Belgien hat wie Deutschland vor 22 Jahren beschlossen, die Kernkraftnutzung zu beenden; wegen des Ukrainekrieges wurde 2022 die Stilllegung um ein paar Jahre über 2025 hinaus verschoben, aber nicht aufgehoben.
Die jetzige Entscheidung des belgischen Parlaments, die dortigen Kernkraftwerke durch Kauf zu verstaatlichen, wäre grundsätzlich zu begrüßen, wenn sie der zügigen Abwicklung der Kernenergienutzung diente. Der Beschluss zielt aber die Sanierung und Laufzeitverlängerung alter KKW sowie auf einen Zubau weiterer Kernkraftwerke in der Annahme, das werde eine sichere und klimafreundliche Stromversorgung darstellen. Es ist zu vermuten, dass sich der bereits hoch verschuldete belgische Staat dabei finanziell so weitgehend engagieren muss, dass der Ausbau von erneuerbaren Energien zumindest verlangsamt wird.
Zu kritisieren ist, dass der belgische Staat schon für die bisher betriebenen 7 Reaktoren keine Endlagerlösung hat – weder für die Brennelemente noch für verstrahlte Komponenten. Zwar wird seit Jahren von „ausreichend tiefen Bohrungen oder Stollen“ gesprochen, aber wie in Deutschland gibt es keine Entscheidung oder auch nur Indikation, wo und in welcher geologischen Formation „ausreichende Sicherheit“ möglich ist. Wie in Deutschland soll der weitere Entscheidungsprozess partizipativ erfolgen. Da kann man nur Glück wünschen – oder besser die Einsicht, dass man dies ungelöste Problem zumindest nicht vergrößern sollte.
Bei der Uranversorgung ist bisher Synatom tätig, eine Konzerngesellschaft der französischen ENGIE, die auch die belgischen KKWs betreibt. Synatom behauptet, kein Versorgungsproblem zu haben, auch nicht nach dem Ausfall des Uranbezugs aus Niger; man verweist unter anderem auf USA und Kasachstan; andere Quellen sagen, Russland kontrolliere mit seinem Einfluss auf Kasachstan etwa 40% des französisch-belgischen Uranbedarfs. Auch wird berichtet, dass die Herstellung von Brennelementen weitgehend von Russland dominiert wird. Für eine tatsächliche Abhängigkeit von Russland spricht auch, dass die EU-Sanktionen für Energiebezüge aus Russland Uran bisher ausklammern. Kurz gesagt: das Unabhängigkeitskriterium ist gerade bei einem so kleinen Land wie Belgien schwach!
Man wird Belgien nicht hindern können, diesen gefährlichen Weg zu beschreiten, zumal die EU-Kommission klar für neue KKW wirbt. Insofern wird es zumindest ein interessantes Experiment, dessen weitere Entwicklung lehrreich sein wird sowohl für die Befürworter wie auch die Kernenergiegegner.
Könnte ich eine Wette abschließen, würde ich darauf setzen, dass Belgien viel Geld verlieren wird, bis man zum Nuklearausstieg zurückkehrt.












