Artikel von Petra Frerichs

Dr. Petra Frerichs, Studium der Literatur- und Sozialwissenschaften, schreibt über Literatur (und Kunst), am liebsten gegen das Vergessen von guten alten Sachen.


Doris Lessing, 1984
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Die ‚böse‘ Greisin und die ‚gute‘ Fee – nach einem Roman von Doris Lessing

Die Autorin war in den 1970er Jahren mit ihrem Goldenen Notizbuch zum Star der Frauenbewegung aufgestiegen; das Buch in aller Munde und – ähnlich wie Simone de Beauvoirs Das andere Geschlecht – praktisch zur Pflichtlektüre des Feminismus geworden. Fünfzig Jahre später nun fällt mir eher zufällig das antiquarisch erworbene Tagebuch der Jane Somers (Erstveröff. 1983)…

Erinnerungen
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ANNIE ERNAUX: DIE JAHRE

Vorbemerkung: Anlässlich der Verleihung des diesjährigen Literaturnobelpreises an Annie Ernaux veröffenlichen wir die Rezension über ihre Autobiografie von Petra Frerichs (erschienen im Blog der Republik am 25.08.2019) erneut. Eine französische Lehrerin schreibt nach ihrer Pensionierung über ihr Leben, und dies in einer ungewöhnlichen Form, über die sie im Buch immer wieder reflektiert: Sie wollte keine…

Symbolbild Natur
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Geniale Fälschungen in der Kunst, oder: Was macht die Nachahmung zum echten Bild?

Dem Antiquar in der Innenstadt Wilhelmshavens kann man nur dankbar sein, dass er in seinem großen Bestand von an die 20.000 Büchern ausgerechnet den Roman von Wolfgang  Hildesheimer: Paradies der falschen Vögel hatte, den der Suhrkamp-Verlag Mitte der 1970er Jahre einst verlegte. Und der Name des heute längst vergessenen Autors muss einem auch etwas sagen;…

Buchtitel
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Annette Lorey: Nelly Mann. Heinrich Manns Gefährtin im Exil

Wer kennt schon die Frau, die in der tiefen Provinz von Ostholstein 1898 als Emmy Westphal unehelich und aus kleinen Verhältnissen stammend auf die Welt kam, dann nach ihrem Stiefvater Kröger hieß und sich als junge Frau mutterseelenallein nach Berlin aufmachte, um sich in der aufstrebenden kulturellen Metropole während der berühmt-berüchtigten Goldenen Zwanziger Jahre als…

Erinnerung - Symbolbild
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Christa Wolf: Kindheitsmuster

Der Roman ist 1976 im Aufbau-Verlag in der DDR erschienen und wurde 2007 auch in der Bundesrepublik bei Suhrkamp verlegt. Kindheitsmuster ist der autobiografisch grundierte Faschismus-Roman von Christa Wolf, in welchem sie  individuelle und kollektiv Erfahrungen der Nazizeit verarbeitet: ein Erinnerungswerk an eine Kindheit in den 1930/40er Jahren, die in Landsberg an der Warthe (Provinz…

Berlin Alexanderplatz 1920
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Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz

Ein Klassiker, vor bald 100 Jahren geschrieben (Ersterscheinung 1929), jedoch mitunter von erstaunlicher Aktualität im Bereich des Sozialen, der Armut, der Deklassierung von Menschen, die ohne oder mit eigener Schuld in die Abwärtsspirale der Arbeits- und Wohnungslosigkeit geraten, verelenden und kriminell werden. Den Roman habe ich erst relativ spät gelesen. Mit der hervorragenden Verfilmung durch…

Phantasie - Symbolbild
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Philipp Meyer: Rost und Der erste Sohn – Zwei Romane über die US-amerikanische Gesellschaft

Im Feld der US-amerikanischen Gegenwartsliteratur kann man immer wieder Entdeckungen machen. So ging es mir mit Philipp Meyer (Jahrgang 1974), von dem ich gleich zwei seiner Romane hintereinander las: der eine trägt den Titel „Der erste Sohn“, der andere heißt „Rost“. Der eine bildet einhundert Jahre US-amerikanischer Geschichte im Kampf um Ressourcen und Revenuequellen ab;…