Weinflaschen

Wasser und Wein – ein neues Konfliktthema? Zum Wasserbedarf von Weinbau in Zeiten des Klimawandels

1. Problemstellung

Wenn Sie heute ein Gläschen guten Weins trinken, ist Ihnen dann bewusst, wieviel Wasser für die Produktion dieses Genussmittels benötigt wurde?

Abb. 1 beantwortet vereinfacht diese Frage. Danach werden für die Herstellung eines Achtele Weins durchschnittlich 109 l Wasser verbraucht. Dieses wird nicht zur Verwässerung des Weins, sondern für den Anbau der Weinreben und ihre Weiterverarbeitung verwendet.

                                      

Abb. 1: Wasserbedarf für 1 Glas Wein  

Wie ist diese Wassermenge im Vergleich zu anderen Nahrungs- und Genussmitteln einzuordnen? Gibt es regionale Unterschiede?

Und – last but not least – gibt es schon heute oder in naher Zukunft Weinregionen mit Konfliktpotenzial im Hinblick auf das verfügbare Wasser? Diese Fragen sollen im Folgenden anhand vom Weinbau in zwei repräsentativen Ländern erörtert werden.

2. Aktuelle Situation des Wasserbedarfs im Weinbau

2.1 Weinbau in Europa am Beispiel von Deutschland

(Der Weinbau in den großen Weinbaunationen Südeuropas (Frankreich, Italien, Spanien) ist nicht Thema dieses Textes).

Der Weinbau im mitteleuropäischen Raum ist unter den dortigen humiden Klimabedingungen mit relativ gleichmäßig über die sommerliche Vegetationsperiode verteilten Niederschlägen und mit geringeren Verdunstungsraten weniger trockenstressgefährdet als die mediterranen Weinbauregionen. Weinbau wird daher traditionell ohne Rebenbewässerung betrieben (Heßdörfer 2014) und ist erst seit 2003 rechtlich erlaubt. Die auch in den mitteleuropäischen Weinbauregionen in den letzten Jahren  beobachtete Erhöhung der Lufttemperatur um bis zu +2,2 °C sowie Verminderung  des Niederschlags während der Vegetationsperiode und dem daraus resultierenden Trend zu mehr Zeiträumen mit Niederschlagsdefizit (z.B. Dürreperiode im Trockenjahr 2018 mit einem Niederschlagsdefizit von -33 % in Sachsen (Köstner, 2021)  führten schon in der aktuellen Situation zu einem Anstieg von Wassermangelsituationen im Weinbau. Abb. 2 zeigt dies eindrucksvoll mit einem Foto von Trauben aus dem Sommer 2018 . 

Abb. 2: Trockenschäden im Weinbau (aus: Heßdörfer 2019), Foto mit freundlicher Genehmigung der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau u. Gartenbau Veitshöchheim)

Diese Entwicklung dürfte sich durch den Klimawandel in Zukunft verstärken. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hat schon im Jahr 2007 eine Reihe von rebenspezifischen Kenngrößen für 2050 vorhergesagt (Wodinski, M. et al. 2007).  So sollen sich der Austrieb um 5-10 Tage, die Blüte um 10 Tage und die Weinlese um 5-10 Tage verfrühen; es soll zusätzlich 18 Sommertage mehr geben verbunden mit einem Anstieg von heißen und trockenen Perioden im Sommer. Durch den früheren Austrieb soll die Frostgefährdung steigen.

Aktuell wird Rebenbewässerung im deutschen Weinbau nur als Zusatzbewässerung, d.h. zeitlich und räumlich begrenzt, eingesetzt. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die für den flächendeckenden Einsatz von wassersparender Tropfbewässerung erforderliche aufwendige Infrastruktur für die Zuführung des Bewässerungswassers nach Aussage von Prof. Stoll vom Institut f. allg. u. ökolog. Weinbau Geisenheim in Deutschland meist noch nicht vorhanden und außerdem sehr kostenintensiv ist.

Daher ist der Wasserverbrauch durch Rebenbewässerung in Deutschland heute noch als gering einzustufen und steht bis auf wenige regionale Ausnahmen (wie z.B. in der Pfalz) noch nicht in Konkurrenz zu anderen Wassernutzungen (dort bewässerter Gemüseanbau).

