Fußball und Geld - Symbolbild
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Super League: Spiele um das goldene Kalb

Keine andere Sportart fasziniert so viele Fans und Zuschauer wie der Fußball. In den letzten Jahrzehnten ist das Spiel mit dem runden Leder in den Profiligen der Welt mehr und mehr kommerzialisiert worden. Investmentgesellschaften, Holdings, arabische Prinzen, russische Oligarchen und andere Milliardäre kauften sich bei den Clubs in England, Spanien und anderswo ein. Wie spezielle Zirkuspferde wurden begabte Kicker akquiriert; die Transfersummen erreichten mit 100 Mio. € und mehr pro Spieler schwindelerregende Höhen. Fernsehsender wie Sky oder Dazn erwarben die Übertragungsrechte und zahlten dafür immer höhere Summen. Besonders wertvoll waren bislang insbesondere die Spiele in der Champions League. Bayern München erhielt etwa im vergangenen Jahr für den Gewinn in diesem Wettbewerb rund 130 Mio. €. Insgesamt zahlte die UEFA etwa 2,5 Mrd. € an die Clubs in den europäischen Wettbewerben aus. Viel, sehr viel Geld ist im Spiel. Doch offenbar ist das immer noch nicht genug. Deshalb wollen 12 europäische Fußballvereine jetzt die Super League gründen, die die bisherige Champions League vom Sommer 2022 an beenden soll.

Vergeblicher Lockruf an deutsche Vereine?

Neben englischen Vereinen sollen spanische und italienische Clubs in diesem neuen Wettbewerb spielen. Noch wollen sich der FC Bayern München und Borussia Dortmund nicht locken lassen, auch nicht Paris Saint Germain. Und das obwohl schon während der anfänglichen Verpflichtungsperiode der Vereine 10 Mrd. € ins Schaufenster gestellt werden. Dazu sollen weitere 3,5 Mrd. € für die 15 Gründungsmitglieder kommen, die insbesondere für die Infrastruktur und die Überwindung der Pandemie-Verluste gedacht sind. Als Großinvestor dieser Super League tritt die Investmentbank JP Morgan aus den USA auf. Sie will die Finanzierung über 23 Jahre garantieren und dafür einen Zins von 2 bis 3 % berechnen; als Sicherheit sollen die künftigen Übertragungsrechte eingebracht werden.

Aus Deutschland weht ein scharfer Gegenwind. Der Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL) befürchtet einen irreparablen Schaden für die nationalen Ligen, wenn mit dieser Super League die wirtschaftlichen Interessen einiger Top-Clubs aus Italien, England und Spanien erfüllt würden. Der BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke lehnt für die Borussia aus Dortmund das neue Milliarden-Projekt ebenso ab wie sein Kollege Karl-Heinz Rummenigge aus München; dieser verkündete, alle sportlichen und juristischen Mittel auszuschöpfen, um die Super-Liga zu stoppen. Die UEFA drohte gar mit der Verbannung der Spieler, die bei den beteiligten Vereinen unter Vertrag stehen, von der Europa-Meisterschaft in diesem Sommer und mit der Disqualifizierung der Clubs bei der laufenden Champions League. Mit der FIFA sucht die UEFA den Schulterschluss, um den Super League-Aspiranten zu untersagen, an anderen europäischen und internationalen Wettbewerben teilzunehmen. Klagen und Prozesse werden bereits vorbereitet, denn die Medienrechte sind weitgehend bereits vermarktet worden.

Keine Rücksicht auf die Fans

Was jetzt mit dem Plan für die Super League angezettelt wurde, ist als Spiel um viele Milliarden für die großen Vereine mehr als verlockend. Rücksicht auf die Mitglieder und Fans spielt dabei die geringste Rolle. Vielmehr siegt auch hier die Gier, auf dem lukrativen Markt Europas und der Welt große Kasse zu machen. Möglicherweise können auch noch Vereine aus Lateinamerika und arabischen Gefilden in diese Liga aufgenommen werden. Ob die deutschen Clubs ihren Widerstand auf Dauer aufrecht erhalten, bleibt zu hoffen, ist jedoch ungewiss. Die Fußball-Spiele vor leeren Rängen in den Stadien haben sie nun fast ein Jahr lang eingeübt. Die Großen haben diese Zeit finanziell einigermaßen überstehen können, denn die Einnahmen aus dem Verkauf der Eintrittskarten machen ohnehin nur 25 bis 30 % der gesamten Erträge aus. Medienrechte, Werbung, Sponsoring und Merchandising sind deshalb viel einträglicher. Das Fußballspiel droht zum Tanz um das goldene Kalb zu werden, zum Kampf um immer mehr Millionen und Milliarden. Manche treue Anhänger dieses Sports werden sich mit Grausen und Wut von diesem kapitalen Spiel abwenden. Auf der Strecke könnten die kleineren Vereine aller Ligen bleiben.

Vor einer Bauchlandung der Super League?

Keine zwei Tage nach der Verkündung der Pläne für die Super-Liga wurde der Rückzug der ersten Clubs gemeldet. Der Proteststurm der Fans gegen die englischen Vereine Manchester City und FC Chelsea, sowie gegen den spanischen Club Atletico Madrid zeigte durchschlagende Wirkung. Es wurde dort zum Rückzug aus dem Milliarden-Projekt geblasen. Selbst beim hochverschuldeten FC Barcelona sind die Funktionäre ins Grübeln geraten, während der Geschäftsführer von Manchester United, der jüngst noch zu den Treibern der Super League zählte, bereits seine Position aufgegeben hat.

Vieles deutet darauf hin, dass die gierigen Tänzer um das goldene Kalb eine krachende Bauchlandung erleiden müssen. Sie haben bei ihrer Traumtänzerei nicht an die Fans der Vereine gedacht, sondern einzig und allein auf riesige Geldsäcke gesetzt. Vom echten Fußballsport wäre bei einer Realisierung der Super League ohnehin nicht mehr viel übrig geblieben; vielmehr wäre sie zu Zirkusdarbietungen auf dem grünen Rasen degeneriert, bei denen die Spieler durch die Manege traben sollten. Es ist gut, dass die deutschen Vereine und auch die Spitze des Deutschen Fußballbundes (DFB) sich auf solche verrückten Verlockungen gleich gar nicht eingelassen haben. Inzwischen gibt einer nach dem anderen Anführer der Supergierigen das Projekt auf. Der Präsident von Juventus Turin Andrea Agnelli zeigt sich nach wie vor zwar „überzeugt von der Schönheit der Super League“, doch musste er gerade zugeben, „das dieses Projekt nicht mehr läuft“. Das ist in der Tat eine Beerdigung 3. Klasse: Die Leiche trägt die Kerzen selber!

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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