzählen von meinen Leseerfahrungen mit Fontane kam ich darauf, dass ich in seiner Sprache immer wieder Redewendungen finde, die mir von meiner „Berliner Kindheit“ her vertraut sind. Bestimmte Formulierungen sind auch in meine Briefe an die Großeltern eingegangen; diese Briefe, die bei uns manchmal von der ganzen Familie geschrieben wurden, wenn es darum ging,…

Unfähigkeit zu lieben
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Dieter Wellershoff: Der Sieger nimmt alles, Teil 2: Die Unfähigkeit zu lieben

Dieter Wellershoff hatte 1982 einen Gesellschaftsroman vorgelegt, in dessen Mittelpunkt das Leben des Geschäftsmannes Ulrich Vogtmann steht. Dieses war von Jugend an von einem bedingungslosen Erfolgsstreben geprägt, davon, in den Zeiten des sogenannten Wirtschaftswunders das große Geld zu machen und andere auszustechen. Die beruflich-wirtschaftliche Karriere des Protagonisten Vogtmann wurde im ersten Teil dieser Abhandlung nachgezeichnet…

Frau und Gesellschaft - Symbolbild
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Wiedergelesen: Theodor Fontane: Irrungen – Wirrungen und Stine

Zugegeben: ich lese ihn immer wieder gerne, den alten Märker mit seiner ruhigen Erzählweise und seinem Blick aufs Soziale. Die Sensibilität für soziale Ungleichheit in Zeiten der preußischen Monarchie Ende des 19. Jahrhunderts, in denen die Gesellschaft in Stände und Klassen tief gespalten und extrem hierarchisch strukturiert war, zeigt sich in beiden Prosastücken in der…

Kreuz
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Gegen das Vergessen: John Cowper Powys: Wolf Solent

John Cowper Powys ist ein weithin unbekannter Autor (1872-1963). Auch wir sind eher durch Zufall auf ihn gestoßen (antiquarisch erwarben wir eine Ausgabe seiner gesammelten Werke, erschienen im Verlag Zweitausendeins; siehe auch den Beitrag Kultur als Lebenskunst von Joke Frerichs im Blog der Republik am 11.08.2019). Es handelt sich um einen englischen Gelehrter und Schriftsteller,…

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Wolfgang Hilbig: Das Provisorium – Gegen das Vergessen

  Der Autor (1941-2007) gilt als literarische Ausnahmeerscheinung (Michael Opitz), ist mit vielen Preisen bedacht worden, war Büchner Preis-Träger. Seine große Stärke ist die Lyrik. Mit dem Provisorium hatte er kurz nach der Wende einen autobiographischen Roman vorgelegt. Hilbig ist DDR-sozialisiert, hat sich bis zum 40. Lebensjahr als Industriearbeiter verdingt, dabei von Kind auf immer…

Fridays for Future
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„Hört, ihr Leut, und laßt euch sagen: Fünf vor zwölf hat es geschlagen…“: Was die Kinderdemonstration in Micheal Endes Momo mit den Fridays for Future-Demos zu tun hat

Am Freitag, dem 20. September hat eine der größten Fridays for Future-Demonstrationen, die es je gegeben hat, stattgefunden, in Europa zeitgleich an unzähligen Orten und weltweit in vielen Ländern. Das war ein riesiger Erfolg der jungen Aktivist*innen, die mit großem organisatorischem Aufwand und viel Phantasie so etwas auf die Beine gestellt haben. Diesmal fanden sie,…

Erinnerungen
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Annie Ernaux: Die Jahre

Die lesenswerte Rezension von Wolfgang Wiemer hat mich angeregt, das Buch zu lesen. Ich habe ergänzend noch einige Aspekte hinzuzufügen. Eine französische Lehrerin schreibt nach ihrer Pensionierung über ihr Leben, und dies in einer ungewöhnlichen Form, über die sie im Buch immer wieder reflektiert: Sie wollte keine übliche Autobiografie schreiben, erst recht keine Bekenntnisse ablegen,…