Kardinal Wölki als Karnevalsfigur

Es wird Zeit für die Kirche

Wer erinnert sich nicht an Kardinal Wölki, als er nach Köln kam und den Amtsvorgänger Kardinal Meisner ablöste. Man atmete auf, zumindest die Katholiken in der Domstadt reagierten erleichtert. Da kam einer, der ihre Fröhlichkeit zu teilen schien, der ins Stadion ging zum FC und die kölschen Lieder mitschmetterte, der beim Karneval im Gürzenich- das ist für Karnevalisten am Rhein so etwas wie der Dom für die Gläubigen- mitschunkelte. Also einer von uns, dachten die Kölner. Und wie sie sich getäuscht haben sollten! Der Vertuschungsskandal um ein Gutachten aus München um den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Kirchenvertreter spricht Bände. Scharenweise treten die Gläubigen aus der katholischen Kirche aus, die Verwaltung kommt gar nicht mehr mit, um die Anträge zu bearbeiten.Und das in Köln!

Und dann noch die Satire-Figur vor dem Hauptportal des Kölner Doms, der größten Kirche in Deutschland, oder sogar nördlich der Alpen, ein Spott zu Lasten des Erzbischofs von Köln Wölki.Der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly hat diese Figur vor dem Dom aufgestellt, sie zeigt einen katholischen Bischof mit einer Mütze, die aus einer gigantischen männlichen Eichel besteht. Und sie trägt den Untertitel: „Das Kernproblem der katholischen Kirche.“ Das Ganze geschieht zeitgleich mit der tagenden deutschen Bischofskonferenz, die sich mit dem Missbrauch von Kindern durch Priester beschäftigen muss. Eine Kirche, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, sich um Kinder zu kümmern, und die angeklagt wird, dass ihre Repräsentanten dieses Sichkümmern missbraucht haben sollen. Eine Kirche, deren Aufgabe es sein sollte, sich der Schwachen anzunehmen, eben der Kinder, weil die sich nicht wehren können, muss erleben, wie ihre Gläubigen mit dem Finger auf ihre Priester und Bischöfe zeigen, weil die Gläubigen sich verraten fühlen. Mein Gott, kann ich da nur sagen. Wie schlimm ist das! Und einer wie Wölki muss sich der Vorwürfe erwehren, ihm liege mehr am Schutz der Täter denn am Schutz der Opfer. Dann das Hinhalten. Die 68 Bischöfe, die zusammensitzen bei der Frühjahrsversammlung, mögen Tillys Satire vor dem Dom als Obszönität abtun, aber sie werden nicht bestreiten können, dass ihre Kirche, die doch für Werte stehen sollte, für Moral, verwickelt ist in einen schlimmen Skandal um den sexuellen Missbrauch von Kindern. Das Vertrrauen in die Kirche schwindet mehr und mehr, weil die einst Gläubigen nicht mehr blind dem Bodenpersonal Gottes auf Erden, den Priestern und Bischöfen, vertrauen. Sie fragen nach und verlangen Antworten, Aufklärung. Das, was geschehen ist, bedarf der Aufklärung, auch wenn die Täter schon gestorben sind. Sie haben sich vergangen an Kindern, was ein schändliches Verbrechen war. Pfui Teufel, kann ich da nur sagen. Es wird Zeit, dass die Bischöfe aufwachen, ehe es zu spät. Die Kirche wird gebraucht, aber eine, die wirklich für Werte steht und diese lebt. Und die nicht vertuscht, damit irgendein Schein gewahrt bleibe. Das wäre Heuchelei. Das schreibt einer, der immer noch Mitglied dieser katholischen Kirche ist.

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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