Schweinsbraten

Das Beste aus aller Welt und andere Schweinereien

Es geht wieder aufwärts in Deutschland: Bei Tönnies darf wieder geschlachtet werden. Endlich eine gute Nachricht. Oder?  „Das Beste aus aller Welt“ heißt die Kolumnen-Serie des  Schriftstellers und  Satirikers Axel Hacke, die wöchentlich das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ schmückt. Tägliches und Alltägliches findet sich dort aufgespießt, darunter vor kurzem ein paar Zeilen über ein Thema, das die ganze Republik beschäftigt. Die Schweinereien in Schlachtbetrieben, wie es bei Tönnies und Co zugeht. Auch hygienisch, ohne Abstand. Wörtlich Hacke:  „Abermillionen Schweine werden in Deutschland jedes Jahr umgebracht, zerlegt und gegessen. Steht uns nun ihre Vergeltung bevor?“ Hacke hat dazu  gruselige Geschichten entdeckt.

In alten Zeiten hätten die Schweine zum Haus gehört, schreibt er. Ich weiß noch, dass kurz nach dem Krieg, in der Zeit, als es wenig gab, auch bei uns zu Hause geschlachtet wurde. Da das verboten war, wurden die Kinder früher ins Bett geschickt, damit sie nichts mitkriegten, das sie später hätten weitererzählen können. Am nächsten Morgen war dann die Waschküche blitzblank, kein Blutfleck zu sehen. Später hat  man uns davon berichtet, dass der Metzger ins Haus gekommen sei und eine Sau geschlachet und sie in Stücke zerlegt habe. Das Fleisch wurde dann im Haus verteilt, wir waren drei Familien.

Zurück zu Hacke. Das Schwein habe in einem Stall hinterm Haus gelebt, heute seien sie nur noch „Teil einer Lieferkette, wie Kotflügel, Bremsscheiben oder Autositze“. Züchter, Mäster, Schlachter, Zerleger, Verpacker, Händler, Esser. Das „Unglück der Schweine“ habe von jeher darin bestanden, „dass sie dem Menschen mit nichts anderem dienen konnten als mit ihrem Tod“. Anders als Esel, Pferde, Ochsen, die immerhin Arbeitskräfte waren, den Hund erwähnt der Autor auch, der habe schließlich aufpassen und Ziegen, Schafe und Rinder hüten müssern. Die Schweine waren also immer das, was der Name schon sagt: Schweine mit dem Zusatz arme.

Ich gebe zu, ich war noch nie in einer Schlachterei, ich habe die Fleischfabrik von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück nur von außen gesehen, das reichte mir, riesige Hallen. Und Hacke vermutet, würden wir nur einmal im Leben „Zeuge industrieller Tierfabrikation und -schlachtung“ sein, die Republik wäre längst ein „Volk der Pflanzenesser“. Damit das nicht passiert, erspare ich den Lesern des Blog-der-Republik auch jene Stelle der Kolumne, in der Hacke sich vorstellt, dass ein Teil der 2019 geschlachteten 55 Millionen Schweine sich auf den Weg zu uns machen würde, unsere Städte durchwandern, unsere Supermärkte durchschnobern, unsere Gärten durchwühlen, so wie wir das regional im Raum Bonn wie im Umfeld von Berlin von den Wildschweinen kennen und sie fürchten. Nein, ich will auch nicht weiter den Autor sprechen lassen, wie die Schweine auf unseren Straßen tanzten und unsere Nachtwächter anfielen. Ich lasse die Passage weg, in der Hacke den Tierbuch-Autor Brehm zitiert, ein Hausschwein werde nach wenigen Jahren „zu einem wilden und bösartigen Tier“, das Tönnies erscheinen werde, nachts, das Millionenheer werde vor seiner „Villa warten oder sich auf dem Rasen der Veltins-Arena von Schlachte 04 suhlen“. So Hacke wörtlich. Ob er weiß, dass vor vielen Jahren eine Sport-Moderatorin des WDR gerüffelt wurde, weil sie von Schalke 05 gesprochen hatte?

Wie gesagt, ich lasse das alles unter den Tisch fallen, weil ich nun mal gern einen Schweinebraten esse und mir das auch von Axel Hacke nicht zerhacken lasse. Er müsste als Bayer selber wissen, wie ein solcher Schweinebraten schmeckt, mit Kruste und Sauce, dazu Kartoffelknödel. Ich kenne ein paar private Adressen im Bayerischen Wald. Wenn dort der Schweinsbraten-ohne e- serviert wird, läuft dem normalen Zeitgenossen das Wasser im Mund zusammen. Außernbrünst ist so ein Schweinsbraten-Zentrum. Unbekannt? Liegt am Eingang des Bayerischen Waldes. Auch in der einen oder anderen Kneipe dort gibt es diese Spezialität. Oder lesen Sie einfach das Rezept meiner Frau: Schweinenacken(ohne Knochen), Suppengrün(also eine Möhre, Knollensellerie, Zwiebel, Lauch. Fleisch einen Tag vorher gut würzen mit Salz, Peffer, zerdrückter Knoblauchzehe, Kümmel. Das Ganze zugedeckt in den Kühlschrank stellen. Untere Schiene im Backofen auf 200 Grad heizen, Fleisch in einen Bratentopf oder Fettpfanne geben, Suppengrün und Zwiebel klein schneiden und dazugeben, nach einer halben Stunde mit Wasser begießen, öfters wiederholen, geht auch mit Bier, nach 2,5 bis 3 Stunden ist der Braten fertig. Dazu gibt es warmen Krautsalat und kaltes Bier.

Das ist das beste Rezept der Welt.(Ich habe weder einen grünen Daumen, noch werde ich zum Vegetarier oder Veganer. Und ich werde auch nicht, wie Hacke das abschließend in seiner Kolumne angekündigt hat, eine halbe Millionen Schweine adoptieren. Das ist Tönnies Sache. Mein Garten ist für einen richtigen Saustall mit gerade mal 60 Quadradmetern zu klein.) Guten Appetit.

Bildquelle: Pixabay, Bild von RitaE, Pixabay License

 


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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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