Symbolbild "Globalisierung"

Globalisierung: Ein Auslauf-Modell?

In Kürze wird es das jährliche Treffen des World Economic Forums (WEF) in Davos geben, bei dem sich Politiker, Manager und Experten aus aller Welt treffen werden. Im Vorfeld wurde gerade ein Global Risk Report auf der Basis einer Umfrage bei 1.200 Entscheidungsträgern vorgelegt, der durchaus sehr bemerkenswert ist.

Vor ökologischen und ökonomischen Krisen

In diesem Report zeichnet das WEF ein dunkles Panorama an Gefahren und Risiken für die zukünftige Entwicklung. Vor allem wird die Inflation zu großen Problemen führen. Die Globalisierung hat in den letzten 3 Jahrzehnten viele Millionen Menschen aus der Armut befreit; vor allem wurde die Kluft zwischen Arm und Reich verringert. Mit Blick auf die Zukunft rechnen die meisten Entscheider in der Politik und Wirtschaft damit, dass die Globalisierung nun beendet wird. Vielmehr könnte die nächste Dekade von ökologischen und sozialen Krisen bestimmt werden. Die Mehrheit der Befragten rechnet mit stetigen Veränderungen und gleichzeitigen Schocks, 13 Prozent erwarten gar anhaltende Krisen. Nur 18 Prozent der Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gehen von einer geringen Volatilität in den nächsten 2 Jahren aus.

Mehr „failing states“ mit großen Problemen

Unter den hohen Preisen für Energie und Nahrungsmittel leiden die ärmsten Staaten der Welt am stärksten. Diesen ohnehin schon fragilen Ländern droht sogar der Kollaps staatlicher Strukturen. Hinzu kommen die höheren Zinsen, die zu einer Verteuerung der Neuverschuldung führen. Die ohnehin schon hohe Staatsverschuldung erschwert den Regierungen die Abfederung ökonomischer und sozialer Härten. Die Zahl der „failing states“ wird zunehmen.

Zunahme der sozialen Ungleichheit

Vor allem wird befürchtet, dass die Chance, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, mehr und mehr schwindet. So könnte der Klimawandel zur existentiellen Bedrohung für den Planeten werden. Die nächste wirtschaftliche Ära wird von drohender Stagnation, Divergenz und Not geprägt sein. Die soziale Ungleichheit, so erwarten es die Experten, wird verschärft durch neue Technologien wie etwa durch die künstliche Intelligenz, die insbesondere Jobs für unqualifizierte Arbeiter überflüssig machen wird.

Vor einem geoökonomischen Nullsummen-Krieg

International werden Konflikte zunehmen und an die Stelle von Kooperationen treten. Ökonomische Kriegsführung wird zur Norm, sodass die Wirtschaftspolitik vorwiegend auf die Selbstversorgung und Unabhängigkeit von Machtrivalen ausgerichtet sein wird. Die Experten befürchten vor diesem Hintergrund einen „geoökonomischen Nullsummen-Krieg“. Zugleich wächst die Angst vor einer Konfrontation zwischen den USA und der Volksrepublik China. Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat gezeigt, wie fragil die globale Friedensordnung ist und dass ein großflächiger Landkrieg Europa schockiert. Gerade einmal 20 Prozent der Befragten rechnen damit, dass sich die politische und ökonomische Lage in den nächsten 10 Jahren verbessert oder zumindest stabilisiert.

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leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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