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Ach, Sandra … mal wieder eine völlig verunglückte Talkshow

 

Wer Jutta Ditfurth, diese arrogante irgendwie links irrlichternde Krawallnudel, und den christdemokratischen Dauer-Empörer und Allround-Unterhalter Wolfgang Bosbach in ein und dieselbe Fernseh-Talkrunde holt, der will gar nicht intelligent talken, sondern billigen Krawall. Der setzt ganz bewusst auf die Dummheit der Zuschauer und unterstellt ihnen, dass sie gar nicht mitdenken, sondern nur voyeristisch genießen wollen, wenn gepöbelt, beleidigt, unterbrochen und abgebrochen wird.

Was Sandra Maischberger und der verantwortliche Westdeutsche Rundfunk (WDR) am Mittwochabend in der Talkshow zu den Hamburger G-20-Krawallen boten, war vielerlei: Veruntreuung von Gebührengeldern, Beleidigung intelligenter Zuschauer, Sucht nach Quote, simple Effekthascherei, aber nur ganz hin und wieder eine Diskussion, bei der es lohnte zuzuhören und mitzudenken. Erzähle von den Verantwortlichen niemand, sie oder er hätte nicht gewusst, dass mit Bosbach und Ditfurth in einer Runde nichts Ernstzunehmendes hinzukriegen ist. Erzähle niemand, der Maischberger-Talk sei eigentlich darauf angelegt gewesen, ernsthaft und ehrlich miteinander zu diskutieren. Denn da war ja noch dieser CDU- und Polizeihardliner Joachim Lenders in die Runde gebeten worden, damit der Jutta Ditfurth an Provokationsfraß vorwerfen konnte, was Bosbach vielleicht nicht allein geschafft hätte.

Der kluge, besonnene und differenzierte Politiker Jan van Aken von der Linken und der deftig aber auch sehr überzeugend argumentierende Uli Jörges vom Stern konnten die Chose nicht retten. Sollten sie vielleicht auch gar nicht, denn die Polit-Blödelei hatte ja noch ihren Höhepunkt vor sich. Nach mehrfachen Vorwarnungen stand Wolfgang Bosbach wutentbrannt auf – hurra, hurra, welch Spektakel ! – und verließ das Studio. Und dann gleich der nächste Kracher zum Brüllen, Staunen oder Fremdschämen: Frau Maischberger verlangte allen Ernstes, nun müsse auch Jutta Ditfurth abgehen – wegen der Parität. Die verweigerte sich ganz einfach, blieb stur sitzen und durfte dafür – vielleicht das erste und einzige Mal an diesem Abend – Sympathiepunkte sammeln. Denn sie hatte bis dahin doch nichts anderes getan als die ihr zugedachte Rolle zu spielen: Als arrogant grimassierende Dauer-Provokateurin. Oder warum sonst, liebe Frau Maischberger, hatten Sie Jutta Ditfurth eingeladen ?

Diese Talk- oder richtiger Krawallrunde bekräftigt, was ein kluger Kritiker den Öffentlich-Rechtlichen schon früher ins Stammbuch geschrieben hatte: „Weniger Talkshows wären mehr“.

Bildquelle: Medienfabrik, CC BY-SA 4.0

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Christoph Lütgert

Christoph Lütgert war Rundfunk-Korrespondent beim NDR, hat für Panorama gearbeitet und war später Chefreporter Fernsehen beim Norddeutschen Rundfunk. Lütgert wurde wegen seiner sozialkritischen Reportagen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.


'Ach, Sandra … mal wieder eine völlig verunglückte Talkshow' hat 2 Kommentare

  1. 14. Juli 2017 @ 15:06 Anne Dempsey

    Dem ist wohl nichts hinzuzufügen!
    Wieso spricht eigentlich niemand von den Beleidigungen dieses Herrn Lenders (zu J. Ditfurth: „Was Sie da machen ist einfach nur dummes Gesabbel! ganz dummes Gesabbel!“). Ditfurth reagiert hierauf und dann verläßt Bosbach die Sendung?? Mir kam das alles gleich recht aufgesetzt und gespielt vor. Die ganze Sendung unerträglich. Wie sich einige Menschen doch als Erzieher der anderen aufspielen wollen, was man im Gesicht an Mimik zeigen darf und was nicht, bestimmt immer noch jeder selbst!
    Die Selbstgerechtigkeit und und Ungerechtigkeit von Bosbach, Lenders und Jörges war unerträglich!!

    Ist mal jemandem aufgefallen, daß Frau Barley auch in der Sendung war? hahahaha

    Schafft dieses Sende-Format bitte ab, es ist wirklich Volksverdummung!

    A. Dempsey
    Wuppertal

    Antworten

  2. 14. Juli 2017 @ 17:03 Kurt Mueller

    Schön, daß es mal wieder einer sagt – und dazu noch jemand aus der Branche.

    Aber neu ist an Ihrer Feststellung, Herr Lütgert, nun wirklich nix mehr. Seit Jahren leistet die ARD mit dem Dauergesabbel zur Hauptsendezeit den Offenbarungseid. Bisheriger Höhepunkt war ja die Verpflichtung des Journalistendarstellers Jauch, der das kritische Nachfragen wohl schon beim Bayerischen Rundfunk verlernt hat.

    Minister bringen ohne rotzuwerden ihre Claqueure und Jubelperser mit, Dreiviertel der Gäste sind dieselben Gesichter – im Falle von Frau Ditfurth hat man den Eindruck, die lebt von den Auftritten…

    Man muß tatsächlich hoffen, daß das aktuelle AfD-Geplärre – die Herrschaften fühlen sich in den Sendungen unterrepräsentiert – dazu führt, daß man bei der ARD den Quasselschaus endlich den Stecker zieht.

    Wie ich die „Kreativität“ der Verantwortlichen einschätze, wird uns das mehr Quiz- und Kochsendungen bescheren…

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