Luftmess-Station

Die Grenzwerte für Stickoxid, Feinstaub und Co. müssen eher noch strenger werden

Ach, der Herr Professor hat sich verrechnet, ganz so harmlos, wie der Öffentlichkeit vorgegaukelt wurde, sind die Stickoxide in der Atemluft nicht. Das späte Eingeständnis von Rechenfehlern kommt nicht überraschend. Schon vor Wochen hatte sich die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V. (GPA) von der Stellungnahme zur Gesundheitsgefährdung durch umweltbedingte Luftverschmutzung, insbesondere Feinstaub und Stickstoffverbindungen distanziert. Die Kinder- und Jugendärzte, Kinderpneumologen, Allergologen und Umweltmediziner bekräftigten die erheblichen Gesundheitsrisiken insbesondere für Kinder und Jugendliche: „Schädigungen ihrer in Wachstum und Reifung befindlichen Organe können teilweise zeitlebens nicht mehr wettgemacht werden.“

Die Stellungnahme von Ende Januar stand im Einklang mit denen der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), der European Respiratory Society (ERS), des internationalen Forums der pneumologischen Fachgesellschaften (FIRS) und der World Health Organisation (WHO), doch die mediale Aufmerksamkeit galt allein Köhler und Co. Die Talkshows entdeckten einen neuen Lieblingsgast. Seine Aussagen überprüften oder relativierten sie nicht. Die steile These von der angeblichen Unbedenklichkeit des Stickoxids und anderer Luftschadstoffe war offenbar zu sexy.

Wohl auch für Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und die Große Koalition, die – wie man nun hört – tatsächlich daran denkt, die entsprechenden Grenzwerte kurzerhand so zu entschärfen, dass Fahrverbote unnötig werden. Das wäre ein weiterer Kotau vor der Automobilindustrie und ein ungeheuerlicher Schlag gegen den Gesundheitsschutz der Bevölkerung. Die seriösen Mediziner von der GPA beharren jedenfalls nicht allein „auf der strikten Einhaltung der rechtlich verbindlichen EU-Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxid“, sondern sie fordern darüber hinaus eine kontinuierliche Prüfung, „ob und wie diese in den kommenden Jahren weiter abgesenkt werden müssen“.

Bildquelle: Wikipedia, LudwigSebastianMicheler  CC BY-SA 4.0

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Petra Kappe
Über  

Die promovierte Medienwissenschaftlerin arbeitete mehr als 20 Jahre in der Politikredaktion der Westfälischen Rundschau. Recherchereisen führten sie u. a. nach Ghana, Benin, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, China, Ukraine, Belarus, Israel und in das Westjordanland. Sie berichtete über Gipfeltreffen des Europäischen Rates, Parteitage, EKD-Synoden, Kirchentage und Kongresse. Parallel nahm sie Lehraufträge am Institut für Journalistik der TU Dortmund sowie am Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus in Dortmund wahr. Derzeit arbeitet sie als freie Journalistin.


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