Wolfgang Clement

WOLFGANG CLEMENT IST TOT

Bis zuletzt hatte er gehofft und gegen seine schwere Erkrankung angekämpft. Doch seine Kräfte ließen immer stärker nach, sein Lebenswille blieb – bis zum 27. September, als er zu Hause verstarb.

Superminister für Wachstum und Arbeit

Wolfgang Clement, der „Kumpel“ aus Bochum, war einer der letzten großen Sozialdemokraten. Er diente mit großem Engagement Willy Brandt ebenso wie Johannes Rau, dessen Nachfolger er im Amte des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen wurde. 2002 folgte er dem Ruf von Bundeskanzler Gerhard Schröder nach Berlin. In der rot-grünen Koalitionsregierung übernahm er das schwierigste Amt. Wolfgang Clement musste die Agenda 2010 umsetzen. Er tat dies mit Leidenschaft, denn es ging dabei um wichtige Impulse für einen wirtschaftlichen Aufschwung und für den Abbau der hohen Arbeitslosigkeit. Die dafür notwendige bittere Medizin brachte große Erfolge, einen deutlichen Aufschwung und insbesondere einige hunderttausend neue Arbeitsplätze.

Attacken von vielen Genossen

Das Clement-Prinzip des „Forderns und Förderns“ fand bei zahlreichen Genossen nicht Beifall, sondern Ablehnung. Aus den Reihen der SPD gab es heftige Angriffe bis hin zur Einleitung eines Parteiordnungsverfahrens. Die meisten erkannten nicht die positiven Wirkungen, die Wolfgang Clement mit den zahlreichen Reformmaßnahmen der Agenda 2010 ausgelöst hatte. In großen Teilen der SPD wurde dagegen Front gemacht, obwohl die Partei die großen Erfolge für sich hätte reklamieren können. Angela Merkel, die 2005 Gerhard Schröder im Kanzleramt nachfolgte, profitierte lange Zeit von der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik des Ministers Clement.

Sein Ziel: Arbeit und Wohlstand für alle

Der profilierte und engagierte Politiker aus dem Ruhrgebiet, Wolfgang Clement, gab schließlich den Kampf mit seiner eigenen Partei auf. Es fiel dem „geborenen Sozialdemokraten“ schwer, sein Parteibuch abzugeben. Denn er war ein Politiker, der sein Leben lang kämpferisch für unsere Demokratie eintrat und das Ziel „Arbeit und Wohlstand für alle“ anstrebte. Geradezu beispielhaft hat er dies nicht zuletzt beim schwierigen Ausstieg aus der Steinkohleförderung in den Revieren an Ruhr und Saar hinbekommen. Denn Wolfgang Clement sorgte dafür, dass kein Kumpel ins Bergfreie fallen sollte. Er fühlte sich der Katholischen Soziallehre und der protestantischen Ethik verpflichtet, war ein großer Nachfolger von Ludwig Erhard und Karl Schiller, entwickelte die Soziale Marktwirtschaft weiter in unsere veränderte Welt hinein.

Wolfgang Clement, der im Juli diesen Jahres 80 Jahre alt wurde, hat sich um unser Land verdient gemacht. Er war nicht nur der Superpolitiker, er beteiligte sich an vielen – auch kleineren, aber wichtigen – sozialen Projekten. Er wollte den Menschen dienen, wo auch immer er dies konnte. Alle, die ihn kannten und vor allem seine Freunde, trauern mit seiner Frau Karin, seiner Familie mit seinen fünf Töchtern und seinen zahlreichen Enkeln.

Ich verliere mit Wolfgang Clement einen meiner wichtigsten Ratgeber und intellektuellen Sparringspartner sowie vor allem einen meiner besten Freunde.

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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