Weihnachten

Alles zu Weihnachten: Hilflose Flüchtlingskinder – verlogene Politiker

Schlimmer kann der Kontrast nicht sein, deutlicher können deutsche Politiker, die sich auch noch christlich nennen, ihre Verlogenheit nicht offenbaren. Soll ihnen gefälligst die Stimme versagen, wenn sie am Heiligen Abend das Lied singen „Christ, der Retter, ist da“; soll ihnen der weihnachtliche Gänsebraten im Hals stecken bleiben, damit sie vielleicht ein wenig Existenzangst verspüren, bevor sie zum guten Ende den Bissen wieder rauswürgen.

Die Bilder dieser Tage vom Elend tausender Flüchtlinge in völlig überfüllten und verdreckten Lagern im überforderten Griechenland, diese Bilder waren und sind ein Appell an uns im sicheren und geordneten Deutschland. Gerade in den Weihnachtstagen sollten sie uns besonders zu Herzen gehen, wenn wir denn noch ein Herz haben.

Vor allem die Aufnahmen von den verzweifelten, entwurzelten, traumatisierten Kindern, die in diesen Lagern umherirren. Da war es eigentlich nur ein ganz selbstverständlicher Reflex, dass Robert Habeck, Chef der Grünen, verlangte, Deutschland sollte ein paar tausend Kinder von den griechischen Inseln holen – auch ohne europäischen Konsens. „Es ist ein Gebot der Humanität, da schnell zu helfen.“

Beschämend und empörend, wie sich Politiker der CHRISTLICH demokratischen/sozialen Union ganz schnell und eindeutig querstellten. Die Uneinigkeit und Unfähigkeit der europäischen Union, die in entscheidenden Fragen schon lange keine Union mehr ist, scheint ihnen ein geradezu willkommener Vorwand für ihre Verweigerung und Drückebergerei. Ein paar Beispiele: Ein deutscher Alleingang komme nicht infrage, meinte CDU-Innenstaatssekretär Günter Krings. Auch andere EU-Staaten müssten einen Beitrag leisten. CDU-Innenpolitiker Armin Schuster warnte vor „unkalkulierbaren Folgen“ einer massenhaften Aufnahme von Flüchtlingen. Besonders zynisch der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph de Vries. Er sieht in der von Habeck geforderten Geste der Solidarität die Gefahr, „dass erneut Fehlanreize geschaffen werden, die neue Migrationswellen nach Deutschland auslösen“. Und die FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg, von der man selten Geistreiches vernimmt, tat Habecks Appell als „PR-Aktion kurz vor Weihnachten“ ab. Die Frau scheint nun wirklich zu dumm zu sein, die besondere Peinlichkeit ihrer Aussage zu erkennen. Denn wenn Habecks Appel ganz besonders in eine Zeit passte, dann in die Weihnachtszeit. Christus, den wir im viel beschworenen „christlichen Abendland“ zu Weihnachten besonders innig und intensiv besingen, hat genau das von uns verlangt, was Frau Teuteberg als PR-Aktion diffamiert: Hilfe für die, die diese Hilfe besonders dringend brauchen. Und wer benötigte gerade jetzt Hilfe mehr als die Kinder in den verdreckten Lagern auf den griechischen Inseln ? Zynisch, wenn wir im reichen Deutschland weiter warten wollten, bis sich Europa auf ein Flüchtlingskonzept einigt. Solange können nämlich die bemitleidenswerten Kinder von Lesbos und den anderen Inseln nicht mehr warten. Sie werden eher krepieren. Der SPD-Innenminister von Niedersachsen, Boris Pistorius, brachte es auf den Punkt: „Wenn alle immer warten, dass alle mitmachen, macht am Ende keiner was.“ Und der schleswig-holsteinische SPD-Fraktionsvorsitzende Ralf Stegner begründete das Gebot, wenigstens die alleingebliebenen Kindern aus den Flüchtlingslagern zu befreien, mit der Botschaft der Weihnachtsgeschichte. Die neugewählte SPD-Vorsitzende Saskia Esken hingegen äußerte sich nur vage und vermied es, den Habeck-Vorstoß zu unterstützen. Peinlich für eine Sozialdemokratin, die einen radikalen Neuanfang und ein schärferes Profil ihrer Partei versprochen hatte.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Larisa Koshkina, Pixabay License

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Christoph Lütgert

Christoph Lütgert war Rundfunk-Korrespondent beim NDR, hat für Panorama gearbeitet und war später Chefreporter Fernsehen beim Norddeutschen Rundfunk. Lütgert wurde wegen seiner sozialkritischen Reportagen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.


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