Klappentext

„ Damit wir tun, was wir für richtig halten.“ Ein Plädoyer für „Ökoroutine“ in Buchform

Mal ist der Begriff „Routine“  negativ gemeint, im Sinne von achtlos und bedenkenlos; oder eben verstanden als bewährt automatisches Tun. Wenn in dem neuen Buch des Sozialwissenschaftlers Michael Kopatz von „Ökoroutine“ die hoffnungsfrohe Rede ist, geht es darum, dass wir, die „Endverbraucher“ zukünftig sogar unsere humanistische Verantwortung routiniert Tag für Tag in die gute Tat umsetzen k ö n n t e n – ein heroischer, dennoch realistischer Konjunktiv –  denn nur dann kann ein demokratischer Transformationsprozess auch an der so genannten gesellschaftlichen Basis real beginnen. Der Wissenschaftler vom berühmten „Wuppertal  Institut“ plädiert für eine sinnlich bewusste Aufbruchsstimmung, eine, an der wir alle uns konkret beteiligen können.

„Mülltrennung, Sparlampen, Effizienzhäuser – alles längst akzeptiert oder in Reichweite. Was wir zur Durchsetzung einer gelebten Nachhaltigkeit brauchen, ist eine Politik, die neue, innovative Standards und Limits durchsetzt: Wenn Geräte weniger oft kaputtgehen, die Tierhaltung artgerechter wird oder bedenkliche Zusatzstoffe aus Lebensmitteln verschwinden – welcher Verbraucher würde sich darüber beschweren?“ Es geht also nicht ums folgenlos larmoyante Reden über den irrsinnigen Beschleunigungswahn, welches wir ja alle ziemlich gut drauf haben, zumal es oft achselzuckend gerne im Ungefähren  bleibt. Sondern es geht in diesem Buch mit einem Vorwort von Harald Welzer um das lustvoll eigensinnige Handeln, das Umsetzen von Erkenntnis in die Praxis.

Weniger Kaufen, weniger Hektik – stattdessen mehr Spiel-Räume, mehr Gemächlichkeit. Besonders im Wissen um alle möglichen manipulativen Tricks, wie große Konzerne ihre vermeintlich alternativlosen „Angebots – Drogen“ Gewinn bringend unters Volk bringen, sollten wir, die klugen Kunden uns konsequent in einer neu zu entdeckenden „Ökoroutine“ entsprechend unserer Einsicht auch ganz praktisch verhalten. Michael Kopatz legt Wert auf „Ressourcengerechtigkeit“, also „wenn nur solche Betriebe ihre Produktion ausweiten würden, die keine klimaschädlichen Emissionen produzieren.“ Insofern haben alle Käufer es in der Hand, zu entscheiden und entsprechend zu wählen, was sie sich anschaffen, was sie wirklich brauchen, und was eben nicht.

Um eine „Transformation zur Nachhaltigkeit“ bei möglichst vielen Verbrauchern zu erreichen, muss – und kann – sich der „Umgang mit Umwelt-und Gesundheitsrisiken“ dringend ändern, so viel ist ja schon – und  NICHT  in unserem Namen – zerstört worden. Dass der wissenschaftliche Autor in keiner Weise als sozialromantischer Traumtänzer mit bloß unverbindlich moralischen Appellen daherkommt, wird vor allem in seiner wirtschaftswissenschaftlichen Expertise deutlich, denn die fatale Eigendynamik des globalen Kapitalismus ist als Hintergrund klar begriffen:  „Die Gewinnerwartungen der Anleger zwingen Unternehmen zum Wachstum.“ Dennoch weist Michael Kopatz darauf hin, dass inzwischen mittelständische, jedoch auch zunehmend industrielle Hersteller sich vom notorischen Turbo -Wettbewerb um jeden Preis verabschieden mögen, denn auch ihnen dämmert allmählich, dass die eigentlich irrationale Fixierung auf bloße „Stückzahlen“ sich verheerend  auf unser aller Lebensqualität übel auswirkt:  „Damit vervielfacht sich die Belastung mit Schadstoffen und Lärm.“  Und von der seelischen Überforderung der Beschleunigung nicht zu schweigen. Je konkreter die KonsumentInnen also ihren eigensinnigen Kopf einschalten und wachbleiben und sich ganz „ökoroutiniert“   v o r  jedem Kauf-Akt ein gemütliches Zögern erlauben, desto wohltuender gehen sie mit sich selbst, den Mitmenschen und der schon arg geschändeten Umwelt um.

Michael Kopatz,
Ökoroutine.  Damit wir tun, was wir für richtig halten  oekom verlag 24.95 €

Bildquelle: oekom verlag

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Marianne Bäumler

Die Theater-, Film- und Literaturkritikerin schreibt für diverse Zeitungen und arbeitet für den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Sie promovierte über Erich Kästner, lehrte an der Universität Marburg, arbeitete als Dramaturgin und machte Dokumentarfilme für den WDR und andere ARD-Sender.


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