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Wie wäre es mit einem Dank an Athen?  

Uwe-Karsten Heye Von Uwe-Karsten Heye
28. Januar 2015
Wie wäre es mit einem Dank an Athen?   

Die Akropolis: Schutz- und Zwingburg der Stadt. Aber auch Zugleich ein Sinnbild für eine wehrhafte Demokratie.

Mit einigem Schaudern lese ich gegenwärtig Zeitung. Eine schreibt zu Griechenland wie die andere, als ob eine Gleichschaltung verordnet wäre. Medial haben der Grieche und die Griechin sich also verwählt. Zugleich wird mitgeteilt, dass am strengen Sparkurs, den die Troika aus EU-Kommission,  Europäischer Zentralbank (EZB), Internationaler Währungsfonds (IWF) den Griechen verordnet hat, sich selbstverständlich nichts ändern könne.

Um als aufmerksamer Hörer, Seher oder Leser zu erfahren, welche Wirkung denn damit verbunden sei, muss man schon auf die kabarettistischen Sendungen in der ARD oder im ZDF warten. „Heute Show“ oder „die Anstalt“ haben den sogenannten Nachrichtensendungen längst den Rang abgelaufen und teilen unverblümt mit, was in den Nachrichten zumeist unterschlagen wird,  wie die Lage am Peloponnes ist,  wie  der  Schwitzkasten wirkt, in  den die Troika Griechenland  genommen hat: fast eine Millionen Langzeitarbeitslose, bei einer Arbeitslosenrate von 27 Prozent. Arbeitslosenunterstützung reicht dabei gerade noch  für 200 000 Menschen. Über ein Drittel der Bevölkerung ist vom öffentlichen Gesundheitssystem ausgeschlossen, weil sie die Krankenversicherung nicht bezahlen können.

Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 60 Prozent und die Rentenkürzungen führen die Alten an die Mülleimer, wo sie nach Essbarem suchen. Tafeln, an denen eine warme Mahlzeit kostenlos verabreicht wird, ist für viele die einzige Unterbrechung des Tages. Das Gesundheitssystem ist zusammen gebrochen, die Kindersterblichkeit um 50 Prozent gestiegen. Die Selbstmordrate unter Jugendlichen und Alten schießt durch die Decke. Wo sonst ist davon zu hören: Kabarettisten übernehmen die Aufklärung. Gelacht wird über die Einfallslosigkeit und soziale Kälte, die aus den Statements der Berliner Politikgranden hörbar ist. Da bleibt das Lachen im Hals stecken, aber man weiß eben, woran man ist.

Ja klar wird über griechische Reeder, Multimillionäre und ihre Konten in der Schweiz lamentiert, ohne dass an deren Abwesenheit im Steuersäckel Griechenlands sich irgendetwas geändert hätte. Klar sind Milliarden für die Bankenrettung ökonomisch unausweichlich, ohne dass in den Bankenpalästen so etwas wie Verantwortungsethik buchstabiert würde. Treffliche Themen für das politische Kabarett. In den Abendnachrichten, mit Dauerschaltungen zu den Korrespondenten in Athen, Brüssel oder Berlin ging es aber nicht darum, ein Wahlergebnis zu verstehen, das eine knappe Mehrheit links von der Mitte ergab.

Dennoch wollen 70 Prozent der Griechen im Euroraum bleiben, obwohl sie auch dort die (Mit)schuldigen an ihrer Krise vermuten. Nicht ganz falsch, wenn man bedenkt, dass die Bundesregierung Waffenlieferungen an Griechenland kreditiert, die den griechischen Schuldenberg steigen lassen. Panzer, U-Boote, Fregatten und deutsche Waffenhändler, die diesen Handel mit Schmiergeldern in Gang halten. Die Aufregung darüber hielt sich in Deutschland in engen Grenzen.

Da können wir froh sein, dass auch  griechische Medien nicht allzu vertieft die Frage stellen, wer an der griechischen Tragödie die Hauptschuld trägt. Dass ihre wirtschaftlichen und politischen Eliten dabei wohl eine Hauptrolle beanspruchen können, steht außer Frage. Aber bis zu einem gewissen Grad gehören wohl auch die dazu, die nicht nur in Brüssel dabei zusahen. Dennoch kann Europa durchatmen. Anders als in Frankreich, wo nicht ausgeschlossen wird, dass der neofaschistische Front Nationale sich demnächst als Wahlsieger feiern lassen könnte, wählten die Griechen „links“ und ließen die „Goldene Morgenröte“ rechts liegen.  Das zeugt dann doch auch von politischer Reife, von der nicht sicher zu sagen wäre, dass sie auch bei uns in gleicher Situation zu erwarten wäre. Also wenigsten von hier aus, ein Dank an Athen.

 

Bildquelle: Wikipedia, A.Savin CC BY-SA 3.0

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Tags: Alexis TsiprasAthenEUGriechenlandParlamentswahlSYRIZA
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