Man kann viel über Josef Wirmer bei Wikipedia nachlesen: dass er Rechtsanwalt war, Katholik und Zentrumspolitiker, und dass er ein Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus war.
Es gibt Filmaufnahmen von ihm im Gerichtssaal. Sie bewegen noch heute. Josef Wirmer steht dort, aufrecht, die Hände ruhig auf dem Tisch. Er kennt Gerichte und weiß, wie Verfahren laufen müssten. Der Mann auf der Richterbank schreit. Roland Freisler trägt eine rote Robe. Er beugt sich nach vorn, als wolle er den Angeklagten mit seinen Worten erschlagen. Das ist kein Verfahren, sondern eine Inszenierung. Wirmer spricht leise, aber ohne Zögern. Warm im Blick. Weicht keinen Schritt zurück.
Der eine schreit.
Der andere widerspricht.
In den hinteren Reihen sitzt ein junger Offizier, der als Zuhörer abkommandiert ist. Man sagt, es sei Helmut Schmidt gewesen.
Jeder im Saal weiß, dass das Todesurteil längst feststeht. Wenig später wird Wirmer in Plötzensee gehenkt.
Vielleicht hat ihm die Hoffnung Mut verliehen, dass andere nach ihm kommen werden. Menschen, die wieder Recht sprechen. Menschen, die Verantwortung übernehmen, obwohl Anpassung leichter wäre.
Was sagt uns seine Geschichte heute?
Verantwortung beginnt genau dort: in einem Saal, in dem das Recht abgeschafft werden soll. Sie beginnt dort, wo Menschen zum Schweigen gebracht werden sollen. Dann braucht es jemanden, der widerspricht.
Ruhig vielleicht.
Leise sogar.
Aber hörbar.
Und: Jede Zeit – auch unsere – braucht Menschen, die in ihr aufrecht stehen.
Josef Wirmer hätte uns vermutlich nicht gefragt, welcher Partei wir angehören oder nahestehen. Er hätte gefragt, ob wir bereit sind, die Demokratie zu verteidigen, wenn sie unter Druck gerät.
Diese Frage stellt sich auch heute.
Bildquelle:
Wirmer: Public Domain, via Wikipedia
Stolperstein: OTFW, Berlin, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons












