Wirtschaftskrise

MIT ZOLLFANATISMUS AUF DIE VERLIERERSTRASSE

Die Wut des US-Präsidenten nimmt weiter zu. Der Blick auf die Außenhandelsbilanz lässt die Zornesröte im Gesicht von Donald Trump immer stärker werden. Nicht nur die hohen Importe aus China sind es, die ihn zur Weißglut bringen, sondern auch die Erfolge der deutschen Firmen auf dem amerikanischen Markt sind ihm mehr als ein Dorn im Auge.

Große Wettbewerbsfähigkeit deutscher Exporteure

Die deutschen Ausfuhren in die USA lagen in den letzten Jahren deutlich über der Marke von 100 Mrd. €, im Jahre 2018 exakt bei gut 113 Mrd. €.

Waren „made in Germany“ kommen bei den amerikanischen Käufern sehr gut an. Automobile, Maschinen und Anlagen, chemische Produkte, Stahl sowie vieles andere sind in den USA gefragt. Deutsche Lieferanten bieten durchweg beste Qualität, sind zuverlässig und glänzen mit einem guten Service.

Vor allem stimmt das Preis-Leistungsverhältnis, auf das die amerikanischen Käufer besonderen Wert legen. Damit beweisen die deutschen Unternehmen ihre hohe Wettbewerbsfähigkeit. In vielen Bereichen sind sie eben konkurrenzfähiger als die US-Companies.

Lahme Konkurrenz aus den USA

Die deutschen Importe aus den Vereinigten Staaten betrugen in den letzten Jahren jeweils etwa 60 Mrd. €; 2018 erreichten sie mit 64,5 Mrd. € einen Rekord. Dabei finden vor allem Autos mit kleinen und großen Dieselmotoren, Turbo-Strahltriebwerke, digitale Produkte, Medikamente, Speicherchips, Rasierapparate und Weine Käufer in Deutschland. Die Lieferungen aus den USA sind kaum höher als die deutschen Importe aus Italien, ja wesentlich niedriger als die aus den Niederlanden oder Frankreich. Von „America first“ sind die USA des Donald Trump jedenfalls weit entfernt. Denn die US-Wirtschaft war seit langem insbesondere auf den heimischen Markt ausgerichtet. Mit Flüssiggas und Kohle lief trotz des Drängens und des politischen Drucks aus dem Weißen Haus fast nichts. Lediglich die hightech-Firmen aus Kalifornien sind auch in Deutschland dominierend.

Airbus contra Boeing

Donald Trump hat nun Wasser auf seine Zoll-Mühle bekommen. Und das sogar von der Welthandelsorganisation (WTO), die bislang vor allem als die Gralshüterin des Multilateralismus, also des liberalen Welthandels fungierte. Nach dem 2. Weltkrieg war die WTO unter der Führung der USA errichtet worden. Von ihrem segensreichen Wirken haben seitdem die Weltwirtschaft und der globale Handel enorm profitiert.

Dieser Epoche droht nun das Aus. Der Wüterich aus dem Weißen Haus wird die Zollkeule gegen alle ungeliebten Konkurrenten kräftig schwingen. Die WTO hat ihn sogar dazu ermuntert, einen Zusatzzoll von 10 % gegen Airbus-Flugzeuge zu verhängen – als Ausgleich für unrechtmäßige Subventionen aus der EU-Kasse; möglich wären gar Zollsätze bis zu 100 %, doch will die US-Regierung diesen Rahmen nicht vollständig ausschöpfen. Denn die EU hat auch ein WTO-Verfahren gegen den US-Flugzeugbauer Boeing gewonnen und kann im nächsten Jahr ebenfalls Strafzölle auf Boeing-Lieferungen aus den USA erheben. Trumps Handelsbeauftragter Robert Lighthizer signalisierte deshalb Verhandlungsbereitschaft, um einen europäisch-amerikanischen Handelskrieg um Flugzeuge zu verhindern. Ob Trump letztlich einem Friedenskompromiss zustimmen wird, steht jedoch in den Sternen.

Wütender Toll-Präsident

Vielmehr will Mr. Toll-President vom 18. Oktober an nochmals richtig in die Vollen gehen. Das Weiße Haus hat inzwischen eine lange Liste von Waren vorgelegt, auf die ein Strafzoll von 25 % erhoben wird. Das breite EU-Warensortiment, das von den Trump-Strafen betroffen sein wird, reicht von Wein und Käse aus Frankreich über Bekleidung aus Großbritannien, Parmesan und Obst aus Italien bis hin zu Werkzeugen, Messern, Äxten, Röstkaffee und Kameralinsen aus Deutschland. Für die Amerikaner wird das alles in Zukunft teurer. Ihre Freude über diese America first-Aktion dürfte sich also in sehr engen Grenzen halten. Die europäischen Exportfirmen werden mit den höheren Preisen für die verschiedenen zollbelasteten Produkte manche Verluste auf dem amerikanischen Markt erleiden. Einiges davon könnten sie dadurch auffangen, dass der US-Dollar gegenüber dem Euro seit 2018 aufgewertet hat. Im April vergangenen Jahres kostete 1 Euro noch rund 1,23 US-$, inzwischen nur noch 1,10 US$; das entspricht einer Abwertung des Euros um rund 1o % und einer entsprechenden Verbilligung der europäischen Lieferungen in die USA.

Wohlstandsverluste für „America first“

Präsident Donald Trump führt einen gefährlichen Handelskrieg gegen den Rest der Welt. Der von ihm verursachte Flurschaden wird sehr groß sein – im eigenen Land und in den Staaten, aus denen die Produkte in die USA bislang geliefert wurden. Die Weltwirtschaft schwächelt derzeit bereits kräftig, der Welthandel wird vielfach die immer höheren Zollmauern nur noch schwer oder zum Teil gar nicht mehr überwinden können. Mit seiner America-first-Politik wird der Mann im Weißen Haus zwar die Protektionisten im eigenen Land begeistern können, aber im globalen Handel keine ersten Plätze erreichen. Denn er mag nicht erkennen, dass die Konkurrenten aus der Welt wettbewerbsfähiger sind und seine Landsleute in den USA davon profitieren. So reißt Trump die bisher für alle Beteiligten günstige Ordnung der multilateralen Wirtschaftsbeziehungen ein. Er bläst mit vollen Backen zum Sturm und wird schnell vor Trümmern seiner unorthodoxen Politik stehen. Ob das die Mehrheit seiner Landsleute begreifen und weniger Wohlstand als den besten Deal ihres Präsidenten wahrnehmen, wird sich wohl erst bei der Wahl im November 2020 zeigen. Einen „hübschen Sieg“ – so frohlockte Trump – wird die Welt auf keinen Fall erleben.

 

Bildquelle: Pixabay, Bild von Gerd Altmann (geralt), Pixabay  License

 

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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