In Deutschland besteht also kein Wasserkonflikt durch den Weinbau wie es auch der Wasserfußabdruck des deutschen Weins (s. Kap. 3.2.3) belegt. Im Rahmen des Klimawandels kann sich dies jedoch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ändern.

Gilt das Gleiche auch für den Weinbau in den Trockengebieten der Erde?

Dies soll im Folgenden am Beispiel von Südamerika und hier insbesondere von  Argentinien erörtert werden.

2.2 Weinbau in Südamerika am Beispiel von Argentinien

Bei meinen Reisen mit Wasserexperten durch die Trockengebiete von Chile und Argentinien hatte ich persönlich immer wieder Gelegenheit Weine aus regionalem Anbau zu genießen. Insbesondere die Rotweine der Rebsorte Malbec bestachen durch eine herausragende Qualität, was mit Sicherheit auf das günstige subtropische Klima mit viel Sonnenschein und hohen Tagestemperaturen und niedrigen Nachttemperaturen zurückzuführen ist. Bei den Bereisungen fielen die riesigen Weinplantagen auf, auf denen die Weinreben so angebaut werden wie wir es aus den europäischen Weinbaugebieten kennen (vgl. Abb. 3)

Abb. 3: Tropfbewässerung von Reben in der Provinz Jujuy in Argentinien in einer Höhe von 2.200 m ü. NN (Foto: Marlise Morgenschweis 2010)

Bei genauerem Hinsehen fiel jedoch auf, dass die Weinreben bewässert werden. Bei Gesprächen mit Weinkundlern und Önologen vor Ort wurde klargestellt, dass Weinbau in den argentinischen Trockengebieten ohne Bewässerung nicht möglich ist, da neben den hohen Tagestemperaturen die geringen natürlichen Niederschläge im Wesentlichen im Winter und nicht in der sommerlichen Vegetationszeit fallen, dass daher die Weinbauregionen, die sich in Argentinien von Norden in der Provinz Salta bis nach Süden in der Provinz Chubut  erstrecken, sich alle am Fuße der Anden aufreihen, weil dort das Schmelzwasser der Andengletscher genutzten werden kann.

Bei der in Argentinien großflächig angewandten Rebenbewässerungstechnik wird heute noch vorwiegend traditionelle Furchenbewässerung eingesetzt, die kostengünstig zu installieren ist, jedoch eine der Methoden mit dem höchsten Wasserverbrauch darstellt. Bei Neuinstallation von Rebenanlagen kommt erfreulicherweise die wassersparende Tropfbewässerung  wie in Abb. 3 zunehmend zum Einsatz. Erwähnenswert ist, dass in Argentinien Weinbau bis in  Höhen von 2.500 m ü.NN. erfolgreich betrieben wird.

Bei der riesigen räumlichen Ausdehnung des Weinbaus in Argentinien (… km²) und einer jährlichen Weinproduktion von … hl  ist der Wasserbedarf verständlicherweise riesig und die Wasserbeschaffung für die Rebenbewässerung steht heute schon häufig in Konkurrenz zu anderen Wassernutzungen wie für die Landwirtschaft oder den Abbau von Bodenschätzen (Gold, Silber, Lithium u.a.). Verschärft wird dies durch den Klimawandel , der zu einem deutlichen Abschmelzen der Andengletscher geführt hat (lt. Europ. Geologenvereinigung Rückgang um 43 % im Zeitraum 1986 – 2014).

Erst in den 1990iger Jahren wurde mit dem Export hochwertiger Weine insbesondere nach Westeuropa begonnen. Heute exportiert Argentinien 68.000 hl pro Jahr nach Deutschland. Und mit dem Export kommt das Problem des „virtuellen Wassers“ und des daraus abgeleiteten „Wasserfußabdrucks“,  ins Spiel. Beides soll im Folgenden erörtert werden.

3. Virtuelles Wasser und Wasserfußabdruck des Weinbaus

3.1 Definitionen

Der Begriff „virtuelles Wasser“ (verstecktes Wasser) gibt an, wieviel Wasser für die Erzeugung eines Produkts insgesamt aufgewendet wurde, also diesem Produkt innewohnt. Es wird eine umfassende Bilanz der gesamten Wassermenge, die bei der Produktion eines Gutes eingesetzt wird, erstellt.  Dabei wird jeder einzelne Schritt in der Herstellungskette berücksichtigt.

Für alle gängigen Produkte können Angaben zum virtuellen Wassergehalt unter www.waterfootprint.org und für ausgewählte Produkte unter www.virtuelles-wasser.de Stichwort „Produktgalerie“ eingesehen werden, in Report 47 Appendix II auch für Wein. Danach benötigt die Produktion von  einem Glas Wein mit 125 ml Inhalt 109 l virtuelles Wasser. Abb. 1 in Kap. 1  verdeutlicht dies. Im Vergleich zu einer Tasse Kaffee (7 g. gerösteter Kaffee), für die 130 l ausgewiesen wird, ist dies erstaunlich viel.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass beim virtuellen Wasser über die reine Wassermengenangabe hinaus zwischen grünem, blauem und grauem Wasser unterschieden wird.

Das grüne virtuelle Wasser ist der Anteil des Niederschlags, der über die Bodenfeuchte von den Pflanzen aufgenommen, zum Wachstum verwendet und verbraucht wird. Bei Weinreben sind dies im globalen Durchschnitt 70 % des virtuellen Wassers. Im deutschen Weinbau sind dies nach Angaben von Prof. M. Stoll vom Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau in Geisenheim  2 bis 3  l Wasser pro kg Trauben.

Das blaue virtuelle Wasser beschreibt die aus Flüssen, Seen und dem Grundwasser entnommene und für die Produktion eines Gutes genutzte Wassermenge. Beim Weinbau handelt es sich um das zur Bewässerung verwendete Wasser, das von den Reben über den Boden aufgenommen wird. Im globalen Durchschnitt sind dies laut Waterfootprint-Network 16 % des virtuellen Wassers.

Graues virtuelles Wasser dagegen bezieht sich auf die Wasserqualität. Es ist die Wassermenge, die bei der Herstellung eines Produkts direkt verschmutzt wird und so für eine weitere Nutzung nicht mehr unmittelbar zur Verfügung steht. Im Weinbau  können dies Dünge- und Pflanzenschutzmittel oder Reinigungsmittel für die Weinfässer sein, die z.T. in Oberflächengewässer und Grundwasser gelangen und diese belasten (mehr Details s. Morgenschweis 2014, Teil 1).

Um möglichen Wasserstress beim Anbau eines Produktes, hier des Weins, beurteilen zu können, wird insbesondere das Verhältnis zwischen grünem und blauem virtuellen Wasser herangezogen. (s. Kap. 3.3).

Aufbauend auf dem Konzept des virtuellen Wassers wurde das weitergehende Konzept des Wasserfußabdruck (water footprint) als „Indikator, der den direkten und indirekten Wasserverbrauch eines Konsumenten und Produzenten aufzeigt“, definiert (Hoekstra 2003).  Der Wasserfußabdruck eines Einzelnen oder einer Gemeinschaft (z.B. eines Landes) wird somit als das gesamte Wasservolumen definiert, welches diese als Konsument von Gütern und Dienstleistungen oder ein Betrieb zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen im In- und Ausland verbraucht.  

Das indirekte Wasser setzt sich aus dem internen und externen  Wasserfußabdruck zusammen. Beim internen Wasserfußabdruck handelt es sich um Wassermengen, die bei der Produktion von Gütern und deren Nutzung im eigenen Land verbraucht werden, wie z.B. Konsum von in Deutschland produziertem Wein. Der externe Wasserfußabdruck umfasst Wasser, das in einem fremden Land zur Herstellung von Gütern genutzt wurde, die „mit“ den Gütern in ein anderes  Land exportiert und dort konsumiert wurden, z. B. der Konsum von aus Argentinien importiertem Weins in Deutschland (mehr Details zum Wasserfußabdruck s. Morgenschweis 2014 Teil 1). Damit beinhaltet das Konzept des Wasserfußabdrucks im Gegensatz zum virtuellen Wasser auch eine regionale Komponente, die es ermöglicht, abzuschätzen, wo ein bestimmtes Land über den internationalen Handel seinen externen Wasserfußabdruck hinterlässt und welche Folgen dies für die Wasserressourcen des Export- bzw. Importlandes hat. Genau dies soll Thema des folgenden Kapitels sein.

