• Über uns
  • Freund*innenkreis
  • Verein
  • Autor*innen
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Archiviert
  • Contra AfD
Montag, Februar 2, 2026
Blog der Republik
Advertising
  • Alle Beiträge
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft & Medien
  • Kultur
  • Contra AfD – Für Demokratie. Jetzt!
Kein Ergebnis
Alle Ergebnisse anzeigen
  • Alle Beiträge
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft & Medien
  • Kultur
  • Contra AfD – Für Demokratie. Jetzt!
Kein Ergebnis
Alle Ergebnisse anzeigen
Blog der Republik
Kein Ergebnis
Alle Ergebnisse anzeigen
Home Politik

19. Oktober 1992 – Petra Kelly: Tod einer Ikone

Norbert Bicher Von Norbert Bicher
19. Oktober 2022
Petra Kelly

Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht am späten Abend des 19. Oktober 1992 in Bonn. Als die Mordkommission, 43 Minuten nach dem Eingang eines Notrufs um 22.10 Uhr in der Swinemünder Straße im Stadtteil Tannenbusch eintrifft, belagern schon Reporter und Kamerateams das kleine Reihenhaus. Gefunden worden waren zwei Leichen, umgekommen schon Wochen zuvor, ohne dass diese Menschen vermisst worden wären.

Unvorstellbar fast, dass deren Tod, ihre Abwesenheit 19 Tage in der kleinen Bundeshauptstadt unbemerkt geblieben war. Tragödie eines Paars, das ein gutes Jahrzehnt zuvor Friedensbewegung, Anti-Atomkraftbewegung und die Gründung der Grünen geprägt hatten. Petra Kelly (44), Ikone der neuen Bewegung und ihr Lebensgefährte, Ex-Bundeswehrgeneral Gert Bastian (69) lagen tot in ihrer gemeinsamen Wohnung. War den Ermittlern schnell klar, dass offensichtlich kein Dritter beteiligt war, wollten Freunde und Weggfeährten daran nicht glauben, Verschwörungstheorien – vom Mord durch den KGB oder amerikanischer Atomlobbyisten – sollten helfen, sich das Unvorstellbare nicht eingestehen zu müssen: dass es Bastian war, der mit Kopfschüssen aus einer Derringer-Pistole erst das Leben von Kelly und dann das eigene auslöschte.

Zwischen Realos und Fundis

Wie keine andere war Petra Kelly  das Gesicht der Grünen in deren Anfangszeit, „ein Stern am Himmel“ schwärmten ihre Anhänger. Die immer ein wenig zerbrechlich wirkende Deutsch-Amerikanerin prägte den Aufstieg der jungen Partei, war deren erste Vorstandssprecherin und leitete gemeinsam mit Otto Schily die Bundestagsfraktion nach dem Einzug der Grünen 1983 ins Parlament.  Von unbändiger Energie wurde sie weit über die Bundesrepublik hinaus zur Symbolfigur einer neuen Politik. Doch bald schon musste sie erleben, dass dieser angestrebte neue Politikstil in der eigenen Partei immer weniger gelebt, sie selbst zwischen den Flügeln der Realos und Fundis zerrieben wurde und als Relikt der Anfangsjahre an Einfluss und Standing verlor. Sie und Gert Bastian, der ebenfalls 1983 in den Bundestag eingezogen war, wollten sich den Spielregeln der Rotation nicht beugen. Der General, der den NATO-Doppelbeschluss nicht mittragen wollte und 1980  den Dienst in der Bundeswehr aus Protest an den Nagel gehängt und den „Krefelder Appell“ gegen das Wettrüsten initiiert hatte, war in der Gründungsphase der Grünen ein Aushängeschild, aber schon bald in der Partei der Fischers, Ditfurths und Ebermanns zum Anachronismus geworden.

Ein Paar, so bestimmend, so präsent in der Außerparlamentarischen Opposition, das dann in den Usancen des parlamentarischen Betriebs unterging. Wenn Petra Kelly ans Rednerpult des Bundestags trat, wirkte sie oft gehetzt, nervös, der Debattenpolemik nicht gewachsen. Nur wenig war geblieben von der Strahlkraft, mit der sie auf den großen Friedensdemos nicht nur ihre Anhängerinnen  und Anhänger begeistert hatte.

