„Wenn der amerikanische Präsident Sie einlädt, dann nehmen Sie diese Einladung an“. So hat Audi-Chef Gernot Döllner seinen mehr als umstrittenen Auftritt auf einer republikanischen Wahlkampfveranstaltung mit Donald Trump in Perry im US-Staat Georgia begründet. Wirklich, ist das so einfach mitten im Wahlkampf, eine Woche vor den Midterm-Wahlen, die Trump eine empfindliche Niederlage bescheren könnten? Und da passen Geschenke gut ins Geschäft. Also verkündet der US-Präsident, dass Audi In Georgia 4,2 Milliarden Dollar investieren werde. Und Trump bat „Görnot“ auf die Bühne. Peinlich war das, Trump genoss die Szene, seine Fans jubelten. Dem Audi-Chef könnte das noch um die Ohren fliegen. Ein Audi-Werk in den USA, wenn es zeitgleich zu Hause eng wird, Werk-Schließungen drohen, aber genau das will Trump ja erreichen, Europa Industrie schwächen. Schon vergessen, Herr Döllner, dass Herr Trump ein Gegner Deutschlands ist, dass er gegen Europa ist, mit Putin liebäugelt, die EU-Sanktionen gegen Russland unterläuft?
Geschäfte zu machen, auch in den USA, das ist nicht verboten, auch nicht für eine Automobilfirma wie Audi aus dem bayerischen Ingolstadt. Aber wie es Herr Döllner gemacht hat, das ist unappetitlich, ja widerlich. Jedermann auf dieser Welt weiß doch, wie ein Trump Wahlkampf macht, wie er seine Gegner beschimpft, wie er souveräne Staaten als „shitholer countries“ hinstellt, was die Anhänger seiner Maga-Bewegung grölend zur Kenntnis nehmen. Auch in Perry überschritt er manche Grenze, die Döllner wohl gnädig überhörte, das geplante Audi-Werk in diesen für Audi und den VW-Konzern schwierigen Zeiten ist ja eine Hoffnung für die Autobauer, es winken Zollerleichterungen. Gewinne. Soll er da katholischer sein als der Papst?
Es klingt wie Hohn
Dass Trump, der Autokrat, seine zweifelhaften Geschäfte mit dem russischen Kriegstreiber, Präsident Putin macht, dass Trump seine eigene Sicht auf Menschenrechte hat, die mit denen von Demokraten nicht viel gemeinsam haben, dass er für das Recht des Stärkeren eintritt und die Stärke des Rechts ignoriert, ist das alles dem guten Geschäft, das in der Zukunft ab 2030 winkt, zu opfern? Darf einer wie Audi-Chef Döllner einfach Wahlkampf machen für Trump, ihm Hilfe leisten, weil er eine Niederlage befürchtet bei den Wahlen? Gelten für ihn nicht die Compliance-Regeln? In denen von Gerechtigkeit die Rede ist, von Haltung?
Es klingt für mich wie Hohn, wenn ich die Zitate einer Audi-Sprecherin in der SZ nachlese. Das angekündigte Werk sei „eine wirtschaftliche Notwendigkeit“, der Auftritt des Audi-Chefs auf der Wahlkampfveranstaltung sei dafür eine „Bedingung“ gewesen, es seien „hochsensible Verhandlungen“ vorausgegangen, in die nur „sehr wenige Leute“ eingebunden gewesen seien. Am Ende habe Döllner „geschafft, was der Konzern jahrelang versucht“ habe. „Dieser Erfolg bedeutet für das Unternehmen einen Rettungsanker“, im Falle eines Misserfolgs wäre Audi nur der Rückzug aus den USA geblieben- und damit am Ende womöglich das wirtschaftliche Aus. Also hat die Erpressung durch Trump gewirkt, der Döllner quasi gezwungen habe, auf die Bühne zu kommen, sonst könne er das so wichtige Werk vergessen. War es so? Musste Döllner also dem Zuruf Trumps folgen, im anderen Fall hätte er den US-Präsidenten gedemütigt und diesen verärgert, was den Geschäften des Unternehmens geschadet hätte?