3.2 Virtuelles Wasser und Wasserfußabdruck durch Weinimport

Für eine regionale Differenzierung, d. h. die Angabe des Wasserfußabdrucks  einzelner Länder sowie die darin enthaltenen grünen, blauen und grauen Wasseranteile steht als Datengrundlage die umfassende Untersuchung und Publikation von Mekonnen u. Hoekstra (2010) zur Verfügung. Ihre Berechnungen sind standardisiert, basieren jedoch auf der leider schon etwas „veralteten“ Jahresreihe von 1995-2005. Diese Daten werden im Folgenden für eine 1. Abschätzung genutzt. Ihre mehr qualitativen Aussagen werden in einem 2. Schritt auf der Basis aktuellerer Informationen aus verschiedenen Quellen modifiziert.

3.2.1 Weinimport nach Deutschland

Wie schon bei der Definition von virtuellem Wasser und Wasserfußabdruck im vorhergehenden Kapitel angemerkt, handelt es sich beim Wasser, das regional beim Anbau von Weinreben in deutschen Weinbergen und beim Ausbau des Weins in den Weinkellern verwendet wird, um grünes virtuelles Wasser, da hierbei aufgrund des hohen  Niederschlagsaufkommens und seiner günstigen  Verteilung  in Deutschland keine Bewässerung zum Einsatz kommt. Lt. Statistischem Bundesamt (destatis 2021) wurden so 2020 in Deutschland 8,4 Mio. hl Wein erzeugt. Da der Weinkonsum im gleichen Jahr bei 10,4 Mio. hl lag, musste die Differenz (auch der exportierte deutsche  Wein musste gedeckt werden) mit Weinimporten ausgefüllt werden.

Bei Weinen, die aus Trockengebieten, wie z. B.  Argentinien, nach Deutschland importiert werden, handelt es sich dagegen in einem hohen Maße um blaues virtuelles Wasser, da Weinbau dort ausschließlich mit Bewässerung möglich ist.

Nun wurden lt. Statistischem Bundesamt 2020 insgesamt 1,52 Mrd. hl Wein nach Deutschland importiert, was den SPIEGEL zu der Schlagzeile animierte: “Beim Weinimport ist Deutschland Weltmeister“(Spiegel 2021) Wie die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) mitteilte, war Deutschland in der Tat der mengenmäßig größte Weinimporteur der Welt (OIV 2021).

3.2.2 Herkunftsländer der deutschen Weinimporte

Die mit Abstand wichtigsten Länder, aus denen Wein nach Deutschland importiert wird, waren 2019 lt. statista (www. statista.com/statistik/daten  ) die 3 südeuropäischen Nachbarländer Italien, Spanien und Frankreich mit insgesamt  11,3 Mio. hl ( in der Reihenfolge der Importmenge). Bei südamerikanischen Weinbauländern dominiert Chile mit einem Weinimport nach Deutschland von 456.000 hl, gefolgt in  weitem Abstand von Argentinien, dem Beispielland dieser Studie, mit 68.000 hl. Im Gegensatz zu Chile, das eine längere Tradition im Weinexport hat, kommt Argentinien damit aktuell nicht unter die 12 größten Weinexportländer der Welt.

3.2.3 Wasserfußabdruck von Wein

Die im Folgenden angegebenen Wasserfußabdruckwerte wurden dem oben erwähnten Waterfootprint-Network entnommen. Dieses basiert auf Mekonnen u. Hoekstra (2010)  und enthält im App. II unter dem Codename „grape vine“ u.a. länderweise die grünen, blauen und grauen Wasserfußabdrücke von Wein (www.waterfootprint.org/productgallery abgerufen am 11.6.21). Die den Daten zugrundeliegende Berechnungsweise ist inzwischen standardisiert. 

Als globalen Mittelwert des WFA für Wein werden dort  870  l Wasser für die Erzeugung von 1 l Wein angegeben. Dies entspricht 109 l Wasser für ein Glas Wein von 125 ml (1 „Achtel“) wie in Abb. 1 plakativ dargestellt.