Die parlamentarische Laufbahn Kellys endete 1990 jäh. Die westdeutschen Grünen scheiterten bei der ersten gesamtdeutschen Wahl an der Fünf-Prozent-Klausel. Und parteiintern schaffte die einstige Ikone bei der Delegiertenversammlung 1991 in Oldenburg nicht einmal mehr die Wahl in den Parteivorstand. Das war ein persönliches Desaster, aber auch ein Befund über den Zustand der Grünen. Die Partei hatte sich gehäutet, war von der Antiparteienpartei längst zum Teil des Parteienestablishments geworden. Für hoffnungslose Moralisten wie Kelly oder preußisch orientierte Rechthaber wie Bastian hatte sie kaum noch Platz. Es ging nicht mehr darum, eine Bewegung mit Leben zu füllen,  sondern längst darum, an der Macht teilzuhaben.

Wie aus der Zeit gefallen lief das Paar neben dem Politikbetrieb her, obwohl Kellys Rat weltweit gefragt blieb. Überfordert und erschöpft, wollte sie sich diesem Rat nie verschließen. Ohne Apparat, ohne große Hilfe war sie für viele Menschen ein Kummerkasten, den sie waschkörbeweise mit Bettelbriefen füllten. Oft mangelte es nicht nur an der Kraft, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Es fehlte auch an Geld, um Tausende Mark Porto monatlich für die Antwortbriefe zu bezahlen. Bekannte und Freunde beschrieben ihre Gemütszustände in dieser Zeit als schwankend. Mal euphorisch, mal depressiv, ständig in einem Zustand der Überforderung.

Sie hatte viele Pläne

Was aber war das Motiv dafür, dass Gert Bastian sich und seine Lebensgefährtin erschoss? Auch dreißig Jahre nach der Tat gibt es keine schlüssigen Antworten. Der Mann, der nach Auskunft seines Sohnes, des Arztes Till Bastian, auch als Friedensbewegter häufig eine geladene Pistole bei sich trug, saß unmittelbar vor der Tat an einem Text vor seiner elektrischen Schreibmaschine, den er mitten im Satz unterbrach. Fühlte er sich als Beschützer, der Petra Kelly befreien wollte? War es eine Verzweiflungstat? War es ein gemeinsamer Wunsch der beiden nach Suizid? Das ist schwer zu glauben. Petra Kellys Terminkalender war prall gefüllt. Sie war bis ans Ende des Jahres Verpflichtungen eingegangen, hatte viele Pläne, als eine Kugel sie im Schlaf tötete. Eine endgültige Antwort gibt es nicht. Eine Tragödie?  Otto Schily, der sich vor Jahren in einem Interview mit dem Zeit-Magazin warmherzig über diese „sehr beeindruckende Frau“ geäußert hat, ärgerte sich maßlos, wenn von einer „Tragödie Kelly/Bastian“ geredet wurde. „Es war keine Tragödie, sondern ein Mord, ein kaltblütiger Mord“, sagte der Jurist dem Magazin.

Petra Kelly – war sie schon in den letzten Lebensjahren bei vielen ihrer frühen grünen Mitstreiter aus dem Blick geraten, so war sie nach ihrem Tod schnell vergessen. Abgelegt wie ein „alter Waschlappen“, merkte Marieluise Beck, ihre Parteifreundin aus den Anfangsjahren, bitter an.

Der überarbeitete Text beruht auf einem Artikel aus dem Buch: Schauplatz BRD, Reisen ins Innere der Republik, Norbert Bicher, Dietz-Verlag, Bonn 2019.  

Bildquelle: Von User Urning on de.wikipedia, Gemeinfrei

Print Friendly, PDF & EmailAusdrucken/PDF erstellen:
Teilen Sie diesen Artikel:
Instagram
Vorherigen Post

Zum virtuellen Wasser und Wasserfußabdruck. Teil 1

Nächster Beitrag

Kriminelles Chaos ist keine Folklore – Merkwürdiger Ausdruck der Freude aufs neue Jahr

Nächster Beitrag
Abgebranntes Feuerwerk und Böller

Kriminelles Chaos ist keine Folklore - Merkwürdiger Ausdruck der Freude aufs neue Jahr

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schaut mal hier

  • Justizskandal im Sauerland: Das von Charlotte Merz, Ehefrau von Bundeskanzler Friedrich Merz, geleitete Amtsgericht erließ einen rechtswidrigen Durchsuchungsbeschluss gegen eine junge SPD-Frau 08.09.2025
  • Geschichtsrevisionismus: Basteln an der „zweiten Geburt“ 15.4.2025
  • Leak zu Zwei-Klassen-Struktur beim BSW - Sahras Knechte 22.2.2025
  • Sätze aus dem Wahlprogramm der AfD - und was sie bedeuten 18.2.2025
  • Kulturbegriff der AfD : Aufgeladen mit völkischer Ideologie 5.2.2025
  • Das Spiel der Lobbyisten und Politiker: Erik Ahrens – Ein tiefer Fall innerhalb der rechtsextremen Netzwerke 23.1.2025
  • Petition: Finger weg von unserer Demokratie, Herr Musk 3.1.2025

UNSER NEWSLETTER

Abonnieren Sie unseren Newsletter und werden Sie einer unserer 3.016 Abonnenten.

