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Unter Verdacht

Im rheinischen sagt man, wenn jemand nahezu bewundernswert, auf seine Weise ein Unikat und auf eine gewisse Weise widerständig ist, der ist ein patenter Mensch.  Auf den kann man sich verlassen. Dr. Eva Maria Prohacek ist eine patente Frau. In der Rolle der Prohacek steckt Senta Berger, 78 (sie macht aus ihrem Alter kein Geheimnis – hat sie auch nicht nötig). Die Prohacek war am Samstagabend  ein letztes Mal  als Kriminalrätin im öffentlich- Rechtlichen zu sehen. In der 30. Folge der Serie „Unter Verdacht“.  Der Streifen mit einer Länge von 105 Minuten trägt den Titel „Evas letzter Gang“, für diesen letzten Titel und die letzte Ausgabe der Serie trägt Andreas Herzog die Verantwortung.

Meine Frau und ich, wir gehören zur Fangemeinde, wir stehen, wir geben es gerne zu, in diesem Sinn „Unter Verdacht“.  Warum wir diese Serie so mochten und mögen?

Weil die Prohacek, pardon Berger, mit ihrer Verletzlichkeit, ihrer Widerständigkeit, mit ihrem  bravourösen Eintreten für Gesetz und Menschlichkeit einmalig ist. Die Kriminalrätin des Referats für innere Ermittlung, die sich zusammen mit ihrem Mitarbeiter Andre Langner alias Rudolf Krause damit beschäftigte, die Polizei der Stadt im Gesetz zu halten, die ließ nie die Fäuste  fliegen, sie trug auch ihre Pistole nicht an der Hüfte oder unter der Achsel, gut sichtbar und mit der inhärenten Warnung: Pass ja auf. Sie war zuständig für Amtsvergehen. Der Hamburger Tatort-Polizist Tschiller („off duty“) hätte im Arbeitsbereich der Prohacek  keinen Fall überstanden, sondern wäre flugs auf der Straße oder im Knast gelandet. Mit ihrer Dienstauffassung kommt sie dem Berliner Tatort-Kommissar Franz Markowitz, gespielt von Günter Lamprecht nahe. Lamprecht war zwischen 1991 und 1995 acht Mal als Markowitz zu sehen. Nach der achten Ausgabe war Schluss, weil dem Markowitz mehr Gewalt abverlangt wurde, als Lamprecht zu liefern bereit war.

In der „Unter Verdacht“-Serie sind´s die Kleinigkeiten, auf die Mensch achten muss. Treffen sich Prohaceks Widersacher, der Kommissariats-Leiter Dr. Claus Reiter und der Staatssekretär und der sagt zu Reiter: „Du..ee…“, dann weiß der Mensch vor dem Bildschirm: Danach wird es dreckig. Der leutselig- sarkastische Drecksack Reiter wird fabelhaft von Gerd Anthoff dargestellt.

Viele Ausgaben der „Unter Verdacht“- Serie drehen sich um Kumpanei und Immobilien, um den Schmutz in einem Teil der Gesellschaft, zu dem die Krankenschwester oder der Busfahrer keinen Draht hat; ein Teil, der freilich „seine „Drähte“ zu nutzen weiß. Ich schätze: Zu Zeiten von F.J.S. und seinen Saubermännern  wäre Eva Maria Prohacek nicht ins Fernsehen gekommen. Amtsvergehen sind fast immer mit Schande verbunden, weil der oder die Täter das fundamental notwendige Vertrauen in die Bindung der Staatsorgane an Gesetze beschädigen. In den meisten Tatorten spielt dies fast keine Rolle. Aber eben in Prohaceks Geschichten.    Ich bedanke mich bei Senta Berger, Rudolf Krause und Gerd Anthoff sowie den übrigen aus der Serie für manche Stunde guter Unterhaltung und lehrreiche Dialoge. Was im letzten „Gang der Eva“ geschah, verrat ich übrigens nicht. Guckt´s Euch in der „Konserve“ an.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Alexander Antropov. Pixabay License

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Klaus Vater
Über  

Redakteur 1972 und bis 89 in wechselnden Redakteursaufgaben. 90 bis 99 wiss. Mitarbeiter der SPD-Bundestagsfraktion, Büroleiter Dreßler, 2000 Sprecher Bundesarbeitsministerium, dann des Bundesgesundheitsministeriums, stellv. Regierungssprecher; heute: Publizist, Krimiautor, Lese-Pate.


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