Zentrale Elemente der AfD-Wirtschaftspolitik sind weitreichende Steuersenkungen, der Abbau staatlicher Regulierung, eine deutliche Reduzierung sozialstaatlicher Leistungen sowie eine national ausgerichtete Wirtschafts- und Migrationspolitik. Gleichzeitig fordert die Partei einen grundlegenden Kurswechsel in der Europa- und Energiepolitik. Gewerkschaften und auch Unternehmer befürchten dagegen eine Schwächung des Sozialstaats, geringere Investitionen in Infrastruktur und Bildung sowie eine Verschärfung des Fachkräftemangels.
Ein genauer Blick auf ihre wirtschaftspolitischen Vorstellungen wirft jedoch erhebliche Fragen auf – nicht nur aus Sicht von Arbeitnehmervertretungen, sondern zunehmend auch aus der Wirtschaft selbst. Wenn man sich bei Unternehmern und Unternehmerinnen von kleinen bis großen Unternehmen umhört, zeichnet sich ein einheitliches Bild: es wird ausdrücklich vor Wahl der AfD gewarnt, denn die wirtschaftspolitischen Vorstellungen beinhalten erhebliche Risiken für Wachstum, Investitionen und den Industriestandort Deutschland. Kurz gesagt: wer AfD wählt, entscheidet sich gezielt für den Abbau seines Arbeitsplatzes. Und dies gilt in besonderem Maße gerade auch für die im Herbst anstehenden Landtagswahlen.
Wir haben zur Veranschaulichung einige Äußerungen und Sorgen von Unternehmerinnen und Unternehmen zusammengefasst, um zu dokumentieren, dass die wirtschaftspolitischen Wahlaussagen der AfD einen Angriff auf die wirtschaftliche Zukunft in den Ländern und im Bund darstellen.
Joe Kaeser, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Siemens AG und heutiger Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens Energy, wird besonders deutlich. Er warnte öffentlich:
„Wer die AfD wählt, entscheidet sich für den Verlust des Wohlstands unseres Landes.“ Kaeser begründet dies vor allem mit der Ablehnung Europas, der Verhinderung der Einwanderung qualifizierter Fachkräfte und der internationalen Abschottung. Für ein exportorientiertes Land wie Deutschland seien Offenheit, internationale Kooperation und politische Stabilität die Grundlage wirtschaftlichen Erfolgs. Kaeser betont in seinem Linkin Beitrag aus dem Jahr 2024, dass die Menschen im Osten keine Ratschläge aus dem Westen benötigen, welche Partei man wählen soll. Die Menschen verdienen es aber, dass Unternehmenslenker, die dort Standorte haben, konkret erklären, was für die Zukunftssicherung zu tun ist und was sie für den Fortbestand und Ausbau ihrer Arbeitsplätze benötigen.
Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), erklärte vor Kurzem in einem Interview der Deutschen Presseagentur gegenüber:
„Die AfD hat keine Lösungen für die Probleme Deutschlands.“ Mit Blick auf die starken Umfrageergebnisse der AfD sagte Dulger, „er sehe diese mit großer Sorge für die wirtschaftliche Entwicklung: Insbesondere vermisse er Antworten auf den demografischen Wandel und den wachsenden Fachkräftemangel“.
Prof. Reint E. Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, macht deutlich, dass z.B. die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt stark auf die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte angewiesen ist. Allerdings würden nach einer AfD-Übernahme voraussichtlich nicht nur weniger von ihnen kommen, sondern auch sehr viele von Ihnen gehen. Denn ausländische Fachkräfte werden von der AfD als „kulturfremd“ oder schlecht qualifiziert etikettiert.
Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, betonte mehrfach die enorme Bedeutung internationaler Belegschaften:
„Ohne Beschäftigte mit Migrationsgeschichte könnten in Deutschland keine Autos gebaut werden.“
Diese Aussage richtet sich gegen politische Konzepte, die Zuwanderung erheblich erschweren würden. Gerade angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels sehen viele Industrieunternehmen hierin ein erhebliches wirtschaftliches Risiko
Alexander Kühnen (CEO Bahlsen) gehört wohl zu den deutlichsten Unternehmerstimmen im Jahre 2026:
„Vor diesem Hintergrund ist die AfD für mich keine Alternative – weder unternehmerisch noch politisch“
Er begründet seine Ablehnung der AfD sowohl mit den Werten seines Unternehmens als auch mit wirtschaftlichen Argumenten (Fachkräftemangel, Europa, offener Handel).
Michael Otto (Ehrenvorsitzender Otto Group) warnt 2026 ausdrücklich vor den demokratischen Folgen eines Erstarkens der AfD und zieht klare Grenzen gegenüber einer Zusammenarbeit:
„Die freiheitliche Demokratie in Deutschland ist gefährdet.“ (im Zusammenhang mit Warnungen vor einer AfD-Regierungsbeteiligung)
Auch die Wirtschaftswissenschaft kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) kommt in einer Analyse zu dem Schluss, dass insbesondere ein von der AfD diskutierter Austritt Deutschlands aus EU und Euro („Dexit“) erhebliche wirtschaftliche Folgen hätte. Das reale Bruttoinlandsprodukt könnte innerhalb weniger Jahre um mehr als fünf Prozent sinken – verbunden mit erheblichen Arbeitsplatzverlusten und sinkenden Investitionen. Zugleich kritisieren die Autoren Widersprüche im wirtschaftspolitischen Programm der Partei, etwa zwischen marktwirtschaftlichen Forderungen und tatsächlichem Abstimmungsverhalten z.B. im Bundestag.
Die Zitatensammlung ließe sich noch durch zahlreiche weitere Stimmen ergänzen. Alle vereint insbesondere die Sorge um die Erhaltung unserer Demokratie. Einigkeit besteht auch darin, dass die größten Gefahren einer möglichen AfD Politik nicht in einzelnen Steuer- oder Sozialkonzepten, sondern in den langfristigen Folgen einer Politik liegt, die europäische Integration infrage stellt, qualifizierte Einwanderung erschwert und internationale Investoren verunsichert. Der massive Abbau von Arbeitsplätzen, Insolvenzen und der Verlust von wirtschaftlicher Zukunft sind die Folgen. Die Kritik richtet gegen ein Wirtschaftsverständnis, das nach der Einschätzung zahlreicher Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter den Wohlstand, die Wettbewerbsfähigkeit und den sozialen Frieden in Deutschland gefährden.












