Gutschein

Frohes Gutscheinfest

Haben Sie das auch gelesen? Die GfK, die Gesellschaft für Konsumforschung, hat errechnet, dass in diesem Jahr vor allem Gutscheine auf dem Gabentisch landen – im Wert von 1,84 Milliarden Euro – eintausend-achthundert-vierzig Millionen. Da fragt man sich doch, was aus den guten alten Socken geworden ist – und der Krawatte oder der Cremetiegel für die Mama – den Geschenkideen für Ideenlose. Schenken ist bekanntlich schwer, weil der oder die schon alles hat. Bei der Geschenkübergabe hat man dann im Glanz des Lichterbaums mit gemischten Gefühlen gefragt. „Freust Dich?“ Eine ehrliche Antwort wäre interessant aber dem weihnachtlichen Frieden nicht dienlich. Immerhin profitierte noch der einschlägige Einzelhandel von diesen „last-minute“-Geschäften.

Jetzt also der Geschenkgutschein von Amazon, von Itunes, Spotify, Netflix, Douglas! Da ist der Beschenkte dann selber schuld, wenn er nicht das Richtige findet.

Das mit dem Gutschein hat etwas. Irgendwie ist er auch gut im wahrsten Sinn des Wortes. Der Deckel der Papiertonne lässt sich auch während der Feiertage immer noch schließen, an denen die Müllabfuhr ohnehin nicht kommt. So ein Gutschein belastet eben die Umwelt nur ganz wenig. Da wird das „Gut“ in Gutschein gleich doppelt unterstrichen. Eben Gut!-Schein im wahrsten Sinn des Wortes.

Nur für diejenigen wird der Trend mit den Gutscheinen zum Dilemma, die den Internethandel satthaben. Für sie wird der Trend zum Gutscheinschenken zur kreativen Herausforderung. Welche Farbe soll der Bon haben und wie kann der Wunsch grafisch dargestellt werden?

Wie male ich „Gutschein für 1x Aufräumen“, „Treppenputzen“, „Wagenwaschen“ oder „Ein Essen im Restaurant zum Gourmet“?

Ich habe einmal bei einer Feier anlässlich eines runden Festdatums von guten Freunden aus einem Lostopf mit zwölf Gutscheinen (für jeden Monat des neuen Jahres  ein Los!)  das Versprechen gezogen, dem Freund und seiner Frau in seinem Haus ein Weißwurstfrühstück zu servieren. Das Gefäß mit den Losen hatten andere als Überraschungsgeschenk zur Feier mitgebracht. Den Gutschein habe ich dann eingelöst. Ehrensache! Wir saßen eines schönen Frühlingstages im Garten unserer Freunde, genossen Weißwürste, Brezen, Obazdn und Weißbier mit und ohne Alkohol und das gute Gespräch. Kurz: Wir ließen es uns so richtig gut gehen. Auf der Heimfahrt wurde mir klar: Es ging bei der Verlosung nicht um Weißwurst und Brezn. Diejenigen die unsere Freunde mit dem Lostopf bedacht hatten, wollten ihnen Zeit schenken. Zeit, die sie mit Freunden verbringen können und sie mit ihnen. Genau genommen wurden wir alle auf diese Weise mit dem Gutschein bedacht. Wie man heute neudeutsch so schön sagt, war das eine Win-win-Situation. „Zeit ist Geld“, heißt es bekanntlich. Ich meine, geschenkte Zeit ist eine echte Bereicherung.

In diesem Sinn: Frohe Weihnachten!

Bildquelle: pixabay, KALHH, CC0 Creative Commons

Dieser Beitrag wurde zuerst in Peter Hausmanns Blog „Hausmannskost“ veröffentlicht

 

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Peter Hausmann

Peter Hausmann ist Mitglied der 12. Lehrredaktion der Deutschen Journalistenschule (DJS). und war Teilnehmer am ersten Modellversuch von DJS und Ludwig-Maximilians-Universität zur Journalistenausbildung. Anschließend war er als freier Journalist unter anderem für den Münchner Merkur und den Bayerischen Rundfunk tätig, wo er 1982 eine Festanstellung als Redakteur erhielt. Sein thematischer Schwerpunkt ist die Wirtschafts- und Sozialpolitik. Neben der journalistischen Arbeit erhielt er mehrere Lehraufträge zu den Themen Interviewtechnik und Rundfunkjournalismus an der Deutschen Journalistenschule München, der Ludwig-Maximilians-Universität und an der Katholischen Universität Eichstätt. 1988 wurde Peter Hausmann kommissarischer Leiter der Wirtschaftsredaktion Hörfunk beim Bayerischen Rundfunk. Nach dem Tod von Franz Josef Strauß, Ende 1988, wechselte er zur CSU als Sprecher des CSU-Vorsitzenden, Bundesfinanzminister Theo Waigel. Ende 1992 kehrte er zum Bayerischen Rundfunk als Leiter der Wirtschaftsredaktion Hörfunk zurück. 1994 wurde Peter Hausmann Sprecher der Bundesregierung und Chef des Bundespresseamtes unter Bundeskanzler Helmut Kohl. Bis Mai 1998 war er als beamteter Staatssekretär Mitglied der Bundesregierung in Bonn. Von 1998 bis 2005 war Peter Hausmann Partner der Wirtschaftsprüfungs-, Steuer- und Unternehmensberatungsgesellschaft Deloitte & Touche, und im November 2005 wechselte er als Partner zur PR-Agentur Pleon. Als Nachfolger von Peter Schmalz war er von 1. November 2008 bis 31. Oktober 2014 Chefredakteur der von der CSU verlegten Wochenzeitung Bayernkurier. Peter Hausmann ist Vorstandsmitglied des Ortsverbandes Laim-West der CSU.


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