Deutsche Nationalmannschaft 2014

Beim Fußball  gewinnen nicht immer die Deutschen – Nach der Niederlage der Bayern Sorgen um die deutsche Fußballnationalmannschaft

 Am Ende gewinnen immer die Deutschen, hatte einst der englische Fußballstar Gary Lineker seine Erfahrungen in den Fußballspielen englischer Mannschaften gegen deutsche Kicker zusammengefasst. Nun ja, ganz so einseitig war es nie und ist es schon länger nicht mehr. Nehmen wir die Bayern aus München, die gerade gegen Real Madrid mit 1:2 verloren haben. Gut, es gibt noch ein Rückspiel in der nächsten Woche in der spanischen Metropole. Aber es sieht nicht gut aus für die Spieler von Trainer Jupp Heynckes, denen man sogar das Tripel zugetraut hatte- also Gewinn der deutschen Meisterschaft, des Pokals und der Champions-League. Jetzt könnte es passieren, dass sie international mit leeren Händen dastehen.

Der Leser des Blog-der-Republik weiß, zumindest habe ich das gelegentlich erwähnt, dass ich ein Anhänger der Schalker bin, aber ein gemäßigter. Und ein echter Blauer wird mir sofort die Fanschaft absprechen, wenn ich einräume, dass ich auch mit den Erfolgen der Dortmunder Borussia leben kann. Ich habe mir sogar mal-20 Jahre ist es her- im Fan-Shop des BVB ein schwarz-gelbes Fähnchen gekauft und es- um eine Wette einzulösen- in den Blumenkasten der Terrasse unserer Wohnung damals in Wattenscheid gesteckt. Sei´s drum. Und auch um das klarzustellen:  ich hätte mich über einen Sieg der Bayern gegen Real gefreut.

Zugegeben, sie hätten gewinnen können, hatten einige gute Torchancen, aber gut gespielt haben sie nicht. Allein wie sie die Tore kassiert haben, zeigte die Lücken in der Bayern-Abwehr auf. Und im Sturm war Lewandowski abgemeldet und auch Thomas Müller, den ich sehr schätze, spielte an dem Abend nicht gerade glücklich. Und am Ende hatte Madrid das Spiel ziemlich unter Kontrolle. Ich glaube, die hätten noch zehn Minuten länger kicken können, sie hätten kein Tor mehr geschossen.

Wenn Boateng für die WM ausfällt…

Auffallend an diesem Abend waren auch die Verletzten. Erst Robben, dann Boateng, schon wieder Boateng, irgendwas mit dem Oberschenkel. Und schon scheint sein Einsatz für die WM in Russland fraglich zu sein. Also Löws Mannschaft ohne einen der weltbesten Innenverteidiger? Dazu ohne Manuel Neuer und mit einem Kimmich, der zwar ein glückliches Tor erzielte, was er aber mehr dem Stellungsfehler von Reals Torwart verdanken konnte denn dem eigenen Können? Gut, Neuer durch ter Stegen zu ersetzen, das passt. Ich weiß, der Vergleich mag unfair sein, aber der gute Kimmich ist weit entfernt, seinem Amtsvorgänger auf der rechten Verteidiger-Seite, Lahm, das Wasser reichen zu können.

Überhaupt muß man sich fragen, wie weit denn eine deutsche Elf in Russland kommen wird? Aus meiner Sicht ist sie schon länger die Favoriten-Rolle los. Das mag man sich wünschen, weil es vielleicht etwas Druck wegnimmt. Aber anders als vor dem Turnier 2014 in Brasilien fehlt der deutschen Mannschaft der Glanz, die Struktur, der Wille, man scheint  kein hohes Tempo gehen zu können. Und vorn im Sturm sieht es mehr als mau aus. Wenn schon die Bayern gegen Madrid verlieren… Man darf nicht vergessen, dass der FC Bayern die Hälfte der Mannschaft für die WM stellt. Und die anderen? Toni Kroos, der Mittelfeldstar von Real, spielte in München mehr aus dem Stand, er war nicht gefordert. Hoffentlich kann er in Russland zu alter Stärke zurückfinden. Andere Nationalspieler, die auf der Insel Dienst tun, scheinen auch nicht gerade in Höchstform zu sein. Oder sollte der eine oder andere den Zenit seiner Laufbahn überschritten haben? Ich denke da an Mezut Özil, der, wenn er in Form ist und fit, genial ein Spiel verändern kann. Aber kann er das noch?

Als Götze in München scheiterte

Ein anderer, in Brasilien noch ein Weltstar, hinkt seit Jahr und Tag seiner Form hinterher. Mario Götze scheint sich überhaupt nicht mehr zu Recht zu finden auf dem Platz, auf dem er vor Jahren noch dem Gegner den Ball durch die Nase spielte. Sein Fehler: Dass er einst Dortmund den Rücken kehrte und meinte, in München eher sein Glück finden zu können. Götze, ein Riesen-Fußballer, im besten Alter immer noch, scheiterte an der Isar und läuft am Borsigplatz seiner Form hinterher. Wenn der es noch packen könnte, der wäre eine Verstärkung, wenn..Andere Spieler machen es Götze nach: Leon Goretzka, der noch bei Schalke spielt, wechselt im Sommer nach München. Wegen des Geldes, oder weil der Titel gewinnen will, die in Schalke vorerst wohl nicht zu erreichen sind, oder oder? Ich bin gespannt, ob er den Sprung schafft. In Schalke hat er ansatzweise  gezeigt, was er draufhat. Aber erreicht hat er bisher nichts. Und in knappen Spielen der Schalker hat Goretzka nicht den Mumm gezeigt, den ein Führungsspieler aufbringen muss, um ein Spiel zu drehen. Nach der Niederlage von S04 in Hamburg hat er gemeckert, dabei hätte er die Sache in die Hand nehmen müssen. Man kann nur hoffen, dass Gorezka seine Entscheidung, zu den Bayern zu wechseln, nicht bereuen wird. Wie einst Götze und viele andere, die es nicht geschafft haben. Bayern München, das ist eine andere Welt. Zumindest in Deutschland. Da kann man schnell auf der Bank landen und muss froh sein, wenn man mal ein paar Minuten spielen darf. Der Fall des Max Meyer ist ähnlich. Er verlässt Schalke, was sein gutes Recht ist. Aber ob er woanders glücklicher wird? Auch Meyer hat bisher mit Schalke noch nichts erreicht. Die Frage ist Spieler-Wechseln auch immer: Welche Rolle spielen die Berater der Spieler, die ja an einem Transfer finanziell nicht ganz unbeteiligt sind.

Zurück zu den Bayern und der Nationalmannschaft. In der Bundesliga sind die Roten von der Säbener-Straße ohne nennenswerte Konkurrenz. Der Tabellenzweite Schalke liegt um 20 Punkte zurück, die Dortmunder Borussia, vor Jahren noch ein wirklicher Gegner der Bayern, sind auf dem dritten Tabellenplatz und müssen um die Teilnahme an der Champions-League kämpfen. Das direkte Duell hat der BVB vor ein paar Wochen gegen die Bayern mit 0:6 verloren. Mehr muss man dazu nicht sagen. Blamabel. Auch die Schalker haben keinen  Stich gegen die Bayern gemacht, sie wurden sogar dafür gefeiert, dass sie in München lediglich mit 2.1 verloren. Einzig Leipzig hat die Bayern bezwingen können. Nein, da ist kein Wettbewerb mehr, die Bayern werden in der Bundesliga nicht mehr gefordert. Sie gewinnen mit welcher Aufstellung auch immer gegen wen auch immer. Aber international liegen die Dinge anders. Gegen Sevilla und Istanbul hat es locker gereicht, gegen Madrid nicht. Und das lässt ziemliche Sorgen aufkommen für die deutsche Nationalmannschaft. 

Schon bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren wurden die Defizite der Deutschen deutlich, es reichte gegen Frankreich nicht und Europameister wurde Portugal, das kleine Portugal mit dem großen Ronaldo. Fußball ist nur ein Spiel und es ist die schönste Nebensache der Welt- solange wir gewinnen. Danach sieht es im Moment nicht aus. Ich hoffe, ich liege mit meinem Urteil meilenweit daneben.

Bildquelle:  Danilo Borges/Portal da Copa copa2014.gov.br Licença Creative Commons Atribuição 3.0 Brasil – [1], CC BY 3.0,

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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