Krieg im Jemen

Fünf Jahre Krieg im Jemen Ein Land zerfällt. Die Menschen sterben. Die Weltgemeinschaft hat andere Sorgen.

Am 26.März 2015 begann die Militäroffensive, angeführt von Saudi-Arabien, mit dem unwirklichen Namen „Sturm der Entschlossenheit“. Dieser Sturm ist ein grausamer Krieg, der nun schon im 5. Jahr im Jemen wütet. Das Land liegt im Süden der Arabischen Halbinsel, es ist etwa eineinhalbmal so groß wie Deutschland und hat knapp 28 Millionen Einwohner. Eine humanitäre Katastrophe mit unvorstellbarem Leid spielt sich seitdem vor den Augen der Weltöffentlichkeit, aber ohne deren wirklicher Beachtung ab. Seit Kriegsbeginn wurden über 3,6 Millionen Menschen vertrieben und leben seitdem als Binnenflüchtlinge im Land. Etwa die Hälfte der Binnenvertriebenen sind Frauen. Aufgrund der begrenzten Optionen für die Unterbringung von Vertriebenen, leiden Frauen und Mädchen am meisten unter einem Mangel an Privatsphäre, Sicherheitsbedrohungen und einem eingeschränkten Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen. Mehr als 24 Millionen Menschen brauchen dort humanitäre Unterstützung. Über 190.000 Jemeniten sind in andere Länder geflohen.

Doch auch die Bedingungen in den Nachbarländern, wie Somalia, sind so aussichtslos, dass über 270.000 Flüchtlinge und Asylsuchende im Jemen Schutz suchen. Die Zivilbevölkerung leidet unter Armut, Hunger, Krankheiten und Bombardements. Die Kinderhilfsorganisation Save the children hat gerade mit einer Studie die schweren psychischen Schäden der Kinder im Jemen belegt: Mehr als die Hälfte der Mädchen und Jungen zeige Anzeichen einer Depression; fast jedes fünfte Kind habe ständig Angst. Seit Dezember 2017 wurden demnach mindestens 2.047 Kinder getötet oder verstümmelt. 2017 brach im Land die weltweit schlimmste Cholera-Epidemie aus, die je dokumentiert wurde. Die Folgen einer auch dort drohenden Corona-Pandemie wären verheerend. Die Kämpfe flammen immer wieder auf. Das Völkerrecht wird von den Kriegsparteien gebrochen, und die Menschen sind immer wieder gezwungen, innerhalb des Landes zu fliehen. Landminen und andere explosive Kriegsrückstände stellen gleichzeitig ein langfristiges Risiko für die Zivilbevölkerung und humanitären Akteure dar.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, UNHCR, gehört zu den wenig im Land verbliebenen Hilfsorganisationen. Der UNHCR ist in allen 20 Gouvernements, die vom Konflikt betroffen sind, präsent und versorgt dort die Menschen mit lebenswichtiger Hilfe: Notunterkünfte, Matratzen, Decken, Schlafmatten und Küchenartikel. Zusammen mit seinen Partnern sorgt der UNHCR vor Ort für medizinische Versorgung und die Prävention von Krankheiten. So wird regelmäßig die Wasserqualität kontrolliert. Es werden Latrinen, Waschmöglichkeiten und Wasserstellen gebaut und Wasserkanister für den Transport von Wasser verteilt. Alltag in einem zerfallenen Land. Die Hilfe für den Jemen ist nach UNHCR-Angaben aktuell mit 17 Prozent finanziert. Durch die neue, weltweite Konzentration auf COVID-19 ist zu befürchten, dass ein zerfallenes Land und seine Menschen kaum noch eine Chance auf Frieden und Sicherheit bekommen.

Hilfe und Unterstützung über: www.uno-fluechtlingshilfe.de

Bildquelle: Wikipedia, Von Almigdad Mojalli/VOA, Gemeinfrei,

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Peter Ruhenstroth-Bauer

....ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe (www.uno-fluechtlingshilfe.de), dem deutschen Partner des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen (UNHCR). Zuvor war er u.a. Stellvertretender Chef des Bundespresseamtes und als Staatssekretär im Bundesfamilienministerium. Er ist Lehrbeauftragter für Politische Kommunikation/Regierungskommunikation an der Universität Potsdam und der Hochschule Magdeburg.


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