Dieser Wasserfußabdruck setzt sich aus 70% grünem, 16% blauem und 14% grauem Wasser zusammen, d.h. weltweit wird Wein zum überwiegenden Teil mit naturgegebenem Niederschlag und nur zu einem relativ geringen Teil mit Bewässerung (blauem Wasser) angebaut.

Für Deutschland wird ein Wasserfußabdruck von 354  l angegeben, was weniger als die Hälfte des in Abb. 1 dargestellten globalen Mittelwertes ist. Dieser moderate Wasserfußabdruck ist darin begründet, dass der deutsche Weinbau aufgrund der humiden Klimabedingungen – zumindest in der zugrundeliegenden Zeitreihe – gänzlich ohne Bewässerung auskommt, d.h. der blaue Wasseranteil beträgt 0.

Für das Vergleichsland Argentinien ist ein Wasserfußabdruck von 531 l angegeben. Er setzt sich zusammen aus 198 l grünem und 287 l blauem Wasser. Der hohe Anteil an blauem Wasser wird durch die wegen des ariden Klimas erforderliche Bewässerung verursacht. Er macht in der für den argentinischen Weinbau „alten“ Zeitreihe von 1996-2005 schon 54% des gesamten Wasserfußabdrucks aus und dürfte in der Zwischenzeit durch erhöhten Weinexport und  damit verbundene Ausweitung der Bewässerungswirtschaft in den trockenen  Weinregionen weiter angestiegen sein.

Bei einer Weinexportmenge von Argentinien nach Deutschland (2019: 68.000 hl, s. Kap. 3.2.2) ergibt dies eine Gesamtmenge an virtuellem Wasser von 59 Mio. hl. pro Jahr. Dies ist für das relativ trockene Argentinien ein nicht unwesentliches Wasservolumen, dessen Fehlen in einigen Regionen zu Wasserkonflikten führt und die eine große Herausforderung für die heutige und zukünftige Wasserbewirtschaftung darstellt.            

4. Lösungsvorschläge zur Konfliktbewältigung

In den vorhergehenden Kapiteln konnte gezeigt werden, dass die Weinproduktion in Argentinien wegen des hohen Anteils an Bewässerung mit einem hohen Wasserfußabdruck belastet ist und dass  die Rebenbewässerung mit ihrem hohen Wasserbedarf in Konkurrenz zu anderen Nutzungen steht und so in Argentinien für ein Konfliktthema verantwortlich ist. Wenn dieser Wein z.B. nach Deutschland importiert wird, wird das bei seiner Produktion verwendete Wasser mitexportiert. Dies bedeutet, dass ein deutscher Kunde, der einen solchen Wein kauft und trinkt im Prinzip mitverantwortlich für den Wasserkonflikt im Erzeugerland ist. Daher beinhalten die im Folgenden aufgeführten Lösungsideen zum einen technische Verbesserungen, die den Wasserbedarf vor Ort reduzieren sollen und zum anderen Vorschläge wie der Verbraucher durch sein Verhalten ebenfalls zur Reduktion des Wasserbedarfs im Herkunftsland persönlich beitragen kann.     

4.1 Wassersparender Rebenanbau

Im Rahmen von aktuellen Untersuchungen zum Einfluss des Klimawandels auf den Weinbau haben Prof. M. Stoll und Mitarbeiter vom Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau an der Hochschule Geisenheim (Stoll et al. 2020, Hofmann et al. 2021) u.a. Vorschläge für die Anpassung des Rebenanbaus an klimatische Veränderungen und hier insbesondere an Trockenstress, gemacht. Hier einige Beispiele mit Wasserspareffekt.

a) Die Höhe und Gestaltung der Laubwand verändert das Blatt-Fruchtverhältnis und kann wassersparend sein. Denn je weniger Blätter am Rebstock hängen, desto geringer ist der Wasserbedarf. Bei einer Laubwandhöhe von 80 cm war bei Feldversuchen der Traubenertrag optimal und es wurde gegenüber der traditionellen Höhe von 110 cm ca. 10 % Wasser eingespart.

b) Mulchen oder Begrünung der Weinbergböden stabilisiert die    Bodenoberfläche, bildet Humus, hält Nährstoffe zurück, aktiviert das Wurzelwachstum sowie das Bodenleben und mindert insbes. in Hanglagen das Erosionsrisiko. Da es das winterliche Regenerieren des Bodenwasserspeichers verbessert, kann dadurch Wasserzugabe für die Pflanzenwasserversorgung in der sommerlichen Vegetationsphase eingespart werden.

c) Erfahrungen in der Weinbaupraxis in Chile haben gezeigt, dass die     Erziehungsform der Reben in Trockengebieten großen Einfluss auf den Wasserbedarf hat. So entwickeln die Reben bei der Erziehungsform „Open canopy“ unterstützt durch Rankhilfen ein natürliches Blätterdach. Dadurch wird gegenüber dem in Europa bevorzugten „Vertikaldrahtrahmensystem“ die Verdunstungsrate reduziert und die Rebe benötigt einen geringeren Wasserbedarf.

d) Züchtung neuer Unterlagen für neue Reben mit guter Trockentoleranz, um den durch die veränderte saisonale Verteilung der Niederschläge vom Sommer in den Winter verursachten Trockenstress tolerierbar zu machen. Dies könnte eine erhebliche Wasserersparnis bringen und im günstigsten Fall eine Zusatzbewässerung überflüssig machen.

4.2  Wassersparende Bewässerungsmethoden

Wenn Bewässerung zur Sicherung bzw. Ermöglichung der Rebenkultivierung heute oder- infolge des Klimawandels – in naher Zukunft notwendig ist, dann sollten die beim zeitgemäßen Weinbau eingesetzten Bewässerungssysteme nach Heßdörfer u. Schwab (2012) möglichst schonend mit der sich verknappenden Ressource Wasser umgehen. Dazu gehört

a) eine exakte Steuerung der Rebenbewässerung: Die Bewässerungsbedürfigkeit wird dazu über das messtechnische Erfassen des fühmorgendlichen Wasserpotentials der Rebe ermittelt. Dies hat sich nach   Schultz u. Steinberg (2002) im humiden deutschen Weinbau am besten bewährt. 

b) die Verwendung wassersparender Methoden der Rebenbewässerung: Hier ist eindeutig die Tropfbewässerung zu nennen. Kombiniert mit spezifischen Bewässerungssystemen wie Deficit Irrigation oder Partial Root-zone Drying stellt sie die heute effektivste Technik dar.

c) die Einhaltung von Bewässerungsschwellenwerten für eine qualitätsfördernde Zusatzbewässerung. Hierzu wird mit Hilfe der o.a.    Methode des Wasserpotenzials das vegetative und generative Wachstum      optimiert. So kann nicht  nur Wasser eingespart sondern auch raubenfäule verhindert werden.

d) die Wahl des richtigen Bewässerungszeitraums: Diesist für ein erfolgreiches Bewässerungs-Management wichtig. So hat z.B. eine gute Wasserversorgung der Beeren nach der Blüte direkten Einfluss auf das Traubengewicht (nach Heßdörfer 2014).

4.3 Wassersparen durch verändertes Verbraucherverhalten

Wie in Kap. 3 erläutert ist der Import von Wein aus einem Land, in dem der Wein mit intensiver Bewässerung erzeugt wird, wie z.B. in Argentinien, mit einem hohen Wasserfußabdruck verbunden. Der internationale Weinhandel richtet sich jedoch nicht nach der Wassersituation in den Exportländern, sondern vorwiegend nach den Regeln des Wettbewerbs. Die Akzeptanz von Weinen, die z.B. aus Ländern wie Argentinien und Chile stammen, hat in den letzten 20 Jahren in ganz Europa zugenommen und damit auch der Weinexport aus diesen Ländern. Am Beispiel des Wasserfußabdrucks des Weins aus Argentinien wird klar, welchen direkten Einfluss das Konsumverhalten deutscher Konsumenten auf die Wasserressourcen und die Wassernutzung in anderen Ländern hat (Kleine-Hering, Mayka 2021).

