Klimawandel - Symbolbild

Ich habe Angst vor Laschet – und vor uns selbst

Würde Armin Laschet tatsächlich der nächste Bundeskanzler, könnte das nach den bisherigen Erfahrungen mit diesem Gute-Laune-Onkel schlimm für Deutschland werden. Vor großen Herausforderungen hat er immer wieder spektakulär versagt.

In der Corona-Krise fuhr er von allen Ministerpräsident*Innen den vielleicht schlimmsten Zick-Zack-Kurs. Mit blankem Opportunismus gab er mal im gewollten Gegensatz zu Angela Merkel den bedenkenlosen Lockerer, wollte dann wieder, als auch er endlich die Gefahren erkannt hatte, den denkbar schärfsten Lockdown. Beim Umweltschutz kam von ihm nur heiße Luft. Er redete zwar einer Umweltpolitik das Wort, aber nur irgendwie und vor allem immer nach der Devise: Es wird schon nicht so schlimm, und kosten darf es den prospektiven Wähler nichts. Jetzt, da die Umweltkatastrophe auch sein Bundesland Nordrhein-Westfalen so schlimm heimgesucht hat, – schlimmer und schneller als wohl die meisten von uns befürchtet oder es erahnt hatten, – jetzt gibt Öko-Bremser Laschet verbal Gas. Redet einer radikaleren Umweltpolitik das Wort. Konkretisierungen hingegen … immer noch Fehlanzeige.

Hermann Schreiber, unvergessener Top-Journalist des „Spiegel“ hatte vor Jahrzehnten für einen anderen nordrhein-westfälischen Spitzenpolitiker, den heute kaum noch einer kennt, die vernichtende Beschreibung: „kantenlos wie ein Polstersofa“. Das passt heute genauso auf Armin Laschet, der CDU-Kanzlerkandidat wurde, weil er offenkundig schmerzfrei ist und Sitzfleisch hat, der Umfragen fröhlich weggrinst, die ihm zeigen, dass die Mehrheit der Deutschen ihn einfach nicht als Kanzler will. Sein Programm scheint zu sein scheint: Mit mir bleibts nett und gemütlich und wird nicht so schlimm.

Nach Corona und Hochwasser im Westen kommt die nächste Gefährdung ganz bestimmt. Und es bleibt die Umweltkrise, die sich schon jetzt zur Katastrophe auswuchs. In dieser Zeit einen profil- und prinzipienlosen Armin Laschet als Berliner Regierungschef  ??? Armes Deutschland !

Olaf Scholz, SPD-Counterpart hat sich zumindest in der Umweltpolitik, dem zentralen Politikfeld für Gegenwart und Zukunft, auch nicht als besonders beherzt hervorgetan. Kamen die Grünen mit moderat entschiedeneren Vorschläge etwa zur CO-2-Bepreisung biss er als Polit-Terrier die Öko-Konkurrenz reflexhaft weg. Und Annalena Baerbock, grüne Kanzlerkandidatin, hat klägliche Charakter-Defizite offenbart. Die Auswahl für den 26. September also ziemlich trostlos.

Umso mehr käme es auf uns Bürger an. Wir könnten doch demonstrieren, dass wir es angesichts der heraufziehenden Herausforderungen und Gefährdungen gerne etwas beherzter, konkreter, mutiger hätten. Wir könnten der Politik zeigen, dass wir bereit sind zu notwenigen Korrekturen und auch Einschränkungen, ohne die es nach Voraussage aller Klima-Experten nicht gehen wird. Die klimabedingte Flutkatastrophe von Rheinland-Pfalz und NRW beherrscht seit Tagen die Schlagzeilen. Jeder sollte inzwischen wissen, wie ernst die Lage ist. Da machte ich einen Selbstversuch. Ich fuhr ich auf einer Autobahn konsequent Tempo 130 km/h, hielt mich also an die diskutierte Geschwindigkeitsbegrenzung, die den Verkehr sicherer macht und mit der vor allem klimaschädliche Abgase reduziert werden könnten. Obwohl man mit dieser Geschwindigkeit objektiv noch ganz schön flott vorankommt, fühlte ich mich wie ein spießiger Bummelant, musste ständig wieder hinter LKW einschwenken, weil das Gros der Autofahrer nicht einmal diesen Minimal-Beitrag zum Umweltschutz leisten will. Fllughäfen und Airlines jubeln, dass Millionen endlich wieder in die Luft gehen, was die Atmosphäre ebenfalls erheblich belastet. Und auch ich habe schon die nächste Reise gebucht, obwohl die nun wirklich nicht nötig ist. So habe ich Angst für die Zukunft – Angst vor Armin Laschet, Olaf Scholz, Annalena Baerbock und vor mir selbst.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Jeyaratnam Caniceus, Pixabay License

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Christoph Lütgert

Christoph Lütgert war Rundfunk-Korrespondent beim NDR, hat für Panorama gearbeitet und war später Chefreporter Fernsehen beim Norddeutschen Rundfunk. Lütgert wurde wegen seiner sozialkritischen Reportagen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.


'Ich habe Angst vor Laschet – und vor uns selbst' hat 2 Kommentare

  1. Avatar

    18. Juli 2021 @ 17:36 Kai Ruhsert

    „Die klimabedingte Flutkatastrophe von Rheinland-Pfalz und NRW …“?!

    In der Wahrnehmung der deutschen Öffentlichkeit wurde das Hochwasser an der Ahr vom Zaudern der Regierenden ausgelöst. Das bedarf offensichtlich der Korrektur:
    * „Das Hochwasser der Ahr am 21. Juli 1804 kostete 63 Menschen das Leben und richtete schwere Verwüstungen an. Viele Häuser wurden von der Flut mitgerissen“. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hochwasser_der_Ahr_am_21._Juli_1804
    * Das Hochwasser an der Ahr vom 13. Juni 1910 war eines der größten historisch bezeugten Hochwasserkatastrophen im Ahrtal.“ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hochwasser_der_Ahr_am_13._Juni_1910

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  2. Avatar

    18. Juli 2021 @ 19:00 Kai Ruhsert

    Hier kann man nachlesen, welche Faktoren für diese Katastrophe wohl ausschlaggebend waren:

    Acht Jahre altes Krisenszenario: Der Staat kannte das Risiko einer Hochwasserkatastrophe
    Ein Krisenszenario mit extremen Überschwemmungen im Bundesgebiet hat die Bundesregierung bereits von Experten durchspielen lassen. Doch aus dem Strategiepapier haben Zuständige zu wenig gelernt.
    https://www.wiwo.de/politik/deutschland/acht-jahre-altes-krisenszenario-der-staat-kannte-das-risiko-einer-hochwasserkatastrophe/27429926.html

    Antworten


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