Eine Schlagzeile des Spiegel aus dem Jahr 1989 könnte Friedrich Merz trösten. „Blamierte Frondeure“ hieß es in dem Hamburger Magazin, als der Versuch, Helmut Kohl als CDU-Vorsitzenden und Kanzler zu stürzen, als Sturm im Wasserglas endete.
Kohl muß weg! Diese Devise hatte der legendäre CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ausgegeben. Der baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth sollte die Führung übernehmen. Zu den Unterstützern des Putsches gehörten die Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht. Als es im Juni auf dem Parteitag in Bremen zum Schwur kommen sollte, hatten sich die Verschwörer in die Büsche geschlagen. Späth trat nicht als Gegenkandidat von Kohl an.
Der hatte den Putschversuch einfach ausgesessen, seinerseits Fakten geschaffen und den Oberfrondeur Geißler als Generalsekretär gefeuert. „Bei den Christdemokraten sind Revoluzzer nicht beliebt“, schrieb der Spiegel, „Revoluzzer ohne Mut und Erfolg ganz und gar nicht.“ Der durchaus umstrittene Kohl ging gestärkt aus dem Sturzversuch hervor. Und Späth, den sie in der Partei „das Cleverle“ nannten, urteilte bitter über seine vermeintlichen Mitstreiter: „Mit denen kann man nicht einmal ein Scheißhäuserl stürmen.“
Ein christdemokratisches Lehrstück, dass Revolutionen in der Partei meist abgesagt sind, bevor sie begonnen haben. Ob Merz wie damals Kohl gestärkt aus der angeblichen Revolte hervorgehen wird, ist nicht ausgemacht. Aber auch die Zukunft des als „Auswechselkanzler“ ins Spiel gebrachten Hendrik Wüst ist ungewiß. Denn auf Dauer verliert sich der Charme, auf der Bank sitzen zu müssen, um im Notfall als „Ersatzkanzler“ eingewechselt zu werden. Schon jetzt muß er sich vom Spiegel die Frage gefallen lassen: „Könnte er Deutschland flottkriegen?“
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Ratgeber-Literatur hat große Konjunktur. Die Buchhandlungen sind voll mit Tipps für eine vernünftige und kluge Lebensführung. In diesen Wochen ist ein politischer Ratgeber hinzugekommen. „Wenn das Denken die Richtung ändert“ lautet der Titel. Und als Unterzeile das Bekenntnis: „Warum wir nicht mehr links sind.“ Kabarettisten wie Dieter Nuhr, Kolumnisten wie der Bild-Schreiber Harald Martenstein, der Ex-Grüne Hubert Kleinert oder die Schriftstellerin Monika Maron erklären den Lesern, warum sie die Seiten gewechselt haben, warum sie sich von ihren jugendlichen Sozialismus-Träumen verabschiedet haben.
Das musste ja mal gesagt werden. Vieles ist aber so klischeehaft, dass das Lesen zum Ärger-Programm wird. Ein Buch, dessen 258 Seiten sich auf den bekannten Spruch reduzieren lassen: „Wer mit zwanzig kein Sozialist war, ist blöd. Wer es mit vierzig immer noch ist, erst recht.“ Wer sich als Noch-Linker ärgern will, dem sei die Lektüre empfohlen.
Bildquelle: Zeichnung vom Niehler Wochenmark: Wolfgang Schieffer (Waldmaler.de)












