Buchtitel - Alexandre Dumas "gefährliche Reise durch den wilden Kaukasus"

Bergkarabach: Überflüssiger Streit zwischen Armenien und Aserbaidschan

Als gäbe es international nicht genug Streit auf der Welt, so streiten nun überflüssiger Weise zwei Staaten miteinander, die sich besser um ihre gemeinsame Zukunft kümmern sollten. Jetzt aber heisst der Nutznießer der Auseinandersetzungen Putin. Der russische Präsident lässt seine Truppen aufmarschieren, um für Ruhe zu sorgen.  Er nutzt die Gelegenheit, den Kreis seiner Teilrepubliken zu vergrößern. Wenn es denn dem Frieden dient!

Das Problem ist Jahrhunderte alt . Ob man es glaubt oder nicht. Der Franzose Alexandre Dumas, wohl eher ein Autor der leichten Zunft, der mit seinen Geschichten des Grafen von Monte Christo weltberühmt wurde, unternahm um 1860 eine Reise von Paris über Köln und Stettin nach Sankt Petersburg und weiter nach Moskau und über die Wolga und bis zum Kaspischen Meer nach Tiflis. Dumas, ein guter Jäger, beschreibt, wie er mit Gewehren und Pistolen ausgestattet sich nachts durch Finsternis  und Berge von Schnee vorwärts bewegt. Sein Buch die „Die kaukasische Fahrt“ schildert Wolfsjagden und nächtliche Überfälle. Das Zarenreich hat Mühe und Not, sich zu behaupten. Wer keine Kosaken mobilisieren konnte für die Reise von Poststation zu Poststation, der sollte lieber auf das Abenteurer Kaukasusreise verzichten. Die Ureinwohner versäumen keine Gelegenheit, Reisende als Geiseln zu nehmen und für deren Freilassung ein Lösegeld zu verlangen. Ist dieses bezahlt, bringen sie ihre Geiseln um. Sie erreichen auf diese Weise, nicht vor Gericht gestellt  zu werden und ohne langen Prozess zum Tode auf die grausamste Weise verurteilt zu werden.

Stets spielte, wie bis heute, die Religion eine Rolle. Russisch-Orthodoxe gehörten der Oberschicht an. Zum einfachen Volk gehörten überwiegend die Muslime. Da kann es laut Dumas passieren, dass ein Moslem auf dem Markt seine Frau verkauft. Diese hat gar nichts dagegen. Hofft sie doch, im Harem eines reicheren Herrn und Meister zu landen.

Warum, so fragt man sich unwillkürlich, geht Russland so behutsam vor. Auf armenischer und aserbeidschanischer Seite haben Nationalisten das Sagen. Unvergessen ist derweil, dass Russland sehr wohl intervenierte, als Georgien 2008 versuchte, Südossetien mit Gewalt zu erobern. Putin liess Panzer rollen.

Nie freilich waren die streitenden Parteien so friedlich wie während des Zweiten Weltkriegs. Ein Georgier stand am der Spitze des Sowjetunion. Er nannte sich Stalin, und er gewann den „vaterländischen Krieg“, ein Erfolg, den ihm niemand nehmen konnte.

Die Armenier hatten in Russland immer schon den Ruf wie in Deutschland die Ostfriesen. Sie galten als komisch und vielleicht auch ein bisschen blöd. Wenn Russen in der Sowjetunion etwas zu lachen haben wollten, dann stellten sie eine Frage an Radio Eriwan, den Sender der armenischen Hauptstadt. Das Muster war immer dasselbe. Frage: Können zwei Männer ein Kind zeugen? Antwort: Im Prinzip Nein. Aber es wird immer wieder versucht. Ein Hindernis sind unverändert die Türken mit ihrem Präsidenten Erdogan. Er hat bis heute den Völkermord an den Armeniern nicht eingeräumt. Zu Tausenden machten sie sich auf den Weg nach Süden über Griechenland und Italien nach Frankreich. Sie sind an ihren Namen leicht zu erkennen. So war der beliebte französische Chansonsänger Charles Aznavour ein Nachfahre von Armeniern. Als er vor zwei Jahren starb, reiste der französische Präsident Macron nach Armenien, um ein Denkmal für Aznavour und seine Familie seiner Bestimmung zu übergeben. Erdogan protestierte würdelos, laut und deutlich.

Bildquelle: Alexandre Dumas, Gefährliche Reise durch den wilden Kaukasus, edition erdmann ein Imprint von Verlagshaus Römerweg, 2020

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