In der Kürze der Zeit sind bereits viele kluge Dinge über die US-Zwischenwahlen am 3. November gesagt worden, warum es diesen „blauen Tsunami“ gab und was die Folgen sein könnten. Ich möchte hier nichts wiederholen, sondern auf einen noch wenig beachteten Mechanismen hinweisen, der den weiteren Verlauf prägen könnten.
Da ist zunächst die Frage, ob die absolute Beherrschung der Republikanischen Kongressmitglieder durch den Präsidenten so bleiben wird, wie sie in den letzte Jahren fast monolithisch in Erscheinung trat. Seit einiger Zeit bin ich überzeugt, dass dieser Führungsabsolutismus durch Trump mit der Drohung, b.z.w. der Angst der Abgeordneten und Senatoren zusammenhing, ohne Trumps Unterstützung, genauer: gegen seine Billigung, habe man als Republikaner keine Chance auf Wiederwahl; natürlich spielten dabei auch finanzielle Aspekte eine mittelbare Rolle, denn diese Hilfe bekam man wohl nur, wenn die Spender im Sinne von Trump, Musk und Konsorten zu handeln glaubten.
Die Zwischenwahlen haben nun gezeigt, dass die Unterstützung durch Trump Gift war für die Kandidaten. Man kann also erwarten, dass es immer mehr Abgeordnete dieser Partei geben wird, die Distanz zu Trump suchen werden, weil sich Nähe als toxisch erwiesen hat. Ein erstes Zeichen für diese Entwicklung ist die distanzierende Erklärung des Vize-Präsidenten Vance zum Irankrieg. Es dürfte bald noch mehr solche Stimmen aus dem Kreis des Militärs und der Wirtschaft geben, die sich nicht mehr einschüchtern lassen.
Man kann ja spekulieren, dass Trump selbst so dumm und uninformiert ist, dass er seine eigene Toxizität nicht sieht. Seine Erklärung, mit ihm auf den Wahlzetteln hätte es einen republikanischen Erdrutschsieg gegeben, ist entweder Verblendung oder der ungeschickte Versuch, sich den Schlamm der Niederlage aus den Kleidern zu schütteln.
Wie dem auch sei: er wird es nicht nur schwer haben mit den demokratischen Mehrheiten, sondern auch mit immer mehr Parteifreunden. Noch bleibt Trump der strategie- und charakterloseste Präsident meines politischen Gedächtnisses von fast 70 Jahren, wahrscheinlich seit je! Aber am Horizont wird es wieder ein wenig heller für Humanität und Menschenrechte, Nachhaltigkeit und Völkerrecht.