Der verantwortungsbewusste und ökologisch orientierte Verbraucher kann  jedoch auch ganz persönlich die Höhe des importierten blauen Wassers reduzieren durch

a) Kauf regionaler Weine: Da der Wasserfußabdruck des deutschen Weins um mehr als die Hälfte niedriger als aus Argentinien importierter ist, macht der Kauf regionaler Weine durchaus Sinn. Wenn Wein aus den benachbarten südeuropäischen Ländern ausgewählt wird, dann sollte man sich für die Länder mit dem geringsten blauen Wasserfußabdruck entscheiden.

b) Die  Reduktion des persönlichen Weinkonsums ist die am direktesten     wirksame Methode des wassersparenden Konsumverhaltens. Bei übermäßigem Weinkonsum könnte dies auch positive Effekte haben, zur Orientierung: der durchschnittliche Weinkonsum aller Deutschen lag 2020 bei 20,8 l pro Jahr.

c) Der gezielte Kauf von wassersparend erzeugten Weinen. Zur Erleichterung der Kaufentscheidung wäre eine entsprechende Zertifizierung oder Kennzeichnung  der Weine analog zum Bio-Siegel o.ä. hilfreich.

Schlussbemerkung: Als Weinliebhaber möchte ich dem Leser mitnichten den Genuss eines „guten Tropfen“ vermiesen, sondern ihn lediglich zu einem verantwortungsbewussten Verbraucherverhalten animieren!

Quellen:      

Heßdörfer, D.: Bewässerungsmanagement von Reben – worauf ist zu achten. Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Sachgebiet Weinbau u. Qualitätsmanagement, 2014, 5 S.

Heßdörfer, D.: Weinbau in Zeiten des Klimawandels. Vortrag auf dem LWG- Bewässerungsworkshop   am 27.3.2019(www.lwg.bayern.de/weinbau/rebe)

Hoekstra, A.Y. (ed): Virtual water trade: Proc. of the International Expert Meeting on Virtual Water Trade, 12-13 Dec. 2002, UNESCO-IHE, Delft, Value of Water Research Report Series No. 12, 2003.

Hoekstra, A.Y., Chapagain, A.K. Aldaya, M.M. & M.M. Mekonnen: The Water Footprint Assessment Manual. Earthscan London, 2011.

Hofmann, M.,Huebener, H. & Stoll, M.: Was macht der Klimawandel mit unserem Wetter? Eine weinbauliche Auslese. In M. Stoll, & H. R. Schultz (Eds.), Deutsches Weinbaujahrbuch, Vol. 72: Stuttgart: Ulmer Verlag (in print).

Kleine-Hering, M.: Der bewusste Umgang mit virtuellem Wasser im Weinhandel – Schwierigkeiten und Lösungswege. Essay im Rahmen „Nachhaltige Landnutzung im Klimawandel“, Universität Freiburg 2021.

Mekonnen, M.M. & A.Y. Hoekstra: The green, blue and grey water footprint of crops and derived crop products. UNESCO-IHE, Delft, Value of Water Research Report Series No. 47, 2010.

Mekonnen, M.M. & A.Y. Hoekstra: National footprint accounts: the green, blue and grey water footprint of production and consumption. UNESCO-IHE, Delft, Value of Water Research Report Series No. 50, 2011.

Morgenschweis, G.: Virtuelles Wasser – Zum virtuellen Wasser und Wasserfußabdruck. Blog der Republik Berlin, Düsseldorf 4.12.2014, 9 S. (www.blog-der-republik.de/virtuelles-wasser-ein-realistisches-konzept).

Schultz, H.R. & Steinberg, B.: Wasserhaushalt der Rebe und Möglichkeiten der Tropfbewässerung, Teil 2. Das Deutsche Weinmagazin 26, 2002, S. 16-21.

Stoll, M., Stoeber, V., Blank, M.,, Hoffmann,M., Gabautz, B., Scheidweiler, M. & Tittmann, S.: Ein gutes Blatt in der Hand – Laubwandgestaltung: Zeitpunkt, Intensität und Position machen den Unterschied. Der Deutsche Weinbau 11, 2020, S. 20-22.Wodinski, M. , Badeck, F-W. & Gestengarbe, F.W.: Climate change scenarios for 2050  in German viticulture areas. PIK Report 2007.

Bildquelle Titelbild: Pixabay, stux, Pixabay License

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Gerd Morgenschweis

Der Klima- und Wasserexperte steuerte über zwei Jahrzehnte das Talsperrensystem des Ruhrverbands. Heute lehrt Morgenschweis als Professor Wasserwirtschaft an der Universität Wuppertal.


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