Krise der Deutschen Bank (Symbolbild)

DEUTSCHE BANK: SEXY AUF ABWEGEN

Hermann-Josef Abs, der Nestor der Deutschen Bank, mahnte vor einigen Jahrzehnten seine Vorstandskollegen vor gefährlichen und dubiosen Finanzabenteuern mit dem Hinweis: „Die besten Geschäfte sind die schlechten, die man nicht macht.“ Lange Zeit folgten die Männer an der Spitze dieser Großbank diesem weisen Rat. Sie machten gute Geschäfte, profilierten das Institut im In- und Ausland, galten als durch und durch seriös und überaus vertrauenswürdig. Die Herren Franz-Heinrich Ulrich, Friedrich-Wilhelm Christians, Wilfried Guth und Alfred Herrhausen waren die prägenden Persönlichkeiten an der Spitze der Deutschen Bank, waren Bankiers par excellence.

Gier zerstört Hirn!

Ihre Nachfolger setzten auf das anglo-amerikanische Geschäftsprinzip, wollten ganz hoch hinaus mit dem Investmentbanking, ließen sich von der Gier nach immer mehr Profit treiben. Sie wollten Banker sein; manche bezeichneten sie auch als Bangster, also als eine Mischung aus Banker und Gangster. Die gierige Gang unter der Führung von Ackermann, Jain und Genossen bescherte der Bank zwar manchen kurzfristigen Profit, jedoch manchen langfristigen Verlust an Vertrauen. Doch Vertrauen ist der Kredit für eine Bank, die wichtigste Währung für ihre Geschäfte, bei ihren Kunden und auch bei ihren Mitarbeitern. Auf die schlechten Geschäfte mussten Wertberichtigungen und Abschreibungen gemacht werden. Das kostete hohe Milliardenbeträge. Der Kurs an der Aktienbörse stürzte tief – von einst rund 100 Euro auf gerade 6 bis 8 Euro. Bei der Marktkapitalisierung verlor die Deutsche Bank im Vergleich zu anderen internationalen Konkurrenten mächtig an Boden und damit auch an Wettbewerbsfähigkeit.

Versagen des Aufsichtsrates

Die Liste der unseriösen und windigen Geschäfte, die in den hohen Banktürmen in der Frankfurter Zentrale ausgeheckt und gebilligt wurden, ist sehr lang. Die Summe der Strafen, die dafür zu zahlen waren, geht in die Milliarden. Wo auch immer getrickst, manipuliert oder gegen geltende Gesetze verstoßen wurde, konnten Beobachter feststellen, dass die Deutsche Bank nahezu überall aktiv mitmischte. Der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner, mit einer jährlichen Fest-Tantieme in Höhe von 800.000 € bestens für seine Tätigkeit vergütet, hielt sich lange auf seinem Posten, obwohl sich seine Aufsicht eher als ungenügend und sein Rat wohl als mangelhaft erwiesen. Ob es mit dem Einzug von Sigmar Gabriel und dem Börsenchef Theodor Weimer in das Aufsichtsratsgremium besser wird, darauf kann nur gehofft werden; sicher ist das jedoch keineswegs, denn der ehemalige SPD-Politiker ist nicht ein ausgewiesener Bankenfachmann.

Sexualstraftäter Epstein: Ein besonderer Kunde

Besser sollte es bei der Deutschen Bank mit dem Vorstandschef Christian Sewing werden. Er kennt das Institut und Geschäft. Doch muss er immer wieder die Altlasten der Bank bewältigen. Jüngst gab es erneut großen Ärger in den USA. Die Bank hatte enge Geschäftsbeziehungen zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein unterhalten. Es wurden Transaktionen und Zahlungen an russische Models und andere Frauen durchgeführt, es wurde Geld an Leute überwiesen, die Epstein beim sexuellen Missbrauch mit jungen Frauen „versorgt“ hat. Dabei gingen regelmäßige auffällige Abhebungen von Bargeld von insgesamt 800.000 US-Dollar durch, ohne das die Bank stutzig wurde und diese überprüfte. Ebenso warf die amerikanische Bankenaufsicht dem Institut eine mangelnde Aufsicht bei seinen Beziehungen zu den Banken Danske Estonia und Federal Bank of the Middle East vor, die im Zentrum eines großen Geldwäscheskandals stehen. Jeffrey Epstein hat die Deutsche Bank wohl tief beeindruckt, sodass sie die notwendigen Prüfungen einfach unterließ. Immerhin brüstete er sich mit seiner Freundschaft zu Donald Trump, Bill Clinton und dem britischen Prinzen Andrew. Im vergangenen Jahr hatte sich Epstein in seiner Gefängniszelle erhängt.

Neue Millionenstrafe und weiterer Vertrauensverlust

Das New Yorker Department of Financial Services, die Bankenaufsicht des US-Bundesstaats New York, brummte der Deutschen Bank für die Geschäfte mit dem Sexualstraftäter Epstein sowie den beiden Kreditinstituten Danske Estonia und Federal Bank of the Middle East eine Strafe von 150 Mio. US-Dollar, also umgerechnet 133 Mio. €, auf. Wieder einmal wurde hier deutlich, dass die bankinternen Kontrollen und die Aufsicht versagt hatten. Wenn man die Höhe dieser Strafe mit den früheren Strafen, die die Deutsche Bank schon zahlen musste, vergleicht, dann ist sie zwar kein Trinkgeld, aber durchaus zu verschmerzen. Dennoch ist der Vorgang mehr als peinlich für das Kreditinstitut, das selbst seinen Ruf als wertvollstes Gut bezeichnet. Der Vorstandschef Sewing schrieb in einem Brief an die Mitarbeiter: „Es sei ein schwerwiegender Fehler gewesen, Jeffrey Epstein im Jahre 2013 als Kunden aufgenommen zu haben. Bei der Mehrzahl ihrer Kunden ist die Deutsche Bank ebenso wie andere Finanzinstitute wesentlich vorsichtiger und nicht so vertrauensselig wie bei Epstein. Gute Geschäfte sind ohnehin in der Regel nicht sexy, sollten jedoch stets solide und seriös sein.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Gerd Altmann(geralt), Pixabay License

 


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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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