Garzweiler

Energiewende: Teuer, unsicher, umweltunfreundlich

Im ersten Quartal dieses Jahres ist der Energieverbrauch hierzulande kräftig gestiegen, nämlich um fast 6 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dabei kam manches zusammen: Die anhaltend gute Konjunktur mit einer Ausweitung der wirtschaftlichen Aktivitäten, die Zunahme der Bevölkerung und auch die kalten Monate Februar und März. Ohne den Witterungseinfluss wäre der Energieverbrauch wohl lediglich um 3 % nach oben gegangen.

Noch 6 % aus Atommeilern

Es lohnt sich angesichts der nach wie vor intensiven energiepolitischen Diskussion dennoch, einmal genau auf die verschiedenen Energiequellen zu blicken, aus denen der Energiekonsum gespeist wird, aus denen Strom, Wärme, Treibstoffe und vieles mehr für die Wirtschaft und privaten Haushalte stammen. Fast 30 % des deutschen Primärenergieverbrauches wird immer noch vom Mineralöl gedeckt, über 30 % vom Erdgas. Auf die Steinkohle entfielen im ersten Vierteljahr 2018 noch über 10 %, auf die Braunkohle 9,9 %; bei der Steinkohle ging der Einsatz recht kräftig (-12 %) zurück, bei der Braunkohle nur mäßig (-1,5 %). Dagegen lieferten die Kernkraftwerke von Januar bis März fast ein Drittel mehr an Primärenergie als im Vergleichszeitraum des Vorjahres; ihr Anteil am gesamten Verbrauch lag knapp unter 6 %.

14 % aus Erneuerbaren

Die erneuerbaren Energien konnten zum Jahresbeginn ihren Beitrag zum gesamten Energieverbrauch um fast 9 % steigern. Während der Zuwachs bei der Wasserkraft infolge höherer Pegelstände an den Flüssen um 34 % besonders kräftig ausfiel, gab es bei Windkraft ein Plus von 22 % und bei der Biomasse eine Steigerung um 4 %. Dagegen verzeichnete die Solarenergie ein Minus von 6 %. Alle erneuerbaren Energieträger bringen es nach wie vor gerade einmal auf knapp 14 % des Primärenergieverbrauches.

Gewiss werden sich die Anteile der verschiedenen Energieträger im Laufe des Jahres noch verändern; im zweiten Quartal 2018 gab es bislang vor allem viele gute Sonnentage.

Dennoch müssen die nüchternen Betrachtungen der einzelnen Energieträger die Wirtschafts- und Umweltpolitiker mehr als nachdenklich machen. Denn die Energiewende hat bislang keineswegs die einst ebenso mutig wie lautstark verkündeten Erwartungen erfüllt. Die abrupte Abkehr von der Kernkraft – und der angestrebte Ausstieg aus der Kohle sind waghalsige Manöver in unsicheren Zeiten.

Ende der Kohle-Ära

Für eine sichere Stromversorgung ist Grundlast für die Netzstabilität erforderlich. Die letzten Atommeiler werden 2022 vom Netz gehen müssen, so ist die politische Beschlusslage bei uns. Die letzten Steinkohlezechen in Ibbenbüren und Bottrop werden Ende 2018 geschlossen; damit wird es bei diesem Energieträger eine 100 %ige Importabhängigkeit geben. Der Widerstand gegen die Braunkohle aus der Lausitz und dem rheinischen Revier hat weiter zugenommen; eine große Kohlekommission soll den Auslaufkurs für diesen Energieträger festlegen und Vorschläge für regionalen wie sozialen Strukturwandel vorzeichnen – ein wahrlich schwieriges Unterfangen.

Widerstand gegen Windräder

Bald sind es fast 1.000 Bürgerinitiativen, die gegen die Errichtung weiterer Windanlagen an Land Sturm laufen. Die Winde in deutschen Regionen sind recht diskontinuierlich; es herrscht in der Tat genug Flaute, sodass sich die Rotoren oft genug nicht drehen. Zur Sicherung von Grundlast könnten Offshore-Windanlagen einen guten Beitrag leisten. Doch bei allem Engagement der Betreiber – wie etwa von Ørsted/ Dänemark – findet der Strom von hoher See mangels Leitungen nicht den Weg zu den Verbrauchern in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg oder Bayern. Auch ausreichende Speicherkapazitäten für diesen Strom fehlen bislang. Diesen günstigen Strom bald zu Gas und Wasserstoff umzuwandeln, das wäre eine technologische Herausforderung, um so einen Beitrag zur Energieversorgung zu leisten; doch sind dafür Großanlagen nicht in Sicht, ja nicht einmal geplant.

Kein Sonnenland

 Auch kann die Sonne kaum helfen, um die eingeleitete Energiewende mit Erfolg durchzuführen. Deutschland ist kein Sonnenland; auch hier herrscht Diskontinuität. Es fehlen Speicherkapazitäten, etwa Pumpspeicherwerke, um den Sonnenstrom besser nutzen zu können. Selbst im Freistaat Bayern ist es ein Kreuz mit den Bürgerinitiativen, die Front gegen Pumpspeicherwerke machen. Bisweilen freuen sich die österreichischen Energiewerke, die den Sonnenstrom aus Bayern billigst geliefert bekommen und ab Sonnenuntergang Strom zu Spitzenpreisen aus ihren Pumpspeicherwerken zurück nach Bayern liefern können.

Energie für Strom + Wärme + Verkehr

Mancher Unsinn wird heute mehr und mehr zur Methode einer Energiepolitik, die die Wende ohne tragfähige Strategie geradezu stümperhaft inszenierte und den Umstieg von der Kernkraft auf andere Energieträger einfach nicht schafft. Allüberall fehlt es an Speichern und vor allem auch an Stromtrassen sowie an neuen Technologien für die Wärmeversorgung, auf die 40 % des Energieverbrauchs entfallen. Und energiesparende Fahrzeuge im Verkehr spielen bislang keine nennenswerte Rolle, weil sie recht teuer sind, die Tankstellen dafür fehlen und die Reichweiten gering sind.

Alles ist bislang mehr oder weniger Stückwerk mit immer neuen Gesetzen und Verordnungen, mit Milliarden-Subventionen und wenig erfolgreichen Umsteuerungen. Die Energieversorgung ist so auf Dauer keineswegs gesichert. Zudem wird sie für den Verbraucher in Wirtschaft und in den privaten Haushalten immer teurer. Zugleich wird die Umweltverträglichkeit kaum besser; die Klimaziele, die die Politik lange Zeit vorgegeben hatte, mussten bereits zurückgenommen werden. Die gesamten volkwirtschaftlichen Kosten dieses Riesencoups im Energiebereich betragen viele 100 Milliarden Euro und sie drohen auch in Zukunft noch zu steigen.

 

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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