Prüfen Sie Ihren Posteingang und den Spamordner, um Ihr Abonnement zu bestätigen.

Werbung

[the_ad id="27291"]

Letzte Kommentare

  • Philipp bei Donald allein zuhaus – Voller Mitleid von Gerd Eisenbeiß
  • Fritz Goergen bei Vor und hinter der politischen Kulisse – Ein Nachruf auf Peter Radunski
  • Dr. Marianne Bäumler bei Putins Repression ist totalitär und imperial. „DAS VERSAGEN“ – Eine notwendige Kritik am deutschen Appeasement.
  • Philipp bei Die Europäer reiten geopolitisch ein totes Pferd. Nida-Rümelins Buch „Der Epochenbruch“

UNSER NEWSLETTER

Abonnieren Sie unseren Newsletter und werden Sie einer unserer 3.016 Abonnenten.

Prüfen Sie Ihren Posteingang und den Spamordner, um Ihr Abonnement zu bestätigen.

  • Trending
  • Comments
  • Neueste
Friedensdemo Bonn, Oktober 1981

Grüne und Krieg — Partei-Austritt des Gründungsmitglieds Ulfried Geuter

18. März 2024
Alice Weidel, Elon Musk und Esel, Screenshot Tik Tok

ARD-Wahlarena – Weidels Lügen sind Methode

18. Februar 2025
Screenshots von TikTok_Accounts aufgestachelter Bauern oder AfDlern oder anderen "Empörern"

Aufruf zur Bauerndemo in Berlin, AfD-Anhänger und andere Rechtsextreme mobilisieren.

24. Oktober 2024
Feigenblatt

Alice Weidel: Das lesbische Feigenblatt und das Familienbild der AfD

1. Januar 2025
Friedensdemo Bonn, Oktober 1981

Grüne und Krieg — Partei-Austritt des Gründungsmitglieds Ulfried Geuter

Screenshot ARD-Mediathek zur Sendung von Caren Miosga

Talk bei Miosga: Die Entlarvung der Sahra Wagenknecht

Kriegszerstörungen in der Ukraine

Ukraine: Verantwortungsbewusstes Handeln statt gefährlicher moralischer Überheblichkeit

Mauer in der NS-Ordensburg Vogelsang mit NS-Adler im Mauerwerk

Lasst Höcke regieren!

Rita Süßmuth. Bundestag 2023

Wer nicht kämpft, hat schon verloren – In Gedenken an Rita Süssmuth (1937–2026)

2. Februar 2026
Bodenbild_ Kind streicht AfD-Schriftzug mit Kreide durch

Niemand soll sagen können, er oder sie habe das nicht gewusst …

31. Januar 2026
Wochenmarkt, Zeichnung: Wolfgang Schieffer (Waldmaler.de)   

WOCHENMARKT: Von Hoffnungen in Mainz und von einem „Hauskaplan“ im Sauerland

31. Januar 2026
Chinesischer Drache

Eine unglaubliche, wahre Geschichte – Über die Ein-Kind-Politik, Adoption, Menschenhandel in China

30. Januar 2026

BLOG DER REPUBLIK

Blog der Republik

Kategorien

  • Allgemein
  • Buchbesprechungen
  • Contra AfD – Für Demokratie. Jetzt!
  • Gesellschaft & Medien
  • Kultur
  • Politik
  • Wirtschaft

Kategorien

  • Alle Beiträge
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft & Medien
  • Kultur
  • Standpunkte

Schlagwörter

AfD CDU Demokratie EU Frieden Merz NoAfD Rechtsextremismus Ukraine wehrhafte Demokratie

© 2026 Blog der Republik.

Kein Ergebnis
Alle Ergebnisse anzeigen
  • Alle Beiträge
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft & Medien
  • Kultur
  • Contra AfD – Für Demokratie. Jetzt!

© 2025 Blog der Republik