Baumhäuser HAmbacher Forst

Kommt jetzt eine DIN-Norm für Baumhäuser?

Baumhäuser waren bisher luftige Plätze für Kinder, gebaut zum Herumtoben und Klettern, ideal für‘s Abendteuer in der Natur. Diese Arglosigkeit wird ihnen gerade genommen, sie sind nun Streitobjekt zwischen Landesregierung und Opposition, Gegenstand von Gutachten, Thema für Medien, Aufreger im Internet. Bisher hat die Bürokratie unsere Baumhäuser verschont, für ihre Errichtung gibt es noch nicht einmal eine DIN-Norm, keine Vorschriften, höchstens den Eigentümer des Nachbargrundstücks sollte man vor Baubeginn um Zustimmung bitten. Das wird sich bald ändern – als Spätfolge der Proteste im Hambacher Forst, den Umweltaktivisten sei gedankt!. Sie haben das Baumhaus kreativ fortentwickelt, es eben nicht nur als Spielplatz genutzt, sie haben regelrechte Baumimmobilien errichtet – zur Dauerunterkunft perfektioniert. Doch Immobilien brauchen nun mal eine Baugenehmigung, das gilt schon für jede kleine Gartenlaube im Außenbereich. Bei Missachtung wird unverzüglich Baustopp angeordnet, dann heißt es „Betreten verboten“! Das haben die Erbauer leider nicht bedacht…..

Wegen politischer Mutlosigkeit ist damals die NRW-Landesregierung auf die tolle Idee verfallen, eine Zwangsräumung aus Brandschutzgründen anzuordnen.  Und um ganz sicher zu gehen, ließ sie sich die Rechtmäßigkeit dieses Vorhabens durch ein Gutachten bestätigen. Ungereimtheiten bei der Auftragsvergabe des Gutachtens beschäftigen nun die Zeitungkommentare, ganze Bataillione von Rechtsexperten diskutieren über die Vorgeschichte des größten Polizeieinsatzes der letzten Jahre. Stattdessen könnte man auch über die Frage streiten, ob mit dem überflüssigen Gutachten Steuergelder verschwendet wurden.

Inzwischen gerät die Debatte aus den Fugen. Sie dient eigentlich nur noch der Opposition, um einen Innenminister, der sich zuerst als Sicherheitsminister versteht, in Misskredit zu bringen. Linke, Grüne und SPD wollen ihn wegen seiner Vorgehensweise bei der Räumung zum „Erfüllungsgehilfen des Energiekonzerns RWE“ abstempeln. Hätte Reul also besser seine Hände in den Schoß legen und sich zum „Handlanger von Rechtsbrechern“ machen sollen? Wer so argumentiert, muss sich fragen lassen, was ihm der Rechtsstaat wert ist. Themen wie Bekämpfung der Clan- und Cyberkriminalität treten in den Hintergrund. Dabei sind es diese Gefahren, die die Menschen beschäftigen, auf die sie Antworten von der Politik erwarten. Vielleicht wären sie sogar bereit, eine DIN-Norm für Baumhäuser zu akzeptieren, wenn dadurch einer illegalen Protestform der Boden entzogen würde.

Bildquelle: Wikipedia, MaricaVitt – Eigenes Werk, Baumhäuser 2018  im Hambacher Forst, CC BY-SA 4.0

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Rotger Kindermann

Journalist seit 1970 in Köln und Bonn. Heute freier Korrespondent beim „Luxemburger Wort“, „Der Mittelstand“ u.a. Ehrenämter: Stv. Vors. der Jounalistenvereinigung der dt. Handwerkspresse; Mitglied der Kommission „Redaktion“ im Verband Dt. Zeitschriftenverleger (VDZ); Präsident der Vereinigung Europäischer Journalisten (VEJ), 1994-2010; Seither VEJ-Ehrenpräsident; Vizepräsident der European Journalists Ass. (EJ), seit 2003 Stv. Vors. Verein Internationale Krankentransporte (VIK); Sachkundiger Bürger Stadt Neuss (Komm.f.Partnerstädte) + Rheinkreis Neuss (Kulturausschuss); Leiter des AK-Europa der CDU-Neuss


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