In diesem Beitrag geht es mir um die Vermutung, dass Donald Trump, der immer wieder versucht, andere zu erpressen, sich nun selbst in eine Situation manövriert hat, erpressbar zu sein. Das sollte man nutzen!
Es ist sicher nicht originell, das Regime-Dreieck Trump – Netanjahu – Pasdaran in Teheran allseitig unsympathisch zu finden. Man könnte fast klammheimliche Freude spüren, wie sie sich verhaken und verrennen, wenn nicht die Völker Israels, Palästinas, Libanons sowie die total unterdrückten Iraner enormem Leiden ausgesetzt wären.
Die globalen Schäden ihres Handelns liegen sicher bei vielen Toten und Hungernden in allen Ecken der Welt, ruinierten Entwicklungsprozessen und schweren Rückschlägen auf dem geträumten Pfad zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz sowie hunderten von Milliarden Dollar. Das entfesselte Schadenspotential des Trios dürfte zurzeit vergleichbar sein dem aller Narco- und Mafiastrukturen der Welt zusammen.
Das wundert mich die innenpolitische Situation in den USA, die die verfahrene Lage doch in aktuellen Umfragen widerspiegeln müsste. Während die Pasdaran im Iran mit absoluter Brutalität Friedhofsstille durchsetzen können – unabhängig von allen Opfern, die sie ihrer eigenen Bevölkerung zumuten -, hat Trump am 3. November Wahlen zu bestehen, und da staune ich über die Messungen, die ich regelmäßig in „realclearpolitics“ verfolge:
Wenn man nach den Wahlabsichten für das Abgeordnetenhaus fragt („generic vote“, also vom Mehrheitswahlsysten unabhängige Präferenz), haben innerhalb der letzten 12 Monate die Demokraten nur von 45,4% auf 47,9% zugelegt, die Republikaner von 43,3% auf 43,1% abgenommen. Zurzeit liegt der Vorsprung der Demokraten also bei gerade mal 5%, und dieser Abstand hat sich in den letzten Monaten nicht vergrößert. Nach allgemeiner Einschätzung (man denke an die 2,5 Mio. Stimmen, die Hillary Clinton 2018 vor Trump lag) ist dies kein sicherer Vorsprung, um die Mehrheitsverhältnisse im Kongress zu verändern, da das Mehrheitswahlsysten zusammen mit den Wahlkreismanipulationen insbesondere der republikanisch regierten Bundesstaaten den Republikanern einen systematischen Vorteil gibt.
Andererseits dürfte Trump beginnen zu schwitzen, ob ihm die Mehrheiten im Kongress verloren gehen. Denn bei der Ablehnung seiner Amtsführung („job approval“) hat sich innerhalb einen Jahres eine 57 zu 41% Mehrheit ergeben; der „spread“ von 16% zulasten Trumps lag vor 12 Monaten noch bei 4%. Auch er wird bemerken, dass einige Republikaner mit Einfluss auf kritische Distanz gegangen sind, und selbst sein Vize-Präsident gerade ein Buch über sein christliches Gutmenschentum veröffentlicht hat, in dem Trump und seine „Heldentaten“ gar nicht erwähnt werden.
In dieser Situation hat nun das Pasdaranregime Trump an der Gurgel, denn sie können ihrem geknebelten Volk selbst den eigenen Selbstmord noch als Sieg verkaufen!. Nur Trump braucht einen Friedensdeal, der als Sieg verkäuflich ist, andernfalls verliert er noch mehr innenpolitische Unterstützung. So wie man Trump kennt, der sich immer noch als Wahlsieger von 2020 sieht, muss man ab jetzt mit einem um sich schlagenden Präsidenten rechnen, der auch die anstehende Wahl noch mehr manipulieren lassen wird, z.B. durch Verbot der Briefwahl und weitere Schikanen für farbige Wähler.
Trump braucht ab jetzt Verbündete, die seinen „deal“ in den höchsten Tönen als Sieg und Weisheit loben, obwohl er wissen dürfte, dass andere klar sehen, dass er sich verzockt hat und der unbedachte und ungeplante Iran-Krieg auch für die USA ein Desaster war und bleibt. Am Ende wird der Iran zur Atombombe erklären, was er schon Obama und den Europäern vor 10 Jahren versprochen hat, und sie werden viel Geld erhalten für den Wiederaufbau, während die schwer geschädigten arabischen Golfstaaten, die Europäer und Asiaten etc nichts bekommen. Hat nicht eben dieser Präsident gerade erst alle Welt mit Zöllen erpressen wollen, in den USA zu investieren? Und nun sollen die Investoren bitte den Iran aufbauen?
Netanjahu aber, der Trump bereits zu Beginn des Überfalls auf Iran am Nasenring durch den Mittleren Osten gezerrt hat, hat Trump auch im Griff. Er muss nur drohen, jüdische und evangelikale US-Amerikaner gegen Trump mit dem Vorwurf zu mobilisieren, die Sicherheit Israels verraten zu haben; oder er muss ja nur gemeinsam mit seinen Groß-Israel-Ministern weiter im Libanon vorrücken – kampfgeile Hisbollah-Kämpfer wird es genügend geben, um israelische Vergeltung rechtfertigen zu können und Trump als Looser und seinen Deal als Schmierpapier zu entlarven. Vieleicht findet sich dann noch ein Sport-Präsident à la Infantino, der Trump den Friedenspreis der Kick-Boxer verleiht!
Trump, der alle Welt erpressen wollte, ist längst selbst erpressbar geworden. Da wird Trump die Europäer an seiner Seite brauchen, was diese sich teuer bezahlen lassen sollten. So verstehe ich auch das „harmonische“ G7-Treffen von Evian mit dem überraschenden Schulterschluss gegenüber Putin.
Also: Schluss mit Schleimen, jetzt müssen harte selbstbewusste europäische Forderungen auf den Tisch! Keine Angst vor US-Truppenabzug und ähnliche Manöver, sondern Gegendruck auf einen ratlosen US-Präsidenten, dem nicht einmal neue Trump-Hotels in Albanien oder Gaza gelingen.