Werte außer Kraft gesetzt
Oder hat Trump Döllner als Gegengeschäft für den Bau des milliardenteuren Werks in Georgia Erleichterungen bei den Importzöllen versprochen? Exklusiv nur für Audi, nicht für die deutschen Rivalen Mercedes und BMW, wie die SZ weiter vermutet? Der große Wurf für die Ingolstädter und damit auch für einen wie Döllner, der damit hätte punkten können im großen Mutterkonzern, den er wohl nicht vorab informiert hatte? Viele Spekulationen, mit denen versucht wird, die Handlungsweise des Chefs zu verstehen. Aber geht das, kann man Döllner am Ende das Recht zubilligen, so zu handeln, wie er gehandelt hat und dabei rücksichtslos Werte außer Kraft setzt, die für alle gelten, nicht nur für die anderen, auch für ihn? Im übrigen muss der Aufsichtsrat von VW den Plänen noch zustimmen.
Gernot Döllner ist kein Amateurspieler, er kann für sich weder Nachsicht noch Mitleid in Anspruch nehmen. Er hat Wahlkampfhilfe geleistet „für einen rassistischen und offensichtlich korrupten, Europa attackierenden und Diktatoren hofierenden US-Präsidenten“(Handelsblatt). Der Audi-Chef, kommentiert die angesehene Düsseldorfer Wirtschaftszeitung weiter, „hat damit eine Grenze überschritten. Wenn deutsche CEOs offenbar kein Problem damit haben, einem xenophob und frauenfeindlich auftretenden Trump im Wahlkampf auszuhelfen, was hält sie dann noch davon ab, das Gleiche auch bei der in Teilen rechtsextremen AfD zu tun?“
Der Kanzler, so hieß es auf seinem Umfeld, finde das Vorgehen Döllners „befremdlich“, in der Automobilindustrie, so wird verbreitet, gehe man auf Distanz, Döllners Auftritt habe ein „schlechtes Bild auf die Autoindustrie“ geworfen. Die IG Metall nennt den Auftritt „höchst peinlich, politisch inakzeptabel und den Audianerinnen und Audianer nicht würdig“. Die VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo greift den Audi-Chef frontal an: Wer Trumps Rede gehört und dann gesehen habe, „dass in Gestalt von Herrn Döllner eines unserer Vorstandsmitglieder zum aktiven Teil dieser Veranstaltung wurde, muss vor Scham im Boden versinken“. Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Verächtlichmachung der Demokratie- und einer der obersten VW-Repräsentanten leiste dabei Wahlkampfhilfe. „Seit dem 25. Oktober können wir unsere Konzerngrundsätze beerdigen.“
Man schämt sich für den Audi-Chef
In den einschlägigen sozialen Medien kursieren schon die entsprechenden Aufkleber. „I bought this before Gernot went crazy.“ Das gilt auch für mich, ich hätte den Audi Q2 nicht gekauft, und wenn es möglich wäre, würde ich all die Firmenzeichen, all die Ringe überkleben, ich würde es tun. Weil ich mich schäme für einen Auto-Chef, der einen Demagogen unterstützt, der demokratische Institutionen angreift, um sie zu schleifen. Der sich auf die Seite eines Präsidenten stellt, der Jagd macht auf illegale Migranten und der gerade wieder mal mit für ihn typischen Bemerkungen auf sich aufmerksam gemacht hat. So hat er bei einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner in Port Huron im Bundesstaat Michigan über den Hintern der Rapperin Nicki Minaj gesagt: Sie habe einen „verdammt schönen Arsch“ und der „ist nicht zu übersehen.“ Welch sprachliche Höchstleistung!
Was für ein Präsident! Der würde doch bestimmt Gernot Döllner die nötigen Einwanderungspapiere besorgen, dann könnte Döllner auch offiziell in die Mannschaft von Donald Trump einsteigen. Neben Elon Musk. Den „moralischen Kompass“(SZ) für den Job in Ingolstadt hat er ganz offensichtlich nicht.
Non olet? Doch, dieses Geld, das da winkt, stinkt zum Himmel.













