Klimawandel

Bühne frei für die Selbstdarsteller

Davos bleibt ein Spektakel, das kaum der Rede wert ist. Gleich zum Auftakt hat das 50. Stelldichein der Reichen und Mächtigen beim Weltwirtschaftsforum klargemacht, dass nicht mehr Tiefgang und Ernsthaftigkeit zu erwarten sind. Den großen Menschheitsfragen zum Trotz geht es im Schweizer Skiort gewohnt seicht zu.

Bühne frei für die Selbstdarsteller. US-Präsident Donald Trump, in dieser Disziplin unübertroffen, redet dem ungezügelten Kapitalismus das Wort. Er preist sich selbst, seine Wirtschaftspolitik und ihre vermeintlichen Erfolge, ungeachtet dessen, dass sie auf der rücksichtslosen Ausbeutung von Mensch und Ressourcen basieren, wenige Gewinner und massenhaft Verlierer produzieren. Er predigt das Weiter so, das verantwortungslose Plündern und Profitmachen auf Kosten der natürlichen Lebensgrundlagen.

Die Kräfte des Marktes werden es schon richten, meint der Präsident, der sich daheim in einem Verfahren zur Amtsenthebung befindet. So wie er dort Optimismus als patriotische Pflicht gegen die innenpolitischen Anklagen einfordert und sich als unverwundbar inszeniert, verlangt er von den Wirtschaftsraum- und Staatenlenkern in Davos eine globale Gleichgültigkeit gegenüber der Klimakrise.

Trump greift die Klimaschutzbewegung an und verunglimpft sie als Propheten des Weltuntergangs, gerade so, als seien es nicht wissenschaftliche Erkenntnisse und bereits spürbare Folgen, die dringend zum Handeln mahnen. Es verwundert ja nicht, dass Greta Thunberg in ihrer Rede mehrfach die Wendung „immer noch“ gebraucht. Unser Haus brennt noch immer, und der erste und prominenteste Redner in Davos predigt Tatenlosigkeit.

Die Ungeheuerlichkeit dieses Auftritts macht fassungslos. Daran ändert die Bereitschaft zum Pflanzen von Bäumen nichts. Trumps Rede überschattet das gesamte Treffen und verlängert das Versagen an den drängenden Überlebensfragen der Menschheit.

Bildquelle: pixabay, user geralt, CC0 Creative Commons

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Petra Kappe
Über  

Die promovierte Medienwissenschaftlerin arbeitete mehr als 20 Jahre in der Politikredaktion der Westfälischen Rundschau. Recherchereisen führten sie u. a. nach Ghana, Benin, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, China, Ukraine, Belarus, Israel und in das Westjordanland. Sie berichtete über Gipfeltreffen des Europäischen Rates, Parteitage, EKD-Synoden, Kirchentage und Kongresse. Parallel nahm sie Lehraufträge am Institut für Journalistik der TU Dortmund sowie am Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus in Dortmund wahr. Derzeit arbeitet sie als freie Journalistin.


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