Bildquelle: Winfried Sixel / pixelio.de
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Der Maschinenbauer

Jetzt ist es endlich in der Zeitgeistwolke für jedermann angekommen, was die Wissenschaft und wissenschaftlich orientiertes Denken längst wissen: Das menschliche Wesen ist eine biologisch chemisch-physikalische Maschine, die durch organisch-chemische Prozesse und den physikalischen Gesetzen zu Leben kommt und durch diese Prozesse am Leben gehalten wird. Bewusstsein, Gefühle, Handlungen, kognitives Verhalten, resultiert aus diesen Prozessen. Wir verdanken unsere Existenz den schweren Elementen, die durch den Tod massereicher Sterne (Supernoven), – also durch deren Explodieren- entstanden sind. Die inneren Elemente dieser Sterne wurden ins All geschleudert und so konnten unsere Sonne, der Planet Erde und das Leben darauf entstehen. Körperzellen zum Beispiel bestehen aus diesen schweren Teilchen.

Obwohl der Mensch durch Evolution eine sehr lange Probezeit auf dieser Erde hinter sich hat, ist er immer noch ziemlich fehlbar, sein Körper anfällig, er ist widersprüchlich, größtenteils ist sein Denkapparat simpel und dumm. Für Illusionsträumereien wie Freiheit gibt es keinen Beweis in der Realität, beim Homo sapiens handelt es sich um ein höchst fehlerhaftes System. Einziger Lichtblick: Der Mensch zeichnet sich durch eine ganz besondere Fähigkeit aus: Er ist ein großartiger Maschinenbauer. Er als biologische Maschine oder biologisch Gefangener seiner Zeit, versteht die Maschine außerhalb seiner Selbst, die heute bereits weitaus besser und verlässlicher funktioniert, als sein ungenaues und launisches Gehirn.

Kontrollverlust und Fremdbestimmung

Wenn ich einen A380 besteige, dann bereiten mir eher die Piloten Angst, als dieses Wunderwerk der technischen Baukunst. Auch Autounfälle werden meist durch die Fahrer, als durch das Auto verursacht. Bei einer Operation misstraue ich nicht den medizinisch- hochentwickelten Geräten, sondern dem Operateur und seiner Mannschaft. Der Mensch sollte endlich lernen sich dort unterzuordnen, wo die Maschinen einfach besser sind als er. Und der Mensch fühlt sich schnell entmündigt, wenn es zum Beispiel um mehr Technik im Verkehr geht. Unsere Autos könnten längst autonom fahren, aber der Mensch möchte die Dinge unter Kontrolle haben. Kontrollverlust und Fremdbestimmung sind die angesagten Alpträume. Dabei gibt es längst Kameras, die an den Augen erkennen, ob der Fahrer müde wird.

Computer, Flugzeuge, medizinische Geräte oder Roboter entstehen, weil der Mensch mit seinen Artgenossen ein weltumspannendes soziales Netzwerk bildet. Wenn er bereit ist, Informationen zu teilen, entfaltet sich die menschliche Denkkraft zu ihrer Größe. Dazu kommt, dass sich der Mensch permanent in seinen Zeitgenossen spiegelt, er tauscht sich aus, korrigiert sich, rivalisiert, bekämpft und beneidet sich. Aus dieser mannigfaltigen Spannung und Kommunikation (ohne Anziehung mit gleichzeitiger Abstoßung funktioniert nichts- weder in der Physik noch in der Chemie) entsteht eine Art menschliches Supergehirn, ähnlich dem eines Ameisenstaates. Mit diesem Gehirn bekommt er sich selbst zwar nicht in den Griff, da seit Tausenden von Jahren sein Gehirn ein unberechenbar-widersprüchliches Universum darstellt. Er ist ein Tier mit Bewusstsein. Auf sich allein gestellt, kann der Mensch nicht überleben.

Evolution des Menschen

Da nun die Evolution des Menschen immer viel langsamer ist als die Evolution seiner Erfindungen, werden seine Maschinen den größten Teil seiner Mängel ausgleichen. Ständig stolpert das menschliche Wesen über Trägheit und Gewohnheit, die Unfähigkeit, jenseits der bequemen Kategorien zu denken, in denen er sein Leben eingerichtet hat. Gier, Denkfaulheit, Bequemlichkeit und die Enge seiner Weltbilder geben ihm den Rest.

Zurück zur Maschine: Ich bin ein gutes Beispiel für die Fusionierung zwischen Maschine und Mensch. Seit einiger Zeit kontrolliert ein intelligenter Computer in meinem Körper mein Herz weitaus verlässlicher, als es mein biologisches Herz kann. Seit der Computer in meinem Innern arbeitet, gibt es keine Ohnmacht oder keinen Herzstillstand mehr. Auch kein Vorhofflimmern. Titanhüften lassen mich bestens Laufen, meine Niere habe ich von meiner Frau und die synthetische Biologie liefert mir ein seit meiner Geburt fehlendes Enzym. Als Cyborg fühle ich mich besser denn je. Ohne unsere wundersamen Maschinen wäre ich längst wieder aus dem Leben, dieser kurzen Zeitspanne zwischen zwei Ewigkeiten.

Kein Kampf gegen Maschinen

Also keinen Kampf gegen die Maschinen. Nutzt die Maschinen zur Selbstkontrolle, zur Selbstoptimierung, um eure eigene Körper-Maschine gut zu pflegen und eure Chemie in gesundem Ausgleich zu halten. Der Schrittzähler sagt euch: Mehr bewegen. Die Blutzuckermessung sagt euch: Hört auf soviel Süßes und Ungesundes in euch hineinzustopfen. Eure Blutwerte rufen euch zu: Stopp mit schlechter Ernährung und der Fettbelastung eurer Körper, esst endlich gesünder und disziplinierter. Denn das Gesundheitssystem wird auch von den bequemen, und immer mehr fettleibigen Kunden in die Knie gezwungen.

Verursachen wir weniger Krankheitskosten und stoppen wir das Virus der Unwissenheit. Das Mittelalter sollte nun endlich vorbei sein. Und warum sollen wir nicht wissen, was in unseren Körpern vor sich geht?!! Und was spricht dagegen, sich das Wissen zu beschaffen, das unseren Körpern gut tut! Wer die Spielregeln seiner Natur verstehen will, der sollte auch die Analyse ihrer kleinsten Elemente und Mineralien verstehen. Nur unsere Maschinen können uns da helfen. Die neuen Computertechnologien sind die momentane Spitze des menschlichen Fortschritts. Sie sind die Fortsetzung der Evolution mit anderen Mitteln. Sie sind das Beste was wir haben! Es wird in naher Zukunft immer mehr um das Zusammenwachsen von Mensch und Maschine gehen. Ohne sie wäre der Homo sapiens längst ausgestorben.

Bildquelle: Winfried Sixel  / pixelio.de

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Gerald Uhlig-Romero

Gerald Uhlig-Romero, Künstler, Autor, Unternehmer hat mit seinen Kunstwerken Formate geschaffen, die im öffentlichen Diskurs Erfahrungshorizonte erweitern und Impulse geben. Für diese Formate hat er geeignete Bühnen geschaffen und eine eigene Marke kreiert: Das bekannte Berliner Café Einstein Unter den Linden, mit dazugehöriger Galerie und Salon. Es ist ein „begehbares Kunstwerk“, ein Treffpunkt für Wirtschaft, Politik, Medien und Kultur. In der Galerie im Einstein haben internationale Künstler wie Helmut Newton, Wim Wenders, Dennis Hopper oder Oscar-Preisträger Joel Grey ausgestellt. Der gebürtige Heidelberger hat als Regisseur und Schauspieler an zahlreichen deutschsprachigen Theatern gearbeitet, u. a. an der Freien Volksbühne Berlin. Er hat 50 Bühnenstücke verfasst